Hannover/Leer  Niedersachsens Linken-Chefin Franziska Junker tritt überraschend aus Partei aus

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 09.01.2025 16:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
2023 wurde Junker auf dem Landesparteitag der Linken Niedersachsen zur Landesvorsitzenden gewählt. Foto: dpa/Michael Matthey
2023 wurde Junker auf dem Landesparteitag der Linken Niedersachsen zur Landesvorsitzenden gewählt. Foto: dpa/Michael Matthey
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Seit 17 Jahren war Franziska Junker Mitglied der Linkspartei; seit zwei Jahren sogar Landesvorsitzende. Warum tritt sie nun so plötzlich zurück? Gibt es bereits einen Nachfolger?

Paukenschlag wenige Wochen vor der Bundestagswahl: Franziska Junker, seit März 2023 Landesvorsitzende der Linken in Niedersachsen, hat ihrer Partei überraschend den Rücken gekehrt. Die 61-Jährige aus der Samtgemeinde Hesel (Kreis Leer) war erst am 14. Dezember zur Bundestagsdirektkandidatin der Linken für den Wahlkreis 25 (Unterems) gewählt worden.

Junker, die im Emder Hafen arbeitet und sich als Betriebsrätin für Arbeitnehmerinteressen engagiert, war nach eigenen Angaben 17 Jahre lang Mitglied der Linken.

Von einer „privaten Entscheidung“ sprach die Ostfriesin am Donnerstag gegenüber unserer Redaktion. Sie habe sich den Schritt bereits seit längerer Zeit überlegt. Junker sagte, die Zusammenarbeit mit ihrem Co-Vorsitzenden Thorben Peters (Lüneburg) und dem gesamten Landesvorstand habe gut funktioniert. Die Mitgliederzahl sei mit über 3300 „so hoch wie nie“. Allerdings seien die Belange des ländlichen Raums vernachlässigt worden.

In Parteikreisen wird spekuliert, dass Junkers Rückzug auch mit ihrer fehlenden Absicherung auf der Landesliste zur Bundestagswahl zu tun habe. Die Abstimmung um Listenplatz 3 hatte die Ostfriesin bei der Delegiertenkonferenz im Dezember deutlich gegen die Gewerkschaftsbedienstete und einstige Landesgeschäftsführerin Maren Kaminski verloren. Junker sagte unserer Redaktion, sie wolle „keine schmutzige Wäsche waschen“. Allerdings habe ihr das Abstimmungsergebnis von 24 zu 144 Stimmen „sehr weh getan“. Sie sprach von fehlender Wertschätzung. Einen Wechsel zum „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) schloss sie aus.

Falls die Linke knapp in den Bundestag kommt, wäre Listenplatz 3 ausreichend. Spitzenkandidatin der Linken in Niedersachsen ist die Sprecherin der Bundestagsgruppe, Heidi Reichinnek aus Osnabrück.

Co-Vorsitzender Peters sagte auf Anfrage, der Rücktritt sei „sehr bedauerlich“. Junker habe sich sehr für die Interessen der Beschäftigten, insbesondere der maritimen Wirtschaft, eingesetzt. „Mit ihrer Verankerung vor Ort war sie eine hörbare Stimme für den ländlichen Raum in Niedersachsen.“

Im Juni wird ein neuer Landesvorstand gewählt. Bis dahin bleibe Junkers Posten vakant. Ihre Aufgaben würden weitgehend von der Vize-Vorsitzenden Hilke Hochheiden aus Hude (Landkreis Oldenburg) übernommen, erklärte Peters.

Für den Wahlkreis 25 stellt die Linke am 16. Januar einen neuen Direktkandidaten auf. Es kandidiert der 26 -jährige Koch Michel Rolandi aus Moormerland. Er habe als Mitglied beim Niedersächsischen Fußballverband in Ostfriesland die erste und bis dato größte E-Football-Liga etabliert und engagiere sich unter anderem für eine gerechte Wohnungs- und Mietenpolitik, sagte Parteisprecher Ferry Marquardt. Rolandi erklärte: „Ich freue mich, mit der Kandidatur für die Menschen in Unterems für mehr Gerechtigkeit kämpfen zu können.“

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