Recht auf Ganztagsbetreuung Auricher Horte könnten bald überflüssig werden
Ab Sommer 2026 gibt es das Recht auf Ganztagsbetreuung in den Grundschulen. Für die Stadt ist das günstiger. Es muss aber massiv investiert werden.
Aurich - Ab Sommer 2026 besteht für Grundschüler der Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Zunächst gilt dieser nur für die ersten Klassen. Jedes Schuljahr kommt dann ein weiterer Jahrgang hinzu. Für die Stadt Aurich könnte das das Ende der Hortgruppen bedeuten. Das legt eine Präsentation zu Ganztagsgrundschulen in der Stadt nahe, die nun veröffentlicht wurde.
Nur in der Stadt Aurich gibt es Horte für die Betreuung von Grundschulkindern. Im Landkreis Aurich verfügt lediglich die Stadt Norden über eine einzige Hortgruppe. In Aurich werden zwei Horte, in Sandhorst und an der Lambertischule, von der Stadt Aurich getragen. Sie alleine verursachen laut der Präsentation ein Defizit in Höhe von über 700.000 Euro jährlich. Alle Horte zusammen verursachen einen Defizitzuschuss von über eine Million Euro jährlich. In der Präsentation wird darauf verwiesen, dass es sich dabei um eine freiwillige Leistung handelt.
Ganztags-Empfehlung für fast alle Schulen
Unter die Lupe genommen wurden für einen Workshop, der am 16. Januar im Auricher Rathaus zu dem Thema stattfand, alle zwölf Grundschulen der Stadt Aurich. Viele Fragen wurden dabei geklärt: Wo gibt es bereits Ganztagsangebote? Welche Räume stehen zur Verfügung? Wo gibt es Platz für Neu- und Anbauten?
Das Ergebnis: Für alle Schulen wird empfohlen, den Ganztagsbetrieb, wie er im Gesetz ab 2026 vorgesehen ist, einzurichten. Nur bei der Grundschule Wallinghausen soll zunächst geschaut werden, ob der Bedarf nicht durch die Grundschule Egels abgedeckt werden kann. Denn in Wallinghausen gibt es noch keine Mensa, die Schule hat noch kein Ganztagsangebot. Es gibt einen Hort mit 40 Plätzen in zwei Containern, die jährlich über 16.000 Euro Miete kosten. Und: Ausbaumöglichkeiten sind kaum vorhanden.
Drei Schulen komplett ohne Ganztag bislang
Die Stadt Aurich bekommt 1,7 Millionen Euro an Zuschüssen für den Ausbau des Ganztagsangebotes. Generell zahlt der Bund 70 Prozent der Rechnungen, Land und Kommunen übernehmen jeweils 15 Prozent. Die Summe ist nicht besonders hoch, wenn man sich die Investitionen anschaut, die eventuell nötig sind.
In den Grundschulen Sandhorst, Upstalsboom und Wallinghausen gibt es noch gar keinen Ganztagsbetrieb. In Wallinghausen wird noch abgewartet. In Sandhorst müsste eine Mensa gebaut werden, wenn man nicht die Mensa der Kita Sandhorst mitnutzen könnte. Genutzt werden könnte für den Ganztagsbetrieb das ehemalige Awo-Heim, in dem derzeit Kinder aus dem DRK-Kindergarten „Am Wasserturm“ untergebracht sind. Im Jahr 2029, so die Prognose, wird die Schule 181 Schülerinnen und Schüler haben, weil dann auch das Kasernengelände zum Einzugsgebiet gehört.
Für Familien wird es günstiger
Mehr Kinder werden auch im Bereich der Grundschule Upstalsboom erwartet. Das Baugebiet „Im Timp“ wächst stetig, immer mehr Familien beziehen dort ihre Häuser. Daher geht die Verwaltung im Jahr 2029 von 199 Grundschülern in Haxtum aus. Erhebliche Investitionen sind an dem Standort für den Ganztagsbetrieb nötig. Vor allem fehlt der Schule trotz der Kita nebenan eine Mensa.
Neben der Grundschule Upstalsboom befindet sich die Kita Upstalsboom. Neben Krippen- und Kindergartengruppen gibt es dort auch drei Hortgruppen. Diese dürften trotz des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule weiter betrieben werden. Ob das möglich ist, muss noch finanziell geklärt werden. Denn für die Stadt und auch für Familien ist es deutlich günstiger, auf Ganztagsgrundschulen zu setzen. Familien müssen in der Schule nur für das Essen aufkommen, während im Hort auch die Betreuung bezahlt werden muss.
Massive Investitionen sind nötig
Im Ganztag sollen die Kinder an fünf Tagen in der Woche täglich acht Stunden betreut werden. Unterrichtszeiten werden angerechnet, in den Ferien muss in der Schule eine Betreuung organisiert werden. Es gibt im Jahr nur vier Wochen ohne eine Betreuung für die Grundschulkinder. Das Essen bleibt kostenpflichtig, es gibt eine Hausaufgabenbetreuung, angeleitete außerschulische Angebote sowie Zeit zur freien Gestaltung.
Insgesamt 624 sogenannte Wohneinheiten sollen in den kommenden Jahren neu geschaffen werden. Im Timp, In der Diere und auf dem Kasernengelände sind die größten Gebiete. Momentan gibt es in der Stadt Aurich 260 Hortplätze. Wenn nur 40 Prozent der Grundschulkinder im Jahr 2029 das Ganztagsangebot wahrnehmen, sind 648 Plätze nötig. Wollen gar 60 Prozent eine Ganztagsbetreuung, werden in der Stadt Aurich 972 Plätze benötigt.
Es kommen große Kosten auf die Stadt zu. Mindestens in sieben der zwölf Grundschulen müssen Baumaßnahmen erfolgen. Ob die Zuschüsse in Höhe von 1,7 Millionen Euro reichen, müssen die weiteren Planungen zur Ganztagsbetreuung ergeben.