Frankfurt  Lebensmittelpreise steigen weiter: Was Experten für die Inflation im neuen Jahr befürchten

Mischa Ehrhardt
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Von Mischa Ehrhardt
| 27.12.2024 12:01 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Trotz sinkender Inflationsrate im Sommer 2024 zeigen sich zum Jahresende steigende Preise bei Lebensmitteln. Foto: IMAGO/Herrmann Agenturfotografie
Trotz sinkender Inflationsrate im Sommer 2024 zeigen sich zum Jahresende steigende Preise bei Lebensmitteln. Foto: IMAGO/Herrmann Agenturfotografie
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Inflation war das Thema in 2024 und wird auch 2025 für viele Menschen eine Sorge bleiben. Besonders Eigenmarken in Supermärkten erleben teils drastische Verteuerungen – die sogenannte „Cheap-flation“. Forscher warnen, dass für viele Menschen die finanzielle Belastung weiter steigt.

Es war im August 2024, dass die Inflation nach krassen Höhenflügen wieder unter die Marke von zwei Prozent gefallen ist. Zum Jahresende allerdings hat sie wieder etwas zugelegt. Und das spüren Menschen alltäglich, wenn sie im Supermarkt einkaufen oder sich sogar einen Besuch in einem Restaurant leisten.

„Wir sehen zum Jahresende wieder eine steigende Teuerung bei Nahrungsmitteln“, sagt Carsten Brzeski, der Chefvolkswirt der ING. „Also: Wir sind zwar von ziemlich weit oben heruntergekommen mit der Inflation. Aber das letzte Stück ist doch schwieriger als erwartet. Dieses Inflations-Ungeheuer oder Gespenst ist eben noch nicht komplett besiegt“.

In den Zeiten steigender Preise hat insbesondere auch eine Teuerung bei Billigprodukten eingesetzt, nämlich den Eigenmarken in den Supermärkten. Fachleute haben dafür auch gleich ein neues Wort gefunden, es ist die Rede von Cheap-flation.

„Das hängt damit zusammen, das Markenprodukte in den Supermärkten noch häufig einen Puffer haben, um etwa steigende Energiekosten durch ein geringeres Werbebudget abzufedern“, sagt Florian Stahl, Professor für Marketing an der Universität Mannheim. „Die Eigen- und Billigmarken der Supermärkte hingegen sind sehr knapp kalkuliert. Bei ihnen existiert kein Marketingbudget, das genutzt werden könnte, um steigende Kosten abzufedern“.

Nordamerikanische Wissenschaftler haben kürzlich die Preisentwicklung in Supermarktketten in zehn Ländern untersucht. Herausgekommen ist dabei, dass sich die Eigenmarken – im Grunde also No-Name-Produkte – besonders stark verteuert haben in den vergangenen Jahren und Monaten der hohen Inflation. Beispiele für solche Produkte sind etwa Milch, Eier oder auch Nudeln – Grundnahrungsmittel also.

Davon überdurchschnittlich betroffen wiederum sind natürlich Haushalte, die ohnehin schon knappe Budgets haben und umso mehr rechnen müssen, was sie sich leisten können und was nicht. Die verstärkte Nachfrage in Zeiten hoher Preise wiederum ist der zweite Faktor, der für zusätzliche Preisschübe sorgen kann. Ein allgemeiner Trend, der nach Ansicht von Florian Stahl bereits seit längerem zu beobachten ist.

„Letztlich versuchen die Menschen, ihren Lebensstandard dadurch aufrechtzuerhalten, dass sie von Markenprodukten auf günstigere Alternativen ausweichen. In der Regel sind das Eigenmarken. Das ist kein Trend, der seit 2020 Abend zu beobachten ist, sondern sich in gewisser Weise schon die letzten 25 Jahre abzeichnet“, sagt Florian Stahl.

Nahrungs- und Lebensmittel haben sich generell stark verteuert seit 2020. So haben die Forscher herausgefunden, dass in den vier Jahren bis Mai 2024 Lebensmittel um rund 15 Prozent im Preis angestiegen sind. Bei Billigmarken lag der Anstieg allerdings fast doppelt so hoch, nämlich bei 29 Prozent.

Dass sich dieser Trend im kommenden Jahr ändert, ist nicht abzusehen. Ohnehin bedeutet der Rückgang der Inflation nicht, dass sich die Preise wieder verbilligen, sondern nur, dass sie nicht mehr so stark ansteigen. Die von der EZB anvisierte Inflation von zwei Prozent heißt also in anderen Worten, dass ein leichtes und kontrolliertes Ansteigen der Preise der erwünschte Normalzustand ist.

„In der Regel kann man davon ausgehen, dass es nicht wieder preiswerter wird. Wahrscheinlich werden die Preise bei vielen Produkten der Eigenmarken auf einem höheren Niveau bleiben“, meint Florian Stahl. Das liege auch daran, dass in Reaktion auf die hohe Inflation die Löhne gestiegen sind, was den Preisauftrieb unterstützt.

Für viele Menschen dürfte also auch in 2025 die Inflation oder auch die Cheapflation eine Sorge im Alltag bleiben. Auch wenn sich die Teuerung Ökonomen zufolge beim EZB-Inflationsziel von zwei Prozent einpendeln dürfte.

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