Nach der Trump-Vereidigung Auricher Auswanderer spricht über die Stimmung in den USA
Vor drei Jahren ist Vladimir Prempin mit seiner Familie nach Florida ausgewandert. Die US-Präsidentschaftswahl habe Auswirkungen auf die Gesellschaft dort, sagt er.
Aurich/Boca Raton - Süd-Florida, genauer gesagt die Stadt Boca Raton, nördlich von Miami, ist seit 2022 die Heimat von Meike und Vladimir Prempin. Sie waren damals mit ihren beiden Kindern dorthin ausgewandert, weil sie dem Alltagsrassismus in Aurich entfliehen wollten. Prempin ist gebürtiger Haitianer, seine Frau ist Ostfriesin aus Westerholt. Mit der Wahl von Donald Trump zum 47. US-Präsidenten sei die Stimmung in Florida umgeschlagen, sagt Prempin im Gespräch mit unserer Redaktion. „Bis zum Wahltag war die Stimmung zumindest hier in Florida und vor allem in Süd-Florida, wo ich auch lebe, überwiegend positiv.“ Denn die Anhänger von beiden Seiten, von Donald Trump oder Kamala Harris, hätten sich mehr auf die positiven Versprechungen während des Wahlkampfes konzentriert.
Mittlerweile habe er aber das Gefühl, dass diese positive Haltung nach dem Wahlergebnis weniger geworden sei. Das gelte selbst unter den Anhängern von Donald Trump. Immer mehr Menschen würden skeptisch, weil Trump mehr und mehr zeige, wie er und seine Regierung die USA in den nächsten vier Jahren regieren werde. Die Bürger in Florida würden daher zurzeit eher abwarten und schauen, was als nächstes passiere.
Gouverneur von Florida wollte auch Präsident werden
„Ich rede fast täglich mit vielen Menschen, die Donald Trump gewählt haben“, sagt Vladimir Prempin. Bei vielen von ihnen beobachte er, dass sie nicht mehr so selbstsicher und optimistisch seien wie vor der Wahl. Im Gegenteil. Viele Menschen würden sich auf das vorbereiten, was Trump schon vor seiner Vereidigung am Montag dieser Woche angekündigt hatte: Massendeportation, Mauerbau an der Grenze zu Mexiko und Steuererhöhungen. Aber trotz allem verlören die Menschen nicht die Hoffnung. „Manche sagen, wenn ein Land so eine Situation überstehen kann, dann sind es die Vereinigten Staaten von Amerika.“
Gouverneur von Florida ist Ron DeSantis. Der Republikaner hatte auch versucht, US-Präsident zu werden. Auf seiner Agenda stand unter anderem, die Teilnehmer des Sturms auf das Kapitol zu begnadigen. Gemeint sind die Anhänger Trumps, die am 6. Januar 2021 den Kongress angriffen, weil sie der Ansicht waren, man hätte Trump die Wahl gestohlen. Trump selbst hat 1500 der Teilnehmer dieses Angriffs nun selbst begnadigt.
Prempin: Einwohner Floridas sind offen und tolerant
Dennoch sagt Prempin, dass es auch ein Florida mit offenen, liberalen Menschen gibt. Das habe er während des Wahlkampfes selbst erleben dürfen. Man müsse unterscheiden zwischen der Politik und den Menschen. Jede Meinung werde akzeptiert, unabhängig davon, wie sehr diese andere verletzen könnte. „Natürlich liegt es daran, dass Florida eine multikulturelle Gesellschaft hat. Florida ist ein Bundesstaat, der durch und mit Menschen unterschiedlicher Herkunft gebaut worden ist, und das spürt man sofort, wenn man dieses Stück Land berührt.“
Diese Haltung der Einwohner sei auch ausschlaggebend gewesen für die Entscheidung nach Florida zu gehen. Die Familie Prempin habe sich willkommen gefühlt. Hautfarbe oder Herkunft oder sozialer Rang seien egal, man werde akzeptiert. Durch meine Erfahrungen hier habe ich gelernt, dass das, was die Politiker erzählen, überhaupt nicht zu vergleichen ist mit dem, was die Mehrheit der Amerikaner denken und sehen will. „Die Menschen hier sind offener und liberaler als viele andere Völker in anderen Ländern.“
Aber hat Prempin angesichts der Ankündigungen von Donald Trump Sorgen oder Befürchtungen? Nein, sagt Vladimir Prempin. er erwarte und er befürchte nichts. Er werde, wie Millionen andere Menschen in den USA auch, täglich das Beste aus sich herausholen und jedem mit Respekt und Toleranz entgegentreten. Denn das sei das Wichtigste im Leben.