Gutes Blut  Darum ist Blutspenden gesund

| | 14.01.2025 07:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Angelika Wiemers aus Großefehn spendet seit ihrem 18. Lebensjahr Blut. Foto: Ortgies
Angelika Wiemers aus Großefehn spendet seit ihrem 18. Lebensjahr Blut. Foto: Ortgies
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Etwas Gutes für andere zu tun – zum Beispiel durch Blutspenden, das ist für viele ein Vorsatz zum neuen Jahr. Blutspenden trägt aber auch zur eigenen Gesundheit bei. Wir waren in Wiesmoor dabei.

Wiesmoor - Im Blutspendelokal der Freiwilligen Feuerwehr Wiesmoor ist einiges los an diesem Januartag. Schon gleich nach der Öffnung um 15 Uhr füllen sich die Liegen – und neben ihnen die Beutel mit dem kostbaren Gut. Wie die meisten, die herkommen, spendet auch Uwe Ackermann aus Aurich Blut, weil er anderen helfen will.

Uwe Ackermann aus Aurich kommt extra nach Wiesmoor zum Blutspenden. Foto: Ortgies
Uwe Ackermann aus Aurich kommt extra nach Wiesmoor zum Blutspenden. Foto: Ortgies

„Wenn ich mal in der Situation bin, dass ich es brauche, wünsche ich mir auch Hilfe“, sagt er. Außerdem fühle er sich danach besser, wie er sagt. Den Weg nach Wiesmoor komme er gerne, weil er von hier stamme und auch Bekannte hier treffe, erzählt er.

Zahlreiche Spender und Helfer sind vor Ort

Regelmäßig kommen Menschen durch die Eingangstür des Lokals und suchen nach dem Ort für die Anmeldung oder dem Raum für den ärztlichen Check. Aber lange suchen muss hier niemand, die freiwilligen Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf. 12 bis 15 Menschen sind hier an jedem der beiden Tage, an denen das Blutspende-Lokal geöffnet ist, zur Stelle, bei der Anmeldung und – ganz wichtig – bei der Verpflegung nach der Spende. Denn der Verlust von 500 Millilitern Blut kostet Energie, und die muss sich der Körper schnell zurückholen.

„Für heute haben wir etwa 50 Anmeldungen online bekommen, aber viele kommen auch einfach so“, sagt Maximilian Keller (18), der die Spende gemeinsam mit Vivien Brands organisiert. Dass man sich via Internet anmelden kann, sei noch relativ neu. Die meisten Spender finden die Termine in gedruckter Form und kommen wie gewohnt direkt zu den Terminen.

Maximilian Keller und Vievien Brands von der Freiwilligen Feuerwehr Wiesmoor sind für die Organisation des Spendelokals zuständig. Foto: Ortgies
Maximilian Keller und Vievien Brands von der Freiwilligen Feuerwehr Wiesmoor sind für die Organisation des Spendelokals zuständig. Foto: Ortgies

Viele spenden regelmäßig Blut – und profitieren selbst davon

Durchschnittlich spenden in Wiesmoor 150 Menschen pro Aktionstag Blut. „Zum neuen Jahr sind die Termine am stärksten besucht, das liegt sicher auch an den guten Vorsätzen“, vermutet Maximilian Keller. „Für die meisten ist das Blutspenden hier schon eine Tradition“, sagt er. Viele kommen regelmäßig und treffen sich hier.

Petra Lütge-Varney aus Wiesmoor und Clemens Baumscheiper aus Friedeburg spenden regelmäßig Blut und sagen, dass es auch zu ihrer Gesundheit beiträgt. Foto: Kubassa
Petra Lütge-Varney aus Wiesmoor und Clemens Baumscheiper aus Friedeburg spenden regelmäßig Blut und sagen, dass es auch zu ihrer Gesundheit beiträgt. Foto: Kubassa

Zu den regelmäßigen Spendern gehört Clemens Baumscheiper aus Friedeburg. Er ging noch zur Schule, als er zum ersten Mal Blut spendete. Später als Soldat bei der Marine gehörte regelmäßiges Blutspenden dazu. „Persönlich halte ich es für eine Bürgerpflicht“, sagt der 62-Jährige und erinnert daran, dass man jederzeit selbst darauf angewiesen sein könnte. Aber er merkt, dass es ihm auch selbst gesundheitlich guttut, Blut zu spenden, wie er sagt.

Petra Lütge-Varney (58) aus Wiesmoor, die heute zum 40. Mal Blut spendet, kann das bestätigen. „Ich bin Allergikerin und habe Neurodermitis. Mein Hautbild ist viel besser geworden“, sagt sie. Gut sei auch die regelmäßige Untersuchung des Blutes vor dem Spenden. Doch all das ist für sie nicht der Hauptgrund, warum sie hierher kommt. „Als ich 18 Jahre alt war, hatte ich unverschuldet einen schweren Autounfall und brauchte selbst viel Blut“, erzählt sie.

