Hamburg Nato-Gipfel in Helsinki: Warum wir eine Zeitenwende unter Wasser brauchen
Gegen hybride Bedrohungen auf See sind die Ostsee-Anrainer bislang schlecht aufgestellt. Das soll sich nun ändern. Deutschland muss mehr in eine starke Marine investieren.
Mit der Sicherheit in der Ostsee ist es so eine Sache: Bislang reicht ein über den Meeresboden schleifender Anker, um Datenkabel und Pipelines zu beschädigen. Kleine Ursache, große Wirkung. An Zufälle glaubt schon lange niemand mehr, das Gegenteil aber lässt sich bislang auch nicht beweisen. Weil die Ostseeanrainer aber schlecht dabei zusehen können, wie Stück für Stück immer mehr ihrer kritischen Infrastruktur unter Wasser beschädigt wird, müssen sie größeres Besteck auffahren. Das haben sie am Dienstag beim Nato-Gipfel in Helsinki auch beschlossen: Mehr Schiffe, Drohnen und Flugzeuge sollen künftig eingesetzt werden, um Pipelines und Datenkabel besser als bislang zu schützen. Der Beschluss ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Resilienz im Ostseeraum.
Ganz verhindern lassen sich Beschädigungen an Kabeln und Pipelines so nicht – zu groß ist schlicht der See- und Luftraum, der mit Patrouillenfahrten und -flügen überwacht werden müsste. Aber Abschreckung heißt in erster Linie, den Preis hochzutreiben. Es ist eine einfache Rechnung. Wenn Abschreckung funktionieren soll, muss der Preis für eine Aggression so hoch sein, dass es sich für den potentiellen Angreifer schlicht nicht lohnt.
Wenn etwa Seeleute künftig befürchten müssen, wochen- oder gar monatelang auf ihren in finnischen oder dänischen Gewässern festgesetzten Schiffen auszuharren, werden sie sich möglicherweise schwerer darauf einlassen, mal eben den Anker fallenzulassen. Der Preis also steigt, oder die Operationen müssen komplexer werden – und damit auch risikoreicher.
Skandinavier und Balten haben schon lange verstanden: Wer sich gegen hybride Bedrohungen wehren will, muss seinem Gegenüber unmissverständlich Grenzen aufzeigen.
Deutschland als eines der Hauptziele hybrider Angriffe ist gut beraten, sich bei der Abwehr künftiger Gefahren nicht nur im Kielwasser seiner Partner zu bewegen. Für einen maßgeblichen Beitrag zur Sicherheit im Ostseeraum aber braucht es eine starke Marine. Auch hier steht die Zeitenwende immer noch aus.