Emder Stadtgeschichte Nach Feuer im Apollo-Kino – wie geht es weiter?
Am Freitagabend hat es im alten Apollo-Kino in Emden gebrannt. Das soll eigentlich saniert werden. Wie geht es weiter? Und was sagt die Polizei?
Emden - Die Nachricht, dass es im alten Apollo-Kino in Emden brennt, hat sich Freitagabend, 27. Dezember 2024, rasend schnell verbreitet. Im sozialen Netzwerk Facebook kommentierten Hunderte Nutzer Fotos vom Feuer: „Wieder eine Kindheitserinnerung zerstört“ und „Wieder ein Teil des alten historischen Emden zerstört“ waren nur zwei der zahlreichen Reaktionen. Anhand der Fotos, auf denen Flammen aus dem Fenster des zweiten Obergeschosses zu sehen sind, war vom Schlimmsten auszugehen.
Glücklicherweise erwies sich das vor Ort aber anders: Die Feuerwehr – fast 60 Einsatzkräfte waren vor Ort – löschten das Feuer in kurzer Zeit. Im Gebäude, das öfter von obdachlosen Menschen als Unterschlupf genutzt wird, wurde keine Person mehr angetroffen. Niemand wurde verletzt. Mit Wärmebildkameras untersuchte die Feuerwehr das Dach und die Wände, um mögliche Glutnester zu finden. Doch gegen 19.30 Uhr begann schon der Rückzug der Einsatzkräfte.
Wie geht es jetzt mit der Sanierung weiter?
Noch gehört das denkmalgeschützte Gebäude der Stadt. Wir haben mit Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) gesprochen. Er erklärt, dass der Kaufvertrag mit dem Investor Udo Fuhrmann aktuell noch nicht unterschrieben sei. Fuhrmann ist der geschäftsführende Gesellschafter von Pro.ces, einem Entwicklungs-Konsortium aus Emder Baufirmen. Fuhrmann will das Gebäude im großen Stil zum sogenannten Teeater umbauen, das Gastronomie- und Veranstaltungsräume, Büroflächen und Wohnungen umfasst. Eine Sache hatte noch geklärt werden müssen, die Unterzeichnung des Vertrags sei für Januar geplant, so Kruithoff.
An diesem Montag, 30. Dezember 2024, wird das Apollo-Kino von der Polizei genauer untersucht. Udo Fuhrmann habe sich das Gebäude aber bereits angeschaut und Kruithoff gegenüber von einem „überschaubaren“ Schaden gesprochen. Im Zuge der geplanten aufwendigen Sanierung des großen Gebäudes müssten ohnehin die Fenster und das Rohgerüst erneuert werden. Der Schaden durch das Feuer dürfte die Sanierung nicht groß behindern, schätzt Kruithoff. Aktuell gehe er davon aus, dass die Stadt den Versicherungsfall an den neuen Eigentümer abgeben werde. Die Polizei geht von einer Schadenssumme im fünfstelligen Bereich aus.
Was ist mit den Ermittlungen der Polizei?
Die Ermittlungen zur Brandursache wurden aufgenommen, teilt eine Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden auf Nachfrage mit. Mit einem Ergebnis beziehungsweise einer Mitteilung sei voraussichtlich nicht vor dem 2. Januar 2025 zu rechnen. Es hatte schon einmal ein Feuer im hinteren Bereich der Halle gegeben, das von einer obdachlosen Person verursacht wurde. Ob das in diesem Fall auch passiert ist, ist noch unklar.
Laut Tim Kruithoff hat die Stadt immer wieder versucht, das seit Jahren leerstehende Gebäude abzusichern. „Aber es gibt so viele Fenster und Türen“, sagt er. Irgendwie seien immer wieder Personen eingedrungen, insbesondere von der Wasserseite aus. „Der Leerstand tut einem Gebäude nie gut. Es wird Zeit, dass jetzt saniert wird“, so der Oberbürgermeister.
Das Gebäude war 1908 gebaut, aber 1944 im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und wieder aufgebaut worden. 2009 war das Apollo-Kino nach 80 Jahren Spielbetrieb geschlossen worden. Seit dem letzten Wiederbelebungsversuch des alten Kinos zu einem alternativen Veranstaltungsort steht das Objekt leer. Der eigens dafür gegründete Apollo-Verein hatte einige Wochen lang dort Konzerte organisiert. Die Stadt hatte das Gebäude 2012 gekauft. Das Ziel, es zu einem Kulturzentrum zu etablieren, war aber gescheitert. 2019 fiel der Entschluss, es wieder zu verkaufen. Ein Bieterverfahren wurde vorbereitet, das 2021 von Fuhrmann gewonnen wurde.