Berlin  Warum es ein Fehler war, Alice Weidel nicht einzuladen 

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 14.12.2024 11:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Robert Habeck, Friedrich Merz und Olaf Scholz durften zur besten Sendezeit auf ProSieben über ihr Verständnis von Anstand in der Politik sprechen. Alice Weidel war nicht eingeladen. Foto: Youtube/Joko und Klaas
Robert Habeck, Friedrich Merz und Olaf Scholz durften zur besten Sendezeit auf ProSieben über ihr Verständnis von Anstand in der Politik sprechen. Alice Weidel war nicht eingeladen. Foto: Youtube/Joko und Klaas
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Die Kanzlerkandidaten Robert Habeck, Friedrich Merz und Olaf Scholz bekamen auf ProSieben 15 Minuten Sendezeit, um über Politik und Anstand zu sprechen. Dabei hätte Alice Weidel zu dem Thema doch viel mehr zu sagen gehabt.

Immer wieder beschwert sich die AfD, sie werde bei Interviews und allgemein in der Berichterstattung der Medien nicht ausreichend berücksichtigt. Diese Woche hatte sie wirklich Grund zur Klage. Die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf überließen 15 Minuten Sendezeit zur Primetime auf ProSieben den drei Kanzlerkandidaten von Grünen, SPD und Union. Und die Kanzlerkandidatin der AfD, Alice Weidel? Fehlte! 

Dabei hätte sie zum Thema der Sendung, „Politik und Anstand”, doch richtig viel zu sagen gehabt. Sie hätte zum Beispiel erklären können, warum die Abgeordneten ihrer Fraktion im Bundestag oft derartig brüllen, dass die Redner am Pult kaum noch zu verstehen sind. Oder warum AfD-Abgeordnete Anträge stellen, dann aber nicht im Plenum sind, wenn darüber abgestimmt wird.

Sie hätte erklären können, was in ihr vorging, als sie der Ampel-Regierung den Satz ins Gesicht schleuderte: „Sie hassen Deutschland.” Mit jedem können schließlich mal die Gäule durchgehen. Sie hätte erklären können, warum die AfD an einem Frauenverächter mit zwielichtigen Kontakten nach China und Russland wie Maximilian Krah als EU-Spitzenkandidaten bis heute festhält.

Sie hätte klarstellen können, dass sie – wenn es denn so ist – mit Björn Höckes völkischen Reden oft selbst nicht glücklich ist, derzeit aber nicht auf ihn verzichten kann und will, weil er in ihrer Partei einfach viel zu mächtig ist. Sie hätte erklären können, warum AfD-Abgeordnete Leute in den Bundestag einschleusten, die Politiker anderer Parteien bedrängten und beleidigten. Sie hätte erklären können, warum sie Begriffe wie „Kopftuchmädchen“ und „Messermänner“ für geeignet hält, um die Integrationsdebatte ernsthaft voranzubringen.

Sie hätte überhaupt endlich klarstellen können, was Anstand in der Politik für die AfD grundsätzlich bedeutet. Vielleicht gibt es einen Unvereinbarkeitsbeschluss, von dem die Öffentlichkeit bislang nichts weiß? Es ist wirklich eine Frechheit, dass Alice Weidel nicht eingeladen war. 

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