Berlin  Friedenstruppe für die Ukraine? Bitte keine deutschen Soldaten an die Ostfront

Michael Clasen
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Von Michael Clasen
| 03.01.2025 06:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Muss die Bundeswehr auch in die Ukraine? Das Archivbild zeigt Verteidigungsminister Boris Pistorius und Präsident Wolodymyr Selenskyj, wie sie deutsche und ukrainische Soldaten bei ihrem Besuch auf einem Truppenübungsplatz begrüßen. Foto: dpa/Jens Büttner
Muss die Bundeswehr auch in die Ukraine? Das Archivbild zeigt Verteidigungsminister Boris Pistorius und Präsident Wolodymyr Selenskyj, wie sie deutsche und ukrainische Soldaten bei ihrem Besuch auf einem Truppenübungsplatz begrüßen. Foto: dpa/Jens Büttner
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Sollen sich deutsche Soldaten an einer Friedenstruppe für die Ukraine beteiligen, um einen Waffenstillstand zu sichern? Die Idee ist nicht nur abenteuerlich, sie birgt auch eine große Gefahr.

Es ist die Eine-Milliarde-Dollar-Frage des neuen Jahres: Was wird Donald Trump nach seinem Amtsantritt am 20. Januar in der Ukraine machen? Innerhalb von 24 Stunden Frieden schaffen – oder versagen? Der künftige US-Präsident lässt sich nicht in die Karten schauen. Doch vieles deutet darauf hin, dass Trump einen Waffenstillstand aushandeln will, bei dem der jetzige Frontverlauf als Demarkationslinie dient.

Deshalb ist die Frage nicht abwegig, wer einen Waffenstillstand überwachen könnte. Doch es wirkt abenteuerlich, die Bundeswehr im Rahmen einer etwaigen Nato- oder EU-Friedensmission in die Ukraine schicken zu wollen. 

Denn es spricht wenig dafür, dass Russlands Herrscher Wladimir Putin deutsche oder andere westliche Soldaten an seiner Grenze zur Ukraine akzeptieren würde. Selbst wenn die Bundeswehrsoldaten Blauhelme der Vereinten Nationen trügen, dürften sie aus Sicht Moskaus bleiben, was sie im Kern ja auch sind: Kampfeinheiten aus einem Land, das in seiner Geschichte Russland viel Leid angetan hat. 

Trumps Verhandlungsposition ist ohnehin schwach. Der Preis für einen Waffenstillstand ist heute viel höher als noch vor zwei Jahren. Damals war Kiew militärisch noch relativ robust aufgestellt. Jetzt ist die ukrainische Armee nach mehr als 1000 Tagen Abnutzungskrieg ausgezehrt, während die Russen trotz Verlusten im Osten vorrücken. Die Siegesrhetorik im Westen wirkt von Kriegstag zu Kriegstag immer surrealer.

Putin hat diese Katastrophe zu verantworten. Der Westen hat sich aber dramatisch verspekuliert. In Wirklichkeit sind die Krim und Teile des Ostens für die Ukraine schon lange verloren. Womöglich muss Kiew gar akzeptieren, weder Mitglied der Nato noch der EU zu werden. Viele Ukrainer werden sich angesichts des sich abzeichnenden Desasters fragen: Wofür sind die Zehntausende Menschen gestorben? 

Aber selbst wenn Putin eine Beteiligung der Bundeswehr an einer Friedensmission der UN akzeptieren würde, gilt es zu bedenken: Ein Waffenstillstand, und das lehrt die Vorgeschichte des Ukraine-Krieges, kann schnell brüchig werden. Das Risiko besteht also, dass deutsche Soldaten auf Soldaten der größten Atommacht der Welt schießen müssten. Das gilt es unbedingt zu vermeiden. Wenn Friedenstruppen, dann unter Mandat der UN. Indien, Brasilien oder Südafrika sollten die Blauhelme stellen, nicht Länder wie Deutschland, die in diesen Krieg ohnehin schon mehr oder weniger involviert sind. 

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