Nachruf auf Adolf Janssen  Das Emder Feuerschiff ließ ihn bis zum Ende nicht los

| | 29.12.2024 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kapitän Adolf Janssen erhielt im Sommer 2015 das Verdienstkreuz am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens für sein Engagement um das Feuerschiff. Das Foto ist damals in der Johannes-a-Lasco-Bibliothek entstanden. Nun ist er verstorben. Foto: F. Doden/Archiv
Kapitän Adolf Janssen erhielt im Sommer 2015 das Verdienstkreuz am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens für sein Engagement um das Feuerschiff. Das Foto ist damals in der Johannes-a-Lasco-Bibliothek entstanden. Nun ist er verstorben. Foto: F. Doden/Archiv
Artikel teilen:

Der Emder Delft ohne Museumsschiffe? Heute schwer vorstellbar. 1983 aber erforderte es den Mut von Kapitän Adolf Janssen, das Feuerschiff dorthin zu bringen. Nun ist er verstorben.

Emden/Oldenburg - Noch im hohen Alter von 89 Jahren bedauerte Kapitän Adolf Janssen gegenüber dieser Zeitung, dass der Lotsendampfer „Emden“ nicht als schwimmendes Museum im Ratsdelft bleiben durfte. Trotz aller Bemühungen Janssens hatte sich der Emder Rat damals dagegen ausgesprochen. Das wohl letzte in Europa noch mit einer Kohlendampfmaschine betriebene Schiff war dann 1972 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in die Niederlande gebracht und später in Belgien verschrottet worden.

Der Lotsendampfer „Emden“, hier bei der Einfahrt in den Hafen bei der Westmole, konnte nicht als Museumschiff erhalten bleiben. Adolf Janssen hatte sich stark darum bemüht, doch der Rat stimmte damals dagegen. Foto: Privat/Archiv
Der Lotsendampfer „Emden“, hier bei der Einfahrt in den Hafen bei der Westmole, konnte nicht als Museumschiff erhalten bleiben. Adolf Janssen hatte sich stark darum bemüht, doch der Rat stimmte damals dagegen. Foto: Privat/Archiv

Doch Janssens Traum von einem Museumsschiff für Emden war damit nicht Geschichte: Er kämpfte dafür, dass das Feuerschiff „Amrumbank“ nach der Außerdienststellung für die Öffentlichkeit erhalten blieb. Bis zuletzt hatte der Wahl-Oldenburger ein großes Interesse an dem Schiff. Am 12. Dezember 2024 ist er im Alter von 91 Jahren gestorben. Die Lotsenbrüderschaft Emden und der Trägerverein des Feuerschiffs „Amrumbank/Deutsche Bucht“ haben ihn am 21. Dezember mit Traueranzeigen bedacht.

Das Feuerschiff auf seiner früheren Position in der Deutschen Bucht. Foto: Privat/Archiv
Das Feuerschiff auf seiner früheren Position in der Deutschen Bucht. Foto: Privat/Archiv

Die Idee kam dem Lotsen in Belgien

Im Januar 1981 war dem Emder Lotsen Adolf Janssen bei der Überfahrt mit einer Fähre vom englischen Dover in das belgische Ostende, wo ein ausgedientes Feuerschiff als Museumsschiff diente, auch für Emden die Idee gekommen, ein solches Schiff zu gewinnen, schreibt Wolfgang Schumann als langjähriger Weggefährte Janssens dieser Zeitung. Janssen wusste damals, dass die bemannten Seezeichen keine Zukunft mehr hatten und außer Dienst gestellt werden sollten. Im Nautischen Verein zu Emden fand er schnell einige Unterstützer. Darunter war auch der Emder Notar und Rechtsanwalt Dr. Erich Brüggemann, nach dem die Promenade am Ratsdelft benannt ist.

Mitglieder aus der Anfangszeit des Arbeitskreises Museums-Feuerschiff im Jahr 1984: (von links) Günther Buchholz, Wolfgang Schumann, Hans Rehbein, Adolf Janssen, Gretus Eeten, Dettmar Kramer, Diedrich Engelberts, Ernst Melles, Tönjes Friedrichs, Hermann Kramer, Theodor Fokkena, Uwe Hellmann, Heinrich de Vries, Hartwig Bakker, Heinrich Knoll, (vorne sitzend von links) Rolf de Vries, Dr. Erich Brüggemann und Helmut Janssen. Foto: Privat/Archiv
Mitglieder aus der Anfangszeit des Arbeitskreises Museums-Feuerschiff im Jahr 1984: (von links) Günther Buchholz, Wolfgang Schumann, Hans Rehbein, Adolf Janssen, Gretus Eeten, Dettmar Kramer, Diedrich Engelberts, Ernst Melles, Tönjes Friedrichs, Hermann Kramer, Theodor Fokkena, Uwe Hellmann, Heinrich de Vries, Hartwig Bakker, Heinrich Knoll, (vorne sitzend von links) Rolf de Vries, Dr. Erich Brüggemann und Helmut Janssen. Foto: Privat/Archiv