Viele fühlen sich fitter nach der Blutspende

„Die Beweggründe der Spender sind in erster Linie, anderen zu helfen“, sagt auch Wilfried de Buhr, Gebietsreferent beim DRK-Blutspendedienst NSTOB (Blutspendedienst der Landesverbände des Deutschen Roten Kreuzes Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Oldenburg und Bremen gGmbH). Doch das Spenden von 500 Millilitern Vollblut kann tatsächlich auch gesundheitliche Vorteile für die Spender selbst haben. Nach dem Verlust des Blutes müsse der Körper wieder neues produzieren, so de Buhr. „Da können auch Schadstoffe abgebaut werden, zum Beispiel Medikamentenrückstände“, erklärt er. „Gerade Ältere fühlen sich oft fitter nach der Spende.“

Die meisten Menschen spenden Blut, um Gutes für andere zu tun, sagt Wilfred de Buhr. Er ist Gebietsreferent beim DRK-Blutspendedienst NSTOB. Foto: DRK-Blutspendedienst NSTOB
Die meisten Menschen spenden Blut, um Gutes für andere zu tun, sagt Wilfred de Buhr. Er ist Gebietsreferent beim DRK-Blutspendedienst NSTOB. Foto: DRK-Blutspendedienst NSTOB

Ein weiterer Vorteil des Blutspendens ist die positive Wirkung auf erhöhten Blutdruck. Wie unter anderem 2012 eine Studie der Charité in Berlin zeigte, senkt das regelmäßige Blutspenden erhöhten Blutdruck, der mit einem größeren Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen einhergeht. Menschen mit leichtem Bluthochdruck könnten von regelmäßigen Spenden profitieren und möglicherweise sogar auf Medikamente verzichten, sagt Wilfried de Buhr. Doch er betont: „Das betrifft vor allem Menschen, die nicht auf starke Medikamente angewiesen sind.“ Ob man Blut spenden darf, wird etwa durch das Testen des Blutes und eine Blutdruckmessung festgestellt. Auch dieser kurze Check trägt zur Gesundheit bei.

Blutspende in Wiesmoor

Die Blutspende-Termine in Wiesmoor oder anderen Lokalen sind auf der Webseite des DRK-Blutspendedienstes angegeben.

Über das Terminreservierungssystem kann man sich direkt online anmelden. Infos gibt es hier: https://www.spenderservice.net

Altersgrenze zum Spenden wurde letztes Jahr aufgehoben

Laut Wilfried de Buhr kommen alle Altersklassen zur Blutspende, bei den Jüngeren etwa Abiturienten oder Bundeswehrsoldaten. Dass im November 2024 die Altershöchstgrenze für das Blutspenden abgeschafft wurde, begrüßen deshalb besonders ältere Menschen, wie er berichtet. Zuvor habe das Höchstalter von Mehrfachspendern bei 73 Jahren gelegen, bei Erstspendern bei 65 Jahren. Für Angelika Wiemers (69) aus Großefehn ist das eine gute Nachricht. Sie spendet seit ihrem 18. Lebensjahr regelmäßig Blut und tut das gerne, wie sie sagt.

Oksana Golovaneva vom DRK-Blutspendedienst NSTOB legt nach der Spende den Druckverband am Arm von Angelika Wiemers an. Foto: Ortgies
Oksana Golovaneva vom DRK-Blutspendedienst NSTOB legt nach der Spende den Druckverband am Arm von Angelika Wiemers an. Foto: Ortgies

Das Blut, das beim Blutspendedienst des DRK gespendet wird, wird nach der Spende in drei Komponenten aufgeteilt, sodass die daraus gewonnenen Präparate für mehrere Menschen und unterschiedliche Zwecke einsetzbar sind. „Mit einer einzigen DRK-Blutspende können so bis zu drei Patientenleben gerettet werden“, heißt es im Online-Magazin des DRK-Blutspendedienstes.

Wenige Menschen spenden Blut, dabei steigt der Bedarf

Doch während nur verhältnismäßig wenige Menschen freiwillig Blut spenden, steigt der Bedarf in der medizinischen Versorgung. „2025 brauchen wir in unserem Versorgungsbereich 48.000 einzelne Blutspenden mehr als im letzten Jahr“, sagt Wilfried de Buhr. „Im Rahmen der Versorgung melden die Krankenhäuser einen wesentlich größeren Bedarf als 2024.“ Einen Grund dafür sieht er darin, dass die Menschen älter werden und mehr Krankheiten vorkommen – wobei es zugleich immer bessere Behandlungsmöglichkeiten gibt. „Im Rahmen der Versorgung wird dann natürlich mehr Blut benötigt“, sagt er.

Das meiste Blut werde mit 19 Prozent für die Krebsbehandlung eingesetzt. Ein weiterer großer Bereich seien die Unfallversorgung, die Notfallversorgung und der Operationsbereich. Gewinn mache der DRK-Blutspendedienst damit nicht. „Wir sind eine gGmbH und dürfen keinen Gewinn erwirtschaften. Sollten wir einen Überschuss haben, dürfen wir nur in die eigene Organisation reinvestieren, zum Beispiel in Forschung und Entwicklung“, so de Buhr. Deshalb gehört die Unterstützung von Freiwilligen wie in Wiesmoor fest zum Programm. Hierher kann man das nächste Mal im März zur Blutspende kommen.

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