Urlauber statt Senioren  Seniorenhuus Greetsiel – das ist der Stand der Dinge

| | 21.01.2025 12:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Seniorenhuus (links) befindet sich direkt neben dem historischen und denkmalgeschützten Steinhaus in Greetsiel. Foto: Wagenaar
Das Seniorenhuus (links) befindet sich direkt neben dem historischen und denkmalgeschützten Steinhaus in Greetsiel. Foto: Wagenaar
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Das Vorhaben, im Seniorenhuus in Greetsiel bald Urlauber statt Senioren wohnen zu lassen, steht in der Kritik. Wie läuft der Bauantrag? Und was hat der Hinweis auf Fledermaussichtungen ergeben?

Greetsiel - Das Seniorenhuus mitten im Ortskern von Greetsiel steht nun seit zwei Jahren leer. Zum Jahreswechsel 2022/2023 hatten die Bewohner das Pflegeheim verlassen müssen, weil, so wurde es ihnen damals verkündet, umfangreiche Sanierungsmaßnahmen anstünden. Im März 2023 wurde den Mitarbeitenden und den Bewohnerinnen und Bewohnern mitgeteilt, dass die Einrichtung schließen wird. Im August 2023 wurde bekannt, dass in dem einstigen Pflegeheim 32 Ferienwohnungen entstehen sollen. Als Reaktion darauf gründete sich ein Aktionsbündnis zum Erhalt der Einrichtung, das im September 2023 eine Demonstration in Greetsiel mit Hunderten Teilnehmern organisierte.

Das einstige Seniorenhuus befindet sich im Ortskern von Greetsiel. Foto: Wagenaar
Das einstige Seniorenhuus befindet sich im Ortskern von Greetsiel. Foto: Wagenaar

Im März 2024 stellte der Investor Gunnar Sander bei einem Pressegespräch die konkreten Umgestaltungspläne für die ehemalige Pflegeeinrichtung im Ortskern des Fischerdorfs vor. Im Erdgeschoss soll auf 300 Quadratmetern ein großer Gastronomiebereich für circa 120 Gäste entstehen. Außerdem sind, das ist auch der Website des Investors zu entnehmen, 22 Ferienwohnungen beziehungsweise Eigentumswohnungen und zwölf Apartments auf drei Stockwerken geplant, die theoretisch auch für Dauerwohnen ausgelegt und barrierefrei sein sollen. Anfang Juni 2024 teilte der für die Genehmigung zuständige Landkreis Aurich mit, dass ein entsprechender Bauantrag gestellt wurde.

Der Investor Gunnar Sander aus Emsdetten vermarktet die Eigentumswohnungen als Ferienwohnungen. Foto: Wagenaar
Der Investor Gunnar Sander aus Emsdetten vermarktet die Eigentumswohnungen als Ferienwohnungen. Foto: Wagenaar

So ist der aktuelle Stand beim Bauantrag beim Seniorenhuus in Greetsiel

Das Aktionsbündnis sprach zunächst von einer „Verschandelung“ Greetsiels und kündigte an, weitere Möglichkeiten prüfen zu wollen, um das Vorhaben des Investors möglicherweise doch noch stoppen zu können. Vor allem de benachbarte Grünfläche, auf der für das Vorhaben notwendige Parkplätze entstehen sollen, war dabei im Fokus. Im Oktober 2024 teilte das Bündnis mit, dass auf der Freifläche sowohl Eulen als auch Fledermäuse gesichtet worden seien. Ein Aufkommen dieser äußerst streng geschützten Arten könnte Bauvorhaben auf unbestimmte Zeit auf Eis legen.

Auf dieser Freifläche sollen Parkplätze entstehen. Foto: Wagenaar
Auf dieser Freifläche sollen Parkplätze entstehen. Foto: Wagenaar

Zum aktuellen Stand des Bauantrags schreibt Rainer Müller-Gummels, Pressesprecher des Landkreises Aurich, dass sich der Bauantrag weiterhin in der Prüfung befindet. Bei dem Verfahren müssen zum einen die Behörden und Stellen angehört werden, deren Beteiligung für die Entscheidung über den Bauantrag durch Rechtsvorschrift vorgeschrieben ist, wie beispielsweise die Gemeinde. In einem zweiten Schritt wird das Vorhaben dann nach dem städtebaulichen Planungsrecht beurteilt und das Bauordnungsrecht geprüft. Wenn das Vorhaben dem öffentlichen Baurecht entspricht, muss der Landkreis die Baugenehmigung erteilen.

Sichtung von Fledermäusen beim Seniorenhuus in Greetsiel

Zur Sichtung von Eulen und Fledermäusen schreibt Müller-Gummels auf aktuelle Anfrage: „Eine Beteiligung der unteren Naturschutzbehörde führte zu dem Ergebnis, dass aus naturschutzrechtlicher Sicht keine Bedenken gegen das Vorhaben bestehen.“

Auch aus denkmalrechtlicher Sicht hatte es, laut Anfrage dieser Zeitung vom Oktober 2024, keine Bedenken gegeben. Im Zusammenhang mit der Errichtung des Parkplatzes – dieser soll sich in direkter Nachbarschaft zum denkmalgeschützten Steinhaus befinden – wurde eine denkmalrechtliche Genehmigung mit Bescheid vom 13. August 2024 erteilt. In Anbetracht der geringen vorzunehmenden Bodeneingriffe sei eine Baubegleitung durch den Archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft als ausreichend erachtet und in der Genehmigung entsprechend beauflagt worden, hieß es.

Für das Aktionsbündnis zum Erhalt des Seniorenhuus, das die Hoffnungen zuletzt vor allem auf jene denkmalrechtlichen und naturschutzrechtlichen Entscheidungen gesetzt hatte, ist das ein Rückschlag – auch, wenn er nicht unerwartet kommt. Aus Sicht des Bündnisses gebe es derzeit „leider nichts Neues“ zu berichten, schrieb Mitbegründer und Ortsvorsteher Alfred Jacobsen auf Nachfrage. Ob, wie zuletzt angekündigt, noch weitere Schritte ergriffen werden können, bleibt also abzuwarten.

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