Hannover Depression: Krankheit hat in Tabuzone nichts verloren
Immer mehr junge Menschen in Niedersachsen leiden unter Depressionen. Eine ernstzunehmende Entwicklung. Jeder ist aufgerufen, wachsam zu sein und auf seine Mitmenschen zu achten.
Nicht jeder ist immer gleich gut drauf. Es gibt Tage, da will einem nichts gelingen. Da lässt sich die schlechte Stimmung kaum aufhellen. Bei den meisten Menschen sieht die Welt am nächsten Morgen aber wieder besser aus, wird das Glas wieder eher als halb voll denn als halb leer betrachtet.
Allerdings gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen einem schlechten Tag mit mieser Laune und einer lebensbedrohlichen Krankheit namens Depression. Hängt ein Schleier über Wochen oder gar Monate über der Seele und lähmt Schwermut die Teilhabe, ist es höchste Zeit, zu handeln.
In Niedersachsen leiden einer aktuellen Erhebung zufolge immer mehr junge Menschen unter Depressionen. Ob es die Gemengelage aus unsicheren Zukunftsperspektiven und politisch wie wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist, ganz persönliche Umstände der Auslöser sind oder einfach die Tatsache, dass junge Leute heute glücklicherweise offener mit psychischen Problemen umgehen: Wichtig ist, Alarmsignale bei Menschen in unserem Umfeld zu erkennen und ernst zu nehmen statt sie mit einem lapidaren „wird schon wieder“ abzutun.
Nach dem Suizid ihres Mannes Robert Enke, ehemaliger Nationaltorwart und Ex-Keeper von Hannover 96, vor gut 15 Jahren ging Teresa Enke in die Offensive und gründete die Robert-Enke-Stiftung als Antwort auf die Krankheit Depression. Prominente wie die Comedians Torsten Sträter und Kurt Krömer gehen offen mit ihrer Krankheit um. Und das ist auch gut so.
Das Thema Depression hat in der Tabuzone nichts verloren. Ganz im Gegenteil: Wir alle sind aufgerufen, wachsam zu sein und angesichts der alarmierend gestiegenen Fallzahlen vor allem bei Jugendlichen auch auf Veränderungen bei jungen Menschen sensibel zu reagieren.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Unterstützungsangeboten und sollte sich niemand scheuen, diese auch in Anspruch zu nehmen – bevor die düstere Krankheit weiter ihr Unwesen treibt und womöglich zum Schlimmsten führt.