Am 28. Mai 1981 gründeten Adolf Janssen, Dr. Erich Brüggemann und sieben weitere Emder den Verein „Museums-Feuerschiff Borkumriff“ zunächst mit dem Ziel, das Feuerschiff „Borkumriff“ für Emden zu sichern. Dieses Schiff steuerte damals regelmäßig für Wartungsarbeiten den Emder Hafen an. Der Plan des neuen Vereins ging zwar nicht auf, die „Borkumriff“ ging nach Borkum und ist dort auch heute noch als Museumsschiff erhalten. Doch die damalige Wasser- und Schiffahrtsdirektion in Aurich bot den Emdern als Alternative die „Amrumbank“ an. Diese tat vor Helgoland in der Deutschen Bucht Dienst, sollte aber bald außer Dienst gestellt werden. Der Verein schlug zu und benannte sich um.

Bei der Ankunft des Feuerschiffs im Emder Hafen am 19. Oktober 1983 waren viele Gäste an Bord. Foto: Privat/Archiv
Bei der Ankunft des Feuerschiffs im Emder Hafen am 19. Oktober 1983 waren viele Gäste an Bord. Foto: Privat/Archiv

Die Einfahrt in den Emder Delft war abenteuerlich

Am stürmischen 17. und 18. Oktober 1983 wurde die „Amrumbank“ von Feuerschiffskapitän Reinhard Völker und zwei weiteren Mitgliedern der Stammbesatzung von Wilhelmshaven nach Emden überführt. Auf der Fahrt gab es Probleme mit der Ruderanlage. Sie konnten mit Bordmitteln behoben werden. Am Morgen des 19. Oktober kam der Emder Hafen in Sicht. Adolf Janssen setzte vor der Einfahrt zum Hafen auf das Schiff über, übernahm das Kommando von Kapitän Völker und lotste die „Amrumbank“ in die Nesserlander Schleuse.

Das Feuerschiff passierte bei seiner Ankunft in Emden den Platz am Hafentor. Foto: Privat/Archiv
Das Feuerschiff passierte bei seiner Ankunft in Emden den Platz am Hafentor. Foto: Privat/Archiv

Dort stiegen Mitglieder und Förderer des Vereins zu. Zwei Schlepper brachten das Feuerschiff in den Ratsdelft und auf Kommando von Adolf Janssen bis an das Ufer in Höhe der Faldernstraße, auch heute noch sein Liegeplatz. Die Einfahrt gelang Janssen trotz geringer Wassertiefe und ohne Absprachen, was damals eine kontroverse Diskussion auslöste. Das Schiff sollte eigentlich außerhalb des Delfts liegen. Das Wasser sei nicht tief genug, das Schiff würde die Sicht aufs Rathaus versperren, meinten einige Kritiker.

Zahlreiche Interessierte strömten am 4. August 1984 zum „Open Ship“ auf das Museumsfeuerschiff an seinem Liegeplatz im Ratsdelft. Foto: Privat/Archiv
Zahlreiche Interessierte strömten am 4. August 1984 zum „Open Ship“ auf das Museumsfeuerschiff an seinem Liegeplatz im Ratsdelft. Foto: Privat/Archiv

Janssen erhielt ein Verdienstkreuz für seinen Mut

Für alle Kritiker hatte Janssen damals sogar eine Zeichnung angefertigt, die die Lage des Schiffes als zentralen Blickpunkt im Delft darstellte, schreibt Wolfgang Schumann. „Egal, von welcher Richtung man ins Stadtzentrum kommt, der Blick fällt immer auf die ‚Amrumbank‘. Es ist der Verdienst von Adolf Janssen, dass der Ratsdelft zu einem maritimen Mittelpunkt in Emden geworden ist“, schreibt der Emder.

„Ich habe nichts anderes gemacht, als das Schiff dahin zu bringen, wo es am besten liegt“, sagte Janssen 2015, als ihm das Verdienstkreuz am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens für sein Engagement um das Feuerschiff verliehen wurde. Damals hatte die „Amrumbank“ ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Heute sind die Museumschiffe im Emder Ratsdelft kaum wegzudenken. Zum Feuerschiff hat sich der Seenotrettungskreuzer „Georg Breusing“, der Heringslogger „AE7: Stadt Emden“ und die Tjalk „Anne“ gesellt. Sie sorgen für den maritimen Charme vor dem alten Rathaus und locken damit viele Besucher an. Museum, Restaurant, Trauungen, Ausfahrten: Die „Amrumbank/Deutsche Bucht“ wird vielseitig genutzt und ist immer noch ein beliebtes ein Ziel für ganz unterschiedliche Menschen.

Ähnliche Artikel