Opti-Krise in Rhauderfehn Opti-Betriebsrat kritisiert Vorschlag von Geert Müller
Im Opti-Werk in Westrhauderfehn drohen betriebsbedingte Kündigungen ohne Abfindungen. Die Belegschaft und IG Metall sind empört, während Bürgermeister Müller für Unverständnis sorgt.
Westrhauderfehn - An diesem Freitag, 20. Dezember 2024, um 14 Uhr endete die letzte Schicht im Jahr 2024 im Opti-Werk in Westrhauderfehn. Die Belegschaft des Reißverschlussherstellers nimmt die große Job-Unsicherheit mit in die Weihnachtspause. 25 der derzeit 120 Beschäftigten drohen betriebsbedingte Kündigungen, und der Finanzinvestor Aequita plant, den Betroffenen keine Abfindungen zu zahlen. Diese Entscheidung des Arbeitgebers wird von der Belegschaft, dem Betriebsrat und der Industriegewerkschaft (IG) Metall als „Schlag ins Gesicht“ der langjährigen Mitarbeiter bezeichnet.
Zudem sorgt ein Vorstoß von Bürgermeister Geert Müller von der Gemeinde Rhauderfehn für Empörung. In der Ratssitzung am 12. Dezember wurde Müller gefragt, ob es richtig sei, dass er dem Betriebsrat empfohlen habe, den geplanten Entlassungen zuzustimmen und auf die Forderung nach Abfindungen zu verzichten. Geert Müller widersprach dieser Darstellung am Freitagabend. Er habe lediglich dem Betriebsrat empfohlen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Opti-Betriebsrat spricht auf dem Weihnachtsmarkt
Am Sonntag, 22. Dezember 2024, will der Opti-Betriebsrat auch dazu auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz in Rhauderfehn Stellung nehmen. „Um 16.30 Uhr sind wir auf dem Marktplatz. Wir wurden von den Veranstaltern eingeladen. Wir wollen den Rahmen nicht sprengen, aber wir werden ein paar deutliche Worte finden. Außerdem wollen wir uns für die Solidarität bedanken“, sagt Betriebsratsvorsitzender Marcel Taubert.
Keine Einigung in Sicht
„Das ist alles sehr bitter“, kommentiert Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, die Situation kurz vor dem Weihnachtsfest. Aufgrund festgefahrener Verhandlungen hat die Arbeitgeberseite die Einsetzung einer Einigungsstelle beantragt. Das zuständige Amtsgericht Lingen führte in dieser Woche zwei Sitzungen durch, die jedoch ergebnislos blieben. Eine weitere Sitzung ist für den 15. Januar geplant, um erneut über einen Interessenausgleich zu verhandeln.
Bürgermeister Müller empfiehlt Zustimmung zu Entlassungen
Für Unverständnis sorgt ein Vorstoß von Bürgermeister Geert Müller. Nach einem Gespräch mit Aequita, an dem auch sein Bruder, ein Unternehmensberater, teilnahm, soll Müller dem Betriebsrat empfohlen haben, den Kündigungen ohne Abfindung zuzustimmen. Während einer Ratssitzung am 12. Dezember 2024 sprach Bernhard Abeln, ein ehemaliger Betriebsratsvorsitzender, ihn während der Sitzung darauf an.
Er fragte Müller, ob es richtig sei, dass er dem Betriebsrat diese Empfehlung gegeben habe. Am Freitag, 20. Dezember 2024, meldete sich Müller in dieser Redaktion. Er betonte, er habe darauf gedrängt. dass der Betriebsrat die Verhandlungen mit der Geschäftsführung wieder aufnimmt. Dass er empfohlen habe, den Kündigungen ohne Abfindung zuzustimmen, stimme nicht.
IG Metall und Betriebsrat lehnen weiterhin eine Zustimmung zu Kündigungen ohne Abfindungen entschieden ab. „Wir setzen auf die nächste Sitzung mit der Einigungsstelle“, sagt Marcel Taubert, Betriebsratsvorsitzender bei Opti.
Eine Million Dollar Kaufpreis
Bereits Anfang Dezember äußerte die Belegschaft von Opti ihre Enttäuschung über Aequita in einem Fragenkatalog an die Geschäftsleitung. Aequita hatte 2023 vier Produktionsstandorte der Coats-Opti-Gruppe übernommen, darunter den in Westrhauderfehn. Die Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in München ist bekannt für den Erwerb und die Wertsteigerung von Unternehmen, was oft mit dem Begriff „Heuschrecke“ in Verbindung gebracht wird. Der Kaufpreis für alle Standorte betrug nach Angaben der IG Metall rund eine Million Dollar.
118.500 Quadratmeter Grundstücksfläche
Das wird als äußerst günstig angesehen, insbesondere da das Firmengrundstück in Westrhauderfehn einen hohen Wert hat. Das Gelände ist insgesamt rund 118.500 Quadratmeter groß. Nach Einschätzung der Arbeitnehmerseite dürfte es einen Wert von mehreren Millionen Euro haben.
In Rhauderfehn kritisieren die Mitarbeiter den Investitionsstau im Unternehmen, der zu schlechten Arbeitsbedingungen führt. Sie betonen, dass Opti immer ein fairer Arbeitgeber war. Sie haben den neuen Eigentümer zu mehr Transparenz über die Zukunftspläne aufgefordert. Denn bisher sei nur Personalabbau bekannt. „Das ist auch in anderen Betrieben so, die Aequita übernommen hat“, sagt Thomas Gelder. „Wir haben aktuell Kontakt zu einer Gießerei, in der den Mitarbeitern ebenfalls Aufhebungsverträge ohne Abfindung vorgelegt worden sind.“
Zukunft von Opti ist völlig offen
Ursprünglich war den Opti-Mitarbeitern noch im Mai 2024 zugesichert worden, dass es bis Ende 2025 keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. „Selbst wenn wir dieses Problem jetzt lösen“, sagt Thomas Gelder, „wissen wir nicht, wie es am Standort weiter geht. Dort sind dann 2025 nur noch 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig - in Gewerbehallen, die für mehr als 1000 Beschäftigte ausgelegt sind.“