Osnabrück  Olaf Scholz und „Fritzens Tünkram“: Mann, Merz, sei doch keine Memme!

Thomas Ludwig
|
Von Thomas Ludwig
| 17.12.2024 13:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Schenken sich nichts: Noch-Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Vielleicht-bald-schon-Kanzler Friedrich Merz (CDU). Foto: dpa/Michael Kappeler
Schenken sich nichts: Noch-Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Vielleicht-bald-schon-Kanzler Friedrich Merz (CDU). Foto: dpa/Michael Kappeler
Artikel teilen:

Absicht, oder nicht? Kanzler Scholz provoziert seinen Wahlkampfgegner mit „Tünkram“ – und CDU-Kandidat Merz zeigt Nerven. Wer es dereinst mit Donald Trump aufnehmen will, sollte sich aber in Gelassenheit üben.

Mann, Herr Merz, Du willst doch Kanzler werden! Willst Alice Weidel Mores lehren, Xi Jinping die Stirn bieten und neben Donald Trump gut aussehen – und da lässt Dich „Tünkram“ im Bundestagswahlkampf aus der Hose springen? Was machst Du erst, wenn der Wladi sein‘ Köter an Deinen Schuhen schnuppern lässt – den Protokollchef rufen?

„Fritze Merz erzählt gern Tünkram“, hat Bundeskanzler Olaf Scholz das Volk zur besten Sendezeit via TV wissen lassen, was auf Plattdeutsch soviel heißt wie dummes Zeug. In Bayern hätten sie wohl Schmarrn gesagt, und im Pott von Käse gesprochen – nicht die feine Art, aber doch eher volkstümlich als wirklich unter der Gürtellinie.

Muss man da gleich mehr Respekt anmahnen, wie es CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz getan hat? Sicher nicht – zumal Scholz auf eine Äußerung von Merz im Bundestag reagierte, wonach dieser dem Kanzler bescheinigte, seine Auftritte auf der EU-Bühne seien „zum Fremdschämen“. Wer austeilt, muss einstecken können. Mit dem Respekt in der Politik ist das so eine Sache.

„Dieser Mann ist reif für die Nervenheilanstalt“, zog CSU-Kanzlerkandidat Franz Josef Strauß 1980 über seinen Widersacher im Wahlkampf her, den amtierenden SPD-Kanzler Helmut Schmidt. Dieser wusste zu kontern („Wie der Bulle pisst, eben mal so und mal so“) und sprach dem Bayern jegliche Selbstkontrolle ab – deshalb dürfe der auch keine „Kontrolle über das Land bekommen“. Es war der wohl härteste Wahlkampf in der Geschichte der Bundesrepublik; am Ende siegte der Amtsinhaber.

Mann, Herr Merz, sei also nicht so empfindlich, möchte man dem Sauerländer zurufen. Und denk an „Mutti“: Nie hätte sich Angela Merkel hinreißen lassen, öffentlich auf „Tünkram“ zu reagieren und sich so zum PR-Gehilfen des politischen Gegners zu machen.

Im Wahlkampf darf es auch mal derb zugehen. Jemandem Respekt zu zollen, bedeutet nicht, ihn mit Samthandschuhen anfassen zu müssen. Respekt verspricht man einander nicht, Respekt erwirbt man. Und sich Respektlosigkeiten „zu verbitten“, wirkt selten respekteinflößend. Mit Verlaub, Du bist doch keine Mimose, Herr Merz! Oder?

Ähnliche Artikel