Weihnachtsmarkt in Rhauderfehn Festliche Klänge und stiller Protest der Opti-Belegschaft
Der Weihnachtsmarkt in Rhauderfehn bot nicht nur festliche Musik und ein buntes Programm, sondern auch leise Töne des Protests. Der Opti-Betriebsrat machte auf die drohenden Entlassungen aufmerksam.
Westrhauderfehn/Rhaudermoor - Mit festlichen Liedern und kurzen Reden klang am späten Sonntagnachmittag der erste Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz in Rhauderfehn aus. Im strömenden Regen stimmte zum Abschluss auch das Publikum mit ein, als der Backemoorer Chor „Akzente“ mit Gesa Goudschal „Oh du Fröhliche“ sang.
Die Ortsräte Rhaudermoor und Westrhauderfehn hatten die Premiere dieser Veranstaltung organisiert. Rund um die Kulturbühne gab es ein buntes Programm mit vielen Beteiligten. Die Rhaudermoorer Ortbürgermeisterin Margarete Niemann zog kurz nach 17 Uhr ein positives Fazit: „Es ging Hand in Hand, alles hat super geklappt, ich kann nur sagen: Tausendmal Dankeschön!“ Pastor Frerich Dreesch-Rosendahl sprach einen Weihnachtsgruß. Nach Ende des offiziellen Marktprogramms kam der Opti-Betriebsrat zu Wort.
Worte des Dankes
Vorsitzender Marcel Taubert beließ es bei Dankesworten. Mehr als 30 Beschäftigte der Opti-Belegschaft und deren Angehörige hörten zu und applaudierten immer wieder. 25 der derzeit 120 Beschäftigten des Reißverschlussherstellers drohen betriebsbedingte Kündigungen. Zudem will der Finanzinvestor Aequita den Betroffenen keine Abfindungen zahlen. Diese Entscheidung des Arbeitgebers wird von der Belegschaft, dem Betriebsrat und der Industriegewerkschaft (IG) Metall als „Schlag ins Gesicht“ der langjährigen Mitarbeiter bezeichnet.
Keine Demo auf dem Weihnachtsmarkt
Aber auf Konflikte mit der Geschäftsleitung ging Taubert ebenso wenig ein wie auf Meinungsverschiedenheiten mit Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller.
„Das ist ein Weihnachtsmarkt und keine Demonstration“, sagte Taubert bereits vor seiner Rede. „Wir möchten uns einfach nur bedanken. Bei den Organisatoren des Marktes, dass wir kurz zur Situation bei Opti etwas sagen dürfen und bei allen, die uns in den vergangenen Monaten solidarisch unterstützt haben, sei es durch Bekundungen oder andere Gesten.“ Namentlich nannte er Janneke Groote von der SPD Ostrhauderfehn sowie Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), mit dem er persönlich gesprochen habe.
Beschäftigte sind der Rückhalt
Taubert dankte auch den Beschäftigten zahlreicher Firmen aus der Umgebung, die bei Demonstrationen die Opti-Belegschaft unterstützt hatten. Er hob die Industriegewerkschaft (IG) Metall und deren 1. Bevollmächtigen Thomas Gelder hervor. „Ihr Einsatz ist unverzichtbar“, sagte Taubert und ergänzte: „Den größten Dank gebührt der Belegschaft. Der Rückhalt und eure Unterstützung helfen uns, in schwierigen Zeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen.“
Im Reißverschlusswerk ist jetzt eine kurze Weihnachtspause bis Anfang Januar. Am 15. Januar gehen die Schlichtungsgespräche mit der Einigungsstelle weiter. Dabei geht es um Kurzarbeit und einen Interessenausgleich für diejenigen, die entlassen werden sollen.
Nächster Termin mit der Einigungsstelle
Aufgrund festgefahrener Verhandlungen hat die Arbeitgeberseite die Einsetzung einer Einigungsstelle beantragt. Das zuständige Amtsgericht Lingen führte in dieser Woche zwei Sitzungen durch, die jedoch ergebnislos blieben. Eine weitere Sitzung ist für den 15. Januar geplant in Westrhauderfehn im Opti-Werk, um erneut über einen Interessenausgleich zu verhandeln.
Verhandlungstisch wurde nie verlassen
Am Rande des Weihnachtsmarktes betonte Taubert, dass der Betriebsrat nie den Verhandlungstisch mit dem Arbeitgeber verlassen hat. Taubert reagierte damit auf eine Aussage von Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller gegenüber dieser Redaktion. Müller hatte betont, er habe nach einem Gespräch mit der Geschäftsleitung des Finanzinvestoren Aequita dem Betriebsrat empfohlen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
In diesem Zusammenhang hatte Müller Aussagen entschieden zurückgewiesen, er habe dem Betriebsrat empfohlen, den geplanten Entlassungen zuzustimmen und auf die Forderung nach Abfindungen zu verzichten.