Berlin Die Doppelrolle von Alice Weidel: Radikale AfD-Politik trifft privates Glück mit Ehefrau
Während ihre Partei in Deutschland die Rückkehr zur „Mutter, Vater, Kind“-Familie propagiert, öffnet sich Alice Weidel ungewohnt privat. Das verrät die AfD-Chefin zu ihrem Privatleben mit Ehefrau und Söhnen in der Schweiz.
Alice Weidel, Spitzenkandidatin der AfD und das Gesicht einer Partei, die sich gegen Diversität und Gleichstellung positioniert, lebt privat das genaue Gegenteil: In der Schweizer Gemeinde Einsiedeln, die südlich des Zürichsees auf einer Hochebene liegt, wohnt sie mit ihrer Ehefrau Sarah Bossard und zwei Söhnen, verrät sie der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ). Die AfD-Chefin führt eine gleichgeschlechtliche Ehe – ein Lebensmodell, das ihre Partei offiziell ablehnt.
Obwohl die AfD die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wieder abschaffen will, scheint Weidel keinen Widerspruch im Parteiprogramm und ihrem Privatleben zu sehen. In einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ bezog sie wie folgt Stellung dazu: „Dreiviertel der Paare leben in einer heterosexuellen Beziehung, acht Millionen Kinder wachsen bei ihren leiblichen Eltern auf. Dass ich mich privat anders entschieden habe, heißt ja nicht, dass ich die klassische Familie ablehne.“
Über ihre Ehefrau, die aus Sri Lanka stammt und als Kleinkind von einem Schweizer Pfarrer-Ehepaar adoptiert worden sein soll, sagt Weidel im Gespräch mit der NZZ: „Ich habe eine wunderbare Frau. Sie hält mir den Rücken frei.“ In den sozialen Medien zeigen sich Bossard und Weidel zusammen, wie in dem folgenden Video, in dem das Paar im Auto tanzt.
Auf ihrem Instagram-Account postet Sarah Bossard auch ein gemeinsames Bild mit einem eigenen Liebesgeständnis an Alice Weidel: „Auf 17 Jahre durchs Leben gehen, auf viele Streits und viele Lösungen, auf viel viel Lachen, noch mehr tanzen und laute Musik, auf gutes Essen, aufs Aufräumen jeden Tag und auf die Berge von Wäsche! – Und aufs Alt werden zusammen.“
Auch über ihre Wohnsituation in der Schweiz gibt sich die gebürtige Gütersloherin neuerdings offen. Den ersten Wohnsitz in Biel im Kanton Bern habe die Familie schließlich nach Einsiedeln im Kanton Schwyz umverlagern müssen. Bossards Freunde hätten sich von ihr abgewendet, Weidels ältester Sohn sei zusehends von den eigenen Freunden gemieden worden und der AfD-Chefin seien Sprüche wie „Scheiss-Weidel“, „Scheiss-AfD“ und „Scheiss-Nazi“ nachgerufen worden, teilt sie der NZZ mit.
Bisher hatte sich Weidel eher verschlossen gezeigt, was ihren Schweizer Wohnort betrifft und darauf beharrt, dass sich ihr Lebensmittelpunkt in Deutschland befindet. Im ARD-Sommerinterview sagte sie: „Ich wohne im Bodenseekreis und das ist interessant, dass sie wieder irgendetwas aus meinem Privatleben heraus kramen. (...) Ich habe eine schweizerische Lebensgefährtin und mit der bin ich schon seit 20 Jahren ein Paar und qua Definition habe ich natürlich auch einen Wohnsitz in der Schweiz.“
Die Wohnung in Einsiedeln soll ihrer Frau gehören und Weidels Name soll auch nicht auf dem Klingelschild stehen, wie der „Südkurier“ berichtet. „Selbstverständlich ist Frau Dr. Weidel aufgrund ihrer politischen und parlamentarischen Verpflichtungen, in erster Linie in Deutschland aufhältig“, wird der Sprecher Weidels zitiert.
Nach neuesten Erkenntnissen scheint Weidel keinen Widerspruch mehr darin zu sehen, als deutsche Politikerin tätig zu sein und gleichzeitig im Ausland zu leben. Parteiintern sei das allerdings kritisiert worden, teilen die „Stuttgarter Nachrichten“ mit.
Weidels Eintritt in die AfD sei durch einen Streit mit ihrer Frau ausgelöst worden. „Statt alle mit deinen Tiraden zu langweilen, mach doch selbst was in der Politik“, soll Bossard Weidel im Streit gesagt haben, so die NZZ. Dieser Impuls soll schließlich 2013 zu ihrem Beitritt in die frisch gegründete AfD geführt haben.