Landwirtschaft  Diese Forderungen hat der ostfriesische Bauern-Präsident für 2025

Aiko Recke
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Von Aiko Recke
| 30.12.2024 11:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der ostfriesische LHV-Präsident Manfred Tannen. Foto: Aiko Recke
Der ostfriesische LHV-Präsident Manfred Tannen. Foto: Aiko Recke
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Manfred Tannen aus Bensersiel hofft auf eine Wende in der Agrarpolitik. Er nennt mehrere Themen, die für die ostfriesischen Landwirte besonders wichtig sind.

Aurich - Vor genau einem Jahr glühte bei Manfred Tannen das Telefon. Der Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LHV) Ostfriesland aus Bensersiel hatte täglich mit den intensiven Bauernprotesten, die es im ganzen Land, gab, zu tun.

„Gemeinsam haben wir als Berufsstand klare Forderungen formuliert und diesen durch geschlossene Aktionen Nachdruck verliehen. Die Rückendeckung durch weite Teile der Gesellschaft hat uns nicht nur bestärkt, sondern auch den Stellenwert der Agrarpolitik auf allen Ebenen verändert“, wird Tannen jetzt in einer Pressemitteilung zum neuen Jahr zitiert.

Anfang Januar 2024 protestierten die Bauern landesweit, wie hier am Pferdemarkt in Aurich.Foto: Heino Hermanns
Anfang Januar 2024 protestierten die Bauern landesweit, wie hier am Pferdemarkt in Aurich.Foto: Heino Hermanns

Zentraler Auslöser der Proteste sei die von der Ampel-Bundesregierung eingeleitete schrittweise Streichung der Agrardieselentlastung gewesen. „Dieses Symbol politischer Fehlentscheidungen hat viele Landwirte in ihrer Wettbewerbsfähigkeit noch weiter belastet. Zudem leidet auch unsere Branche unter einer immer weiter ausufernden Bürokratie. Hier braucht es dringend Entlastung“, sagt Tannen.

Hoffnung in neuen EU-Agrarkommissar

Seit Dezember habe mit Christophe Hansen ein Landwirtssohn aus Luxemburg die Verantwortung als neuer EU-Agrarkommissar übernommen. „Seine Vision für die künftige europäische Agrar- und Ernährungspolitik wird entscheidend sein. Mit etwa neun Millionen landwirtschaftlichen Betrieben in Europa steht viel auf dem Spiel. Insbesondere die Zielsetzungen des Green Deals müssen jetzt konkretisiert werden, um Klarheit und Perspektiven zu schaffen“, so Tannen. Die Bauernproteste haben laut Tannen vor allem in Brüssel Wirkung gezeigt. „Während in Berlin oft nur mit Verzögerung reagiert wurde, waren die Signale aus Brüssel umso deutlicher. Das zeigt, wie wichtig Europapolitik und der europäische Zusammenhalt für uns ist.“

Sorge wegen Freihandelsabkommen

Ein wichtiges Thema auch für die ostfriesischen Landwirte bleibe das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten. „Die Sorge ist groß, dass durch ungleiche Produktionsstandards unsere heimische Landwirtschaft noch weiter unter Druck gerät. Es kann nicht sein, dass europäische Landwirte strengste Auflagen erfüllen müssen, während importierte Waren unter deutlich geringeren Standards produziert werden. Das ist nicht nur eine Frage des Wettbewerbs, sondern auch der Fairness gegenüber Verbrauchern, die sich auf gleichbleibend hohe Qualität verlassen wollen“, so Tannen.

Der ostfriesische Bauernpräsident fordert daher: „Freihandelsabkommen dürfen nicht zulasten unserer Standards gehen. Es braucht klare Regelungen, die gleiche Bedingungen für alle sicherstellen.“

Abbau der Bürokratie besonders dringlich

Bei der Bundestagswahl Ende Februar hofft Tannen, auf einen „echten Wendepunkt in der Agrarpolitik, der Lust auf Zukunft in der Landwirtschaft macht“. Tannen: „Die Chance dafür besteht, aber es braucht ein klares Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft und stabile Rahmenbedingungen.“ Besonders dringlich sind aus Sicht des LHV Ostfriesland Maßnahmen zum Abbau der Bürokratie. „Hier sind auch wir als Branche gefordert, an konkreten Lösungen mitzuwirken,“ so Tannen.

Das Jahr 2025 beginnt laut Tannen für viele Landwirte mit neuen Herausforderungen. „Die Einführung des Beitragsmaßstabes Standardeinkommen bei der landwirtschaftlichen Krankenversicherung wird zu spürbaren Kostensteigerungen, insbesondere für tierhaltende Betriebe führen,“ warnt Tannen. „Auch die neuen Grundsteuerbescheide auf Basis der reinen Grundsteuerwerte werden mit Spannung erwartet.“

Das Fazit von LHV-Präsident Manfred Tannen: „Das Jahr 2025 wird für die Landwirtschaft herausfordernd und richtungsweisend. Viele Weichenstellungen stehen bevor, die unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen. Jetzt ist der Moment, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Höfe langfristig zu sichern.“

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