Silvesterfeuerwerk in Ostrhauderfehn Riesiger Ansturm auf Böller und Batterien
Nach der Pyro-Show am Freitagabend startete am Sonnabend der Verkauf von Feuerwerk im Kaufhaus Wreesmann in Ostrhauderfehn. Um 7 Uhr morgens ging es los. Der Andrang war groß.
Ostrhauderfehn - Am Sonnabendvormittag war auf dem Parkplatz rund um Wreesmann in Ostrhauderfehn viel Betrieb. Einige aufgeweichte Papphülsen zeugten davon, was im Modehaus ebenso wie im benachbarten Sonderpostenmarkt des Unternehmens an diesen Tagen vermutlich am meisten über die Ladentheke geht: Silvesterfeuerwerk. Nach der Vorführung der neuesten Pyrotechnik am Freitagabend wird seit Sonnabendmorgen 7 Uhr verkauft. Im Angebot ist jede Menge.
Geordert hat es Andreas Wreesmann. Der 56-Jährige ist Einkaufsleiter Pyrotechnik für das Einzelhandelsunternehmen, das seinen Sitz in Ostrhauderfehn mit 100 Filialen deutschlandweit hat. An diesem Morgen trifft er vor den Mengen an Raketen, Batterien und Böllern im Modehaus an der Osterfehntjer Hauptstraße auf seine Cousine Ruth Wreesmann. Sie ist Juristin und habe mit dem operativen Geschäft nichts zu tun, betont sie. Geschäftsführer sind ihr Bruder Ralf Wreesmann und ihr Lebensgefährte Hans-Jürgen Meyer. Weil sie aber mit dem Feuerwerksverkauf aufgewachsen ist und daran immer viel Vergnügen hat, moderiert Ruth Wreesmann alljährlich die Pyro-Show.
Batterie „Böse Schwiegermutter“
Damit hat das Unternehmen 2003 begonnen, und die Vorstellung der Feuerwerksartikel, die so eingängige Namen tragen wie „Böse Schwiegermutter“, „Schnuckiputzi“ oder „Sexy Nichte“, hat mittlerweile Event-Charakter mit Musik, Glühwein und Imbissbuden. Die fantasievollen Namen denkt sich übrigens nicht Familie Wreesmann aus, sondern die Hersteller, versichert Andreas Wreesmann. Außer in Ostrhauderfehn veranstaltet Wreesmann eine Pyro-Show nur noch im sächsischen Riesa. Dort wurde das Feuerwerk ebenfalls am Freitagabend abgebrannt, Hans-Jürgen Meyer war vor Ort.
Die Vorstellung in Ostrhauderfehn hatte wieder viel Publikum auf den Wreesmann-Parkplatz gelockt. Mehr als 1000 Besucher guckten sich das Feuerwerk an. Dabei wurden Handzettel verteilt mit den Namen der einzelnen Artikel.
Diese dienen jetzt etlichen der Kunden als Einkaufshilfe. Frithjof Berger etwa hat darauf die Pfeifenbatterie „Blue Mamba“ markiert. Die habe ihn überzeugt, erklärt er, und die suche er jetzt.
Viel Gewimmel und alle Mitarbeiter am Start
Das Gewimmel um die aufgebauten Batterien ist groß. Geordert würde die Pyrotechnik gleich containerweise, erläutert Andreas Wreesmann. Er habe die Früh-Order für Silvester 2025 bereits gesetzt. Schon im Januar kaufe er für den nächsten Jahreswechsel. „Dass die Leute auf Feuerwerk verzichten, können wir hier nicht feststellen“, sagt Ruth Wreesmann. Und wer komme, sei auch bereit, Geld auszugeben. Als sie an diesem Morgen eine Viertelstunde vor Geschäftsöffnung da war, hätten die Leute bereits Schlange vor dem Eingang gestanden. Sie sei der Meinung, auch Verbote der Politik würden da nichts bringen: „Wenn die Leute das haben wollen, kaufen sie es auch.“
Die knapp drei Tage, an denen in diesem Jahr bundesweit der Verkauf von Feuerwerk erlaubt ist, seien von der Logistik her aufwendig, erläutert Ruth Wreesmann. Alle verfügbaren Mitarbeiter seien am Start. Auch die, die sonst im Lager arbeiten, sind jetzt im Verkauf eingesetzt.
Teuerster Pyro-Artikel kostet 179 Euro
Hauptlieferant für Wreesmanns Böller sei die Firma Lesli aus den Niederlanden, zählt Andreas Wreesmann auf, danach komme die Nico Europe GmbH aus Berlin, gefolgt von Diamond Feuerwerk aus dem holsteinischen Hohenlockstedt. Der Trend gehe zu hochpreisigen Verbundbatterien. Die zünde man einmal und erhalte dafür eine lange Brenndauer mit unterschiedlichen Effekten. Auch der Sicherheitsaspekt spiele eine Rolle. Bei Wreesmann kriegt man jedoch alles, was in der Neujahrsnacht leuchtet, britzelt, kracht und heult: auch den klassischen Chinaböller, Frösche und Knallerbsen. Bei der Pyro-Show achte man ebenfalls darauf, Artikel aus jedem Preissegment zu zeigen.
Die teuerste Batterie kostet 179 Euro. Es gebe auch welche, die so gefährlich seien, dass sie nochmal extra in einem Käfig stecken und nur gezündet werden können nach Einsatz einer Drahtschere. Sagt Andreas Wreesmann und zeigt diesen Kracher einem jungen Paar. Fachkundige Beratung ist hier inklusive.
Selbstverständlich sei alles, was angeboten werde, von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung zertifiziert, betont der Einkaufsleiter.
Wreesmanns böllern auch privat
Ob Ruth Wreesmann es auch privat an Silvester krachen lasse? Doch, sagt die Rechtsanwältin. Auch ihre Familie feuere nach Mitternacht so ein, zwei Verbundbatterien ab. Aber es stehe nirgendwo ein ganzer Container nur für Wreesmanns. Sie sei ganz froh, sagt Ruth Wreesmann, es nach dem anstrengenden Feuerwerksverkauf am letzten Tag es Jahres etwas ruhiger angehen zu lassen. Die Silvesterraketen zündeten dann die Männer an. Und sie stehe mit einem Glas in der Hand dabei und freue sich an den bunten Effekten.