Leeraner Frauenärztin gibt Rat Wenn der positive Abstrich Panik auslöst
80 Prozent der sexuell aktiven Menschen infizieren sich mit dem HP-Virus. Ein positiver PAP-Abstrich zeigt Zellveränderungen am Gebärmutterhals, oft durch das Virus verursacht. Was bedeutet das für Frauen?
Leer/Ostfriesland - Die Routineuntersuchung beim Gynäkologen: Abtasten, Abstrich und ein kurzes Gespräch über eventuelle Beschwerden. Zwei Wochen später kam der Anruf: „Es gibt Neuigkeiten.“ Ein positiver PAP-Abstrich. Das macht vielen Frauen Angst und das Gedankenkarussell beginnt sich zu drehen.
Die Leeraner Gynäkologin Susann Berzau klärt auf, warum ein positiver Test nicht sofort Grund zur Panik ist und informiert, wie Frauen souverän mit dem Ergebnis umgehen können.
Was bedeutet ein positiver PAP-Abstrich?
„Ein positiver Abstrich sagt aus, dass sich auffällige Zellen am Gebärmutterhals befinden“, so Berzau. Meistens sind diese Veränderungen auf eine Infektion mit einem Humanen Papillomvirus, kurz HPV, zurückzuführen. Von diesem Virus sind 80 Prozent der sexuell aktiven Menschen betroffen.
HPV ist eine Geschlechtskrankheit, die vor allem bei direkten Schleimhautkontakt während des Geschlechtsverkehrs übertragen wird. In manchen Fällen kann aus einer Infektion mit diesem Virus Gebärmutterhalskrebs entstehen. Zu einem auffälligen PAP-Befund kann es jedoch auch zum Beispiel durch eine schwere Entzündung kommen. Bei dem Test gibt es fünf Kategorien, nach denen die Ergebnisse eingeordnet werden.
Wie geht es nach einem auffälligen Abstrich weiter?
Wenn eine höhergradige Veränderung vorliege, werde in der Regel keine Kontrolle, sondern eine direkte Abklärung des Befundes durchgeführt. Dafür gäbe es Spezialsprechstunden. In diesen sogenannten Dysplasiesprechstunden werde die Patientin gynäkologisch untersucht und betroffenes Gewebe entnommen, erklärt die Gynäkologin.
Ein positiver Befund – noch kein Grund zur Panik
„Was am besten hilft, ist sich gut zu informieren“, so Berzau. Wenn Frauen nach so einem Anruf Angst und Sorgen hätten, sei es ratsam, sich bei seiner gynäkologischen Praxis nach dem PAP-Typen zu erkundigen und gegebenenfalls ein Gespräch mit dem Arzt zu vereinbaren. Daneben stellten medizinische Websites ebenfalls gute Informationen bereit.
Häufig unbemerkt und schwer erkennbar
Bei einer HPV-Infektion gäbe es kaum spezifische Symptome. „Wenn Warzen im Intimbereich auftreten, dann kann man davon ausgehen, dass man HPV hat. Das ist aber das Einzige, woran man selber eine Infektion sehen kann und das ist zudem auch selten“, so die Gynäkologin. Neben dem Intimbereich können Veränderungen auch im Mund- und Rachenraum auftreten, wie auf der Website des Robert Koch Institutes nachzulesen ist.
Einstufung der PAP-Test-Befunde
PAP I
Unauffälliger Befund. Der nächste Abstrich muss erst in einem, bzw. bei Frauen ab 35, in drei Jahren gemacht werden.
PAP II
Es wurden einzelne Zellen nachgewiesen, die leicht auffällig sind. Jedoch besteht kein Verdacht auf Krebs. Der zuständige Arzt legt individuell fest, wann der nächste Abstrich durchgeführt werden soll. PAP II-a Unauffälliger Befund. Jedoch sind in der Krankheitsvorgeschichte bereits Zellveränderungen nachgewiesen worden. Der behandelnde Arzt entscheidet individuell, wann der nächste Test stattfinden soll.
PAP IIID
PAP III
Der Befund ist unklar. Die Zellen sind stark verändert. Möglich ist jedoch auch, dass sich das Probenmaterial in einem schlechten Zustand befunden hat. Hier sollte innerhalb von drei Monaten die Scheidenspiegelung durchgeführt werden.
PAP IV
Bei den Typen PAP IV und PAP V wird in der Regel innerhalb einer sofortigen Scheidenspiegelung Gewebeproben entnommen.
