Kopenhagen  Dänemark in der Krise: Trump „schlägt hart zurück“ – Grönland möchte abrechnen

Jens Mattern
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Von Jens Mattern
| 22.01.2025 16:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Trump verlässt den President‘s Room nach seiner Amtseinführung im US-Kapitol. Foto: DPA/Melina Mara
Trump verlässt den President‘s Room nach seiner Amtseinführung im US-Kapitol. Foto: DPA/Melina Mara
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Trump erneuert seinen Anspruch auf Grönland. Die amerikafreundliche Regierung von Dänemark versucht, sich zu wehren – ohne Washington zu verärgern. In Grönland möchte man derweil mit den ehemaligen Kolonialherren abrechnen.

Mit scharfen Worten kritisierte kürzlich die ehemalige US-Botschafterin in Kopenhagen, Carla Sands, die politische Führung Dänemarks. Das skandinavische Land habe kaum etwas für die Sicherheit und Entwicklung Grönlands getan, meinte die Amerikanerin gegenüber dem dänischen Sender TV2. Dort gab Sands auch einen Hinweis darauf, dass der Druck, den Donald Trump mit seiner Ambition, die Kontrolle über Grönland zu erlangen, auch persönlich motiviert sei.

„Fast verhöhnt“ hätte im Jahr 2019 die dänische Regierung Trump in seiner ersten Amtszeit, so Sands, welche als Diplomatin vor Ort war. Als „absurde Idee“ hatte damals die Regierungschefin Mette Frederiksen den Grönland-Kaufvorschlag Trumps abgetan, worauf jener einen Besuch in dem skandinavischen Land absagte.

Heutzutage ist man in Dänemark, welches die Außen- und Sicherheitspolitik von Grönland bestimmt, von Trumps Ambitionen in der Arktis eingeschüchtert. „Wir sind in einer ernsten Lage“ meinte Frederiksen nach der zweiten Amtseinführung des Republikaners.

Donald Trump hat am Montag auf die Frage eines Journalisten den Anspruch bestätigt. „Wir brauchen es (Grönland) aus Gründen der internationalen Sicherheit“. Auch sprach er bei seiner Rede von einer „territorialen Erweiterung“ der USA, womit auch der Panamakanal gemeint ist.

„Seit dem Zweiten Weltkrieg leben wir in einem internationalen, regelbasierten System, in dem für die Kleinen dasselbe gilt wie für die Großen“, meint hingegen Lars Lökke Rasmussen, der Außenminister des NATO-Mitglieds Dänemark. Die dänische Führung wolle nun in Washington sondieren, was Trump wirklich wolle. „Grönland steht nicht zum Verkauf“ wiederholen die Regierungspolitiker in Kopenhagen wie jene in der grönländischen Hauptstadt Nuuk als eine Art Glaubenssatz.

Die beiden Regierungen wollen formal nun enger zusammen, gleichzeitig versprach Frederiksen, dem Wunsch der Grönländer nach mehr Unabhängigkeit mehr entgegenzukommen. Doch die internationale Demütigung des ehemaligen Kolonialherren in Kopenhagen wird auch in Nuuk genutzt – zur Abrechnung.

Der Premierminister im Kapuzenpullover hat am Mittwoch gedroht, Dänemark wegen „Völkermords“ vor dem Internationalen Strafgericht zu verklagen. Es geht hierbei um die zwangsweise Einsetzung des Verhütungsmittels „Spirale“ bei grönländischen Mädchen und jungen Frauen in den Sechziger und Siebzigern Jahren. Derzeit klagen 143 Betroffene den dänischen Staat an.

In der Zeit zwischen 1953 und 1979 war die Insel ein Bestandteil Dänemarks. Die Regierung in Kopenhagen wollte dort das Bevölkerungswachstum einschränken. Wie „Steinzeitmenschen“ habe Dänemark lange die Bewohner behandelt, so Sands bereits einige Tage vor der Wahl gegenüber dem US-Sender „News-Nation“. Dass dieses Thema nun aufkocht, ist nur im Interesse des Trump-Lagers.

Das amerikanische Interesse liegt vermutlich weniger bei den Befindlichkeiten der 57.000 Bewohner, sondern bei den Bodenschätzen, welche durch das schmelzende Eis leichter abbaubar sind. Auch ist das Gebiet von strategischem Wert – seit den 1950er-Jahren verfügen die USA im Norden Grönlands über einen Militärflugplatz, der neuerdings „Pituffik Space Base“ heißt.

Laut Trump seien russische und chinesische Kriegsschiffe stark im Umfeld von Grönland präsent – und Dänemark mit der Situation überfordert. Und Sands argumentiert, dass Dänemark Artikel 3 des NATO-Vertrags nicht erfülle, der besagt, man müsse das eigene Territorium verteidigen können.

Diesbezüglich ist Dänemark, neben Polen bislang der treueste Partner der USA in Europa, unter akutem Zugzwang und bemüht, den Forderungen nachzukommen. So sollen zwei zusätzliche Schiffe der dänischen Marine in der Arktis präsent sein. An Land würden mehr Hundeschlitten Patrouillen fahren.

Doch ob dies Trump beeindrucken wird, ist fraglich. Sands verweist in ihrem Interview mit dem dänischen Fernsehen vielmehr auf das Buch des Multimillionärs Trump, „Die Kunst des Deals“, welches Aufschluss geben soll, wie Grönland unter die Kontrolle der USA geraten kann.

Und das 1987 verfasste Werk zeigt auch eine Eigenschaft von Donald Trump in Verhandlungen auf – bei schlechter Behandlung „schlage ich sehr hart zurück“. Vielleicht lässt sich dies auf Frederiksens brüske Ablehnung von Trumps Kaufangebot im Jahr 2019 beziehen.

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