Landwirtschaft im Wandel Darum ist Peter Habbena das Sprachrohr der Landwirte
In der Serie „Landwirtschaft im Wandel“ stellen wir Betriebe und Menschen dahinter vor. Folge sieben: Peter Habbena aus Schoonorth, Landesvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter.
Schoonorth - Sich für die Belange seines Berufsstands einzusetzen ist für Peter Habbena aus Schoonorth selbstverständlich. Der Ostfriese ist Landwirt aus Überzeugung und Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Niedersachsen. Für den Verband ist er regelmäßig in ganz Niedersachsen und Deutschland unterwegs, unterhält sich mit Berufskollegen, Vertretern aus Politik oder Wirtschaft und versucht so, die Arbeitsbedingen für die Milchviehhalter zu verbessern. „Ich glaube, wir brauchen Lösungen und Optionen statt Jammern und Schimpfen“, sagt er.
Peter Habbena sagt zwar, die moderne Landwirtschaft habe mit Kitsch und Bilderbuch-Image nur noch wenig zu tun. Doch bei einem Hofrundgang mit dieser Zeitung spielt ihm der Charme seines Hofs in die Karten. Da wären das schmucke, denkmalgeschützte Hauptgebäude von 1860, die freilaufenden Hühner alter Rassen, die in der Werkstatt ihre Nester bauen, oder die Pferde, die die Besucher in ihrem Stall mit neugierigen Blicken verfolgen. Hinzu kommt der Blick auf die untergehende Sonne aus dem historischen Scheunentor.
Die Motivation für das Ehrenamt in der Landwirtschaft
Seinen Hof hat Peter Habbena 1993 übernommen, in den ersten Jahren noch als Pächter der Cousine seines Vaters. Heute lebt er dort mit seiner Frau und zwei Töchtern. Der Berufswunsch Landwirt war für ihn immer klar. Abi, Lehre, Fachschule. 2002 dann noch der Meister. Nach und nach erweiterte er seinen Betrieb, engagierte sich „nebenbei“ stets ehrenamtlich. Zunächst in der Landjugend, dann im landwirtschaftlichen Krummhörner Zweigverein und seit 2017 im BDM. Dort ist er neben seiner Vorsitzfunktion in Niedersachsen auch im Beirat auf Bundesebene tätig.
Woher kommt die Motivation für sein Engagement? „Ich glaube an das Miteinander“, sagt Peter Habbena. „Und ich glaube, dass viele etwas Gutes tun wollen, aber manchmal fehlen die Ideen.“ In seinen Gesprächen mit den Landwirten auf der einen und den Politikern und Wirtschaftsvertretern auf der anderen Seite bekommt er ein gutes Bild davon, wie divers die Landwirtschaft und ihre Probleme sind.
Lösungen vorschlagen statt zu jammern
Eine Agrarministerin aus Weinanbaugebieten habe einen anderen Blick auf die Landwirtschaft als Politiker aus Wahlkreisen mit Milchviehhaltung oder Wahlkreisen mit Schweinezucht, weiß der Ostfriese. „Selbst in der Landwirtschaft gibt es ja keine einheitliche Sprechweise“, so Habbena. „Je nachdem, wer wo vorne sitzt, ändern sich auch die Steckenpferde.“ Seine Aufgabe im BDM sei es, Lösungen vorzuschlagen, Sichtbarkeit zu schaffen und Gemeinsamkeiten herauszustellen.
Für die Milchviehhalter wäre es seiner Ansicht nach ein essenzieller Schritt, wieder Zugriff auf den Markt und somit die Preisgestaltung zu haben. Außerdem werde es in der Landwirtschaft immer herausfordernder, mit den allgemeinen Kostensteigerungen umzugehen, die die Landwirte wegen fehlender Marktbeteiligung nur bedingt oder gar nicht an die Konsumenten weitergeben können. Gleichzeitig gestalte es sich für viele seiner Kolleginnen und Kollegen immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden.
Kein Abnehmer für die Demeter-Milch
Davon ist Peter Habbena auf seinem Ein-Mann-Betrieb selbst nicht betroffen. Er hatte sich vor einigen Jahren bewusst gegen weiteren Wachstum entschieden und seinen Betrieb stattdessen – „back to the roots“ – auf eine nachhaltigere, kleinere Form mit Bio- und später sogar Demeter-Standards umzustellen. Letztere sind anspruchsvoller. „Dieses Regenerative ist eine Art, die meiner Art, Landwirtschaft zu denken, ziemlich nahe kommt“, sagt er. Seit Mai 2024 ist sein Betrieb Demeter-zertifiziert. Trotzdem vermarktet er die Milch derzeit an konventionelle Abnehmer, weil die Nachfrage nach Demeter-Milch in Ostfriesland eingebrochen ist. Das Problem dabei sei für ihn neben der höheren Produktionskosten vor allem der geringere Ertrag. „Ich denke aber, dass der Hof sich tragen kann.“ Trotzdem hofft er natürlich, bald einen Abnehmer für seine Demeter-Milch finden zu können.
Dass Peter Habbena trotz manch Hürde den Optimismus und den Spaß am Miteinander nicht verloren hat, merkt man nicht nur an seinem ehrenamtlichen Engagement. Die Kontaktliste in seinem Handy ist lang und gut gepflegt, alle paar Minuten klingelt das Telefon. Regelmäßig schauen Berufskollegen vorbei, um sich einen Kaffee abzuholen oder einfach nach dem Rechten zu sehen. Mit seinem Beruf oder seinem Engagement aufzuhören kam für den Ostfriesen bisher nicht infrage. Dafür macht ihm die Arbeit mit den Tieren und der Austausch mit den Menschen zu viel Spaß. „Solange ich mir das leisten kann, mache ich das“, sagt er. Und: „Wenn wir nicht frei für unsere Interessen eintreten, wer macht es dann?“
Landwirte gesucht – wir stellen Ihren Hof vor!
Die Landwirtschaft in Ostfriesland ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Teil der ostfriesischen Kultur und Identität. Ob traditionsreicher Familienbetrieb oder innovative, moderne Landwirtschaft – hinter jedem Hof steckt eine eigene Geschichte. Diese Geschichten möchten wir künftig im Rahmen unserer Serie „Landwirtschaft im Wandel“ erzählen.
Von Milchviehhaltung über Gemüseanbau bis hin zu Nischenbetrieben: Ob Sie im Haupt- oder Nebenerwerb arbeiten, spielt dabei keine Rolle. Uns interessieren die Herausforderungen und Chancen, mit denen Sie sich täglich auseinandersetzen, aber auch die persönlichen Geschichten hinter Ihrem Betrieb.
Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Welche Besonderheiten gibt es? Wie vereinen Sie Tradition und Innovation? Wie gehen Sie mit all den Auflagen um? Mit unserer Serie möchten wir zeigen, was die Landwirtschaft in Ostfriesland heute ausmacht. Wir wollen die Vielfalt der Betriebe in den Vordergrund rücken und die Menschen, die dahinterstehen, vorstellen.
Zum Start der Serie wollen wir mit Betrieben aus Emden, der Krummhörn und Hinte beginnen. Sie können sich vorstellen, uns Ihren Hof und Ihre Arbeit zu präsentieren? Dann melden Sie sich bei Redakteurin Hannah Weiden unter h.weiden@zgo.de oder red-emden@zgo.de.Hier kann man sich melden