PAP V
Es sind bösartige Zellveränderungen nachweisbar. Wahrscheinlich sind bereits tiefere Schichten des Gebärmutterhalses betroffen. Dieses Ergebnis allein stellt jedoch keine Krebsdiagnose dar.
Weitere Informationen zu Abstrich-Ergebnissen finden Sie hier.
Jährliche Untersuchung für jüngere Frauen
Frauen zwischen 20 und 34 Jahren steht einmal jährlich ein PAP-Test zur Untersuchung von Zellveränderungen am Gebärmutterhals zur Verfügung. Die Krankenkasse zahlt die Kosten des Abstrichs.
Ruhende Viren können wieder aktiv werden
Bei Frauen ab 35 Jahren wird alle drei Jahre eine kombinierte Untersuchung aus dem PAP- und HPV-Test, die sogenannte Ko-Testung, von der Krankenkasse übernommen.
Laut der Frauenärztin müsse jedoch bedacht werden, dass schwere Erkrankungen und Infektionen zu einer Schwächung des Immunsystems führen könnten. Dadurch könne eine noch unentdeckte, ruhende Infektion mit dem HP-Virus auch zwischen den drei Jahren aktiv werden und der nächste Abstrich somit positiv sein. Deshalb sei es sinnvoll, Patientinnen die Abstrichuntersuchung auch innerhalb der drei Jahre anzubieten.
Geschlechtsverkehr und HPV – das ist wichtig zu wissen
Der Deutsche Krebsinformationsdienst klärt auf, dass es bei HPV-infizierten Frauen, die in einer Partnerschaft lebten und in dieser sexuell aktiv seien, vermutlich bereits zu einer Infektion des Partners gekommen sei.
„Wenn sie einen auffälligen Abstrich haben und dann mit einem neuen Partner zusammenkommen, ist es gut, wenn sie selber einen HPV-Test veranlassen und dann den Nachweis haben, ob sie ansteckend sind oder nicht“, erklärt die Frauenärztin. Das Kondom schütze bei dieser Geschlechtskrankheit nicht vollständig, da sich HP-Viren nicht nur am Gebärmutterhals befänden.
Viele HPV-Infektionen heilen von alleine aus
„Es ist selten so, dass Patientinnen nach 12 Monaten wieder zur Praxis gehen und gesagt bekommen, dass sie Krebs haben, so Berzau. Wenn ein Gebärmutterhalskrebsverdacht dennoch durch die Früherkennung bestätigt werde, so könne man eine früh diagnostizierte Erkrankung gut therapieren. Viele der HPV-Infektionen heilten jedoch laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum vor allem bei jüngeren Frauen von alleine aus.
Lifestyle optimieren, besser genesen
Betroffene könnten in Absprache mit ihrem Frauenarzt zum Beispiel eine Vaginalkur machen oder spezielle Gele verwenden. Dadurch würden Selbstheilungskräfte verbessert und es gebe eine höhere Chance, dass das entzündliche Gewebe von selber wieder ausheile, meint die Gynäkologin. Jedoch ist eine HPV-Infektion nach Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums nicht behandelbar.
Die Frauenärztin empfiehlt, einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Auf Rauchen und Alkohol zu verzichten, sich gesund zu ernähren und regelmäßig Sport zu treiben, um das Immunsystem zu stärken. Das sei entscheidend, um das Risiko einer HPV-Infizierung zu senken, jedoch auch hilfreich bei einer bereits bestehenden Infektion. „Wenn Frauen gestresst sind, wenig schlafen und viel arbeiten, dann kommt es häufig dazu, dass die Befunde bleiben und nicht weggehen“, erklärt Berzau.
Impfung als Schutzmaßnahme – nicht nur für Frauen
Die HPV-Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr biete einen guten Schutz. Informationen der Deutschen Krebshilfe zufolge erkrankt weniger als eine von 1000 geimpften Frauen, die regelmäßig an der Früherkennung teilnehmen, an Gebärmutterhalskrebs. Die Kombination aus Impfung und Vorsorge sei damit eine wirksame Präventionsmaßnahme.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diese Impfung auch für Jungen zwischen 9 und 14 Jahren.
Gesundheit im Blick
Ein positiver PAP-Abstrich kann beunruhigend sein, doch er ist kein Grund zur Panik. Regelmäßige Vorsorge, eine gesunde Lebensweise und die HPV-Impfung helfen, das Risiko für ernste Erkrankungen erheblich zu senken. Sich informieren, aufmerksam sein und der Austausch mit dem Gynäkologen – das sind wichtige Grundlagen für eine gute Gesundheitsvorsorge.