Berlin  15 Minuten von Joko und Klaas: Wie Habeck, Merz und Scholz sie nutzten

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 11.12.2024 20:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Joko und Klaas haben den drei Kanzlerkandidaten Robert Habeck (von links), Friedrich Merz und Olaf Scholz ihre gewonnenen 15 Minuten Sendezeit geschenkt. Foto: Youtube/Joko und Klaas
Joko und Klaas haben den drei Kanzlerkandidaten Robert Habeck (von links), Friedrich Merz und Olaf Scholz ihre gewonnenen 15 Minuten Sendezeit geschenkt. Foto: Youtube/Joko und Klaas
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Unter dem Motto „Politik und Anstand“ haben Joko und Klaas ihre gewonnene Sendezeit von 15 Minuten den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD), Robert Habeck (Grüne) und Friedrich Merz (CDU) geschenkt. Sie stellen klar, was für sie im demokratischen Streit erlaubt ist – und was nicht.

Überraschung zur Primetime: Die drei Kanzlerkandidaten Robert Habeck (Grüne), Friedrich Merz (CDU) und Olaf Scholz (SPD) sind am Mittwoch um 20.15 Uhr unangekündigt auf Prosieben zu sehen gewesen.

Aufgetreten sind sie im Rahmen der 15 Minuten Sendezeit, die den Entertainern Joko und Klaas nach dem Sieg in der Show „Joko und Klaas gegen Prosieben“ frei zur Verfügung standen.

Unter dem Motto „Politik und Anstand“ hat sich zunächst Habeck auf einen Stuhl inmitten eines Lichterkreises gesetzt und zu den Zuschauern gesprochen. „In den kommenden Wochen werden Parteien, Politikerinnen und Politiker miteinander ringen, streiten. ‚Wahlkampf‘ kommt ja von ‚kämpfen‘“, beginnt er seinen Monolog. Das sei wichtig, um Standpunkte und Unterschiede der Parteien aufzuzeigen, damit sich die Wähler ein eigenes Bild machen könnten. Aber:

Ihn würde mit Merz und Scholz einen, dass sie nach den „gemeinsamen Regeln unserer liberalen Demokratie“ spielen. Im Gegensatz zu anderen Parteien, die zu Desinformationen und Lügen greifen würden, wie der Grünen-Politiker sagt.

Merz, als zweiter auf dem Stuhl, stimmt Habeck beim Streit innerhalb einer Demokratie zu: „Dieser Meinungsaustausch kann auch hart sein. Überzeugungen diskutieren wir oft leidenschaftlich. Richtungsentscheidungen für unser Land müssen diskutiert werden, damit die Ergebnisse gut werden.“

Doch diese Streitbarkeit würde die Demokratie auch verwundbar machen, so Merz. Wettstreit könne zum Kampf werden, wo der demokratische Gegner zum Feind erklärt und mit Ängsten gespielt würde.

Das sei jedoch der falsche Weg. Die Union wolle den Regeln des Anstands und des persönlichen Respekts folgen. „Nur wenn wir davon ausgehen, dass der andere auch einmal recht haben könnte, werden wir zu gemeinsamen Lösungen finden.“

Seine Redezeit schließt er mit einem Hinweis zu seinen Mitstreitern ab: „Bei allen Meinungsunterschieden in der Sache sage ich aus tiefster Überzeugung: Olaf Scholz und Robert Habeck sind keine Feinde. Sie sind politische Konkurrenten und Mitbewerber.“

Bundeskanzler Scholz kommt als letzter auf den Stuhl. Er stellt fest, dass eine große Nachrichtenflut täglich auf einen einprasselt, mit vielem „Reden und Gegenreden“. Das könne dazu führen, dass man sich verunsichert oder verängstigt fühlt. „Damit das nicht passiert, lohnt es, mal innezuhalten. Sich mal zu fragen: ‚Worauf kommt es wirklich an? Was ist wichtig, was ist Stimmungsmache? Und wem schenke ich in dieser Lage mein Vertrauen?‘“

Bezüglich der Streitbarkeit in einer Demokratie sagt er:

Der Wahlkampf diene dazu, Unterschiede aufzuzeigen. Nach dem Wahltag gehe es aber auch darum, wieder Gemeinsamkeiten auszuloten und Brücken zu bauen.

Neben der Zunahme an Falschinformationen in der Politik reagieren die drei Politiker damit auch auf eine sich zuletzt verschärfte Debattenkultur in Deutschland. Regelmäßig haben sich die Ampelparteien aus SPD, FDP und Grünen öffentlich gestritten, am Ende führte dies sogar zum Bruch der Koalition.

Aber auch abseits dessen hat sich der Ton im Parlament verschärft, wie zuletzt Bundestagspräsidentin Bärbel Bas kritisierte. Bezüglich rüder gegenseitiger Attacken in Plenardebatten sagte sie in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“: „Es stößt sie (die Bürger) auf jeden Fall ab, und das finde ich dramatisch. Sie nehmen nur wahr, die beschimpfen sich gegenseitig, die haben keinen Respekt mehr untereinander.“ Für Bürger sei das „schlimmer als im Kindergarten“.

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