Paris  Hilferuf aus dem Louvre: Können wir die Mona Lisa bald nicht mehr sehen?

Birgit Holzer
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Von Birgit Holzer
| 24.01.2025 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Zulauf im Louvre bleibt trotz des hohen Eintrittspreises groß, ganz besonders in dem Bereich, in dem Leonardo da Vincis Meisterwerk Mona Lisa ausgestellt ist. Könnten diese Szenen bald Geschichte sein? Foto: DPA/Francois Guillot
Der Zulauf im Louvre bleibt trotz des hohen Eintrittspreises groß, ganz besonders in dem Bereich, in dem Leonardo da Vincis Meisterwerk Mona Lisa ausgestellt ist. Könnten diese Szenen bald Geschichte sein? Foto: DPA/Francois Guillot
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Dramatischer Zustand im Louvre: Die Direktorin des größten Museums der Welt fordert Investitionen – Präsident Macron will sich „des Problems annehmen“. Doch wie soll er das finanzieren?

Die Pariser Kathedrale Notre-Dame erstrahlt wieder in neuem Glanz und empfängt seit Dezember nach gut fünfjährigen Restaurierungsarbeiten erneut Besucher. Nun kommen Warnungen aus einem anderen großen Wahrzeichen der französischen Hauptstadt an die Öffentlichkeit: Der Louvre sei in einem besorgniserregenden Zustand, klagte dessen Direktorin, Laurence des Cars, in einem vertraulichen Schreiben an die Kulturministerin Rachida Dati.

Das betreffe sowohl die alten Gemäuer des einstigen Königsschlosses, das seit 1793 als Museum dient, als auch den Zugang über die Glaspyramide im Innenhof. Die schwankenden Temperaturen seien für die Ausstellungswerke problematisch und das gastronomische Angebot sowie die sanitären Einrichtungen lägen „weit unter internationalen Standards“, so des Cars.

Ihr Brief wurde der Tageszeitung „Le Parisien“ zugespielt, die nun Ausschnitte daraus veröffentlichte. Die warnende Titelseite mit der Aufschrift „Der Louvre ruft um Hilfe“ dürfte einschlagen. Von Rachida Dati, einst Justizministerin unter Nicolas Sarkozy, ist bekannt, dass sie bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr Bürgermeisterin von Paris werden will.

Allerdings ist der Louvre Eigentum des Staates. Auch Präsident Emmanuel Macron legt Wert auf Pariser Symbole mit internationaler Ausstrahlungskraft. Seinen Wahlsieg im Mai 2017 zelebrierte er spektakulär vor der Glaspyramide. Macron will sich am Dienstag vor Ort äußern und zweifellos Ankündigungen machen. Die Journalisten sind bereits eingeladen.

Hierbei tut sich jedoch ein Problem auf: Frankreich ist hoch verschuldet und ringt um die Verringerung seines Defizits. Zwar beziffert die Louvre-Direktorin nicht die Höhe der notwendigen Investitionen. Doch ihre Warnungen klingen dramatisch. Die Räumlichkeiten des mit seinen 73.000 Quadratmetern größten Museums der Welt seien heruntergekommen und nicht mehr durchgehend wasserdicht.

Für die Gäste werde der Besuch zu einer „körperlichen Herausforderung“: Es gebe keinen Platz für Pausen, die Ausschilderung sei komplett zu überarbeiten. Auch die Glaspyramide, die auf Initiative des damaligen Präsidenten François Mitterrand hin in den 1980er Jahren vom chinesisch-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei gestaltet wurde, sei als einziger Zugang nicht mehr haltbar: An Tagen großer Hitze werde der Aufenthalt sowohl für das Publikum als auch für die Angestellten schwer erträglich, hinzu komme die ständige Lärmkulisse. Die Louvre-Direktorin schlägt weitere Umbauten vor, etwa einen zweiten Eingang an der Rue de Rivoli.

Denn errichtet wurde das Kunstwerk aus Glas für vier Millionen Besucher pro Jahr, doch kommen längst mehr als doppelt so viele. 70 Prozent der Besucher sind Ausländer. Laurence des Cars, die seit 2021 als erste Frau an der Spitze des Louvre steht, hat bereits eine Tages-Höchstgrenze von 30.000 Menschen durchgesetzt. Der Zulauf bleibt trotz des hohen Eintrittspreises von 22 Euro für Erwachsene groß, ganz besonders in dem Bereich, in dem Leonardo da Vincis Meisterwerk Mona Lisa ausgestellt ist.

Der meist besichtigte Museumsraum der Welt wurde bereits vor einigen Jahren renoviert, um dem Andrang der Massen zu begegnen. Doch müsse dieser des Cars zufolge neu überdacht werden. Allgemein sei „der Status quo nicht mehr haltbar“, warnte sie.

Das Museum finanziert sich nicht nur aus den Eintrittspreisen, Spenden durch Mäzene und staatliche Subventionen, sondern auch durch Partnerschaften, vor allem jene mit den Vereinigten Arabischen Emiraten: 2017 errichtete der französische Architekt Jean Nouvel den Louvre Abu Dhabi, der Leihgaben aus Frankreich erhält und Wechselausstellungen organisiert.

Doch die Vereinbarung, die innerhalb von 30 Jahren insgesamt eine Milliarde Euro für französische Museen, davon 400 Millionen Euro alleine für den Louvre vorhersah, wurde immer wieder stark kritisiert, nicht nur aufgrund moralischer Bedenken und Betrugsverdacht. Wegen Beihilfe zu bandenmäßigem Betrug wird gegen den ehemaligen Louvre-Chef Jean-Luc Martinez ermittelt.

Doch auch der französische Rechnungshof stellte 2019 Unregelmäßigkeiten fest, da der Vertrag demnach seitens der Vereinigten Arabischen Emirate nicht eingehalten worden sei.

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