Hamburg  Frau Hinrichs, gibt es ein Rezept für richtig guten Sex in einer langjährigen Beziehung?

Hannah Baumann
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Von Hannah Baumann
| 27.01.2025 06:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Katrin Hinrichs spricht im Interview über die Sexualität. Foto: Imago/Stefan Schmidbauer und Imago/ A. L. Leheutre; Collage: Hannah Baumann
Katrin Hinrichs spricht im Interview über die Sexualität. Foto: Imago/Stefan Schmidbauer und Imago/ A. L. Leheutre; Collage: Hannah Baumann
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Sind langjährige Beziehungen wirklich ein Lustkiller und worauf müssen Paare achten, wenn sie sich ihre Sexualität erhalten wollen? Sexualtherapeutin Katrin Hinrichs will dem Tabuthema Sexualität im Alter die Scham nehmen. Ein Interview.

Katrin Hinrichs spricht im Interview darüber, wie Paare die Lust zurückgewinnen und warum Humor und Akzeptanz der Schlüssel zu einem erfüllten Liebesleben sind – in jedem Alter.

Frage: Frau Hinrichs, haben 80-Jährige noch Sex?

Antwort: Ja, das kommt uns vielleicht etwas komisch vor, wenn man dann denkt, dass die Eltern noch Sex haben sollen. Und dann auch noch die Großeltern – Hilfe! Das kann man sich nicht vorstellen. Aber ich kann Ihnen sagen: Ja, einige haben noch Sex – vor allem, wenn sie begriffen haben, dass sich Sexualität verändert.

Antwort: Sexualität kann dann wie ein großes Buffet sein. Es geht darum, eine neue, genussvolle Art zu finden, Sexualität zu erleben, auch wenn Penetrationssex vielleicht nicht mehr möglich ist. Meine Aufgabe ist es, Menschen dabei zu helfen, ihre Sexualität anzupassen und zu genießen.

Frage: Wie sieht das konkret aus?

Antwort: Es gibt Statistiken, die zeigen, dass sich bis ins hohe Alter ein Drittel der Menschen Sexualität wünscht. Natürlich wird es ab 80 schwieriger – die Erektionsfähigkeit bei Männern nimmt durch den sinkenden Testosteronspiegel ab, bei Frauen können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten, Krankheiten kommen dazu und einige verlieren ihren Partner.

Frage: Wie unterstützen Sie Paare in Ihren Therapiesitzungen?

Antwort: Ich überlege mit den Paaren und hinterfrage, was sie gerne im Bett machen. Vielleicht hat man ein neues Knie, eine neue Hüfte oder es klappt wieder mit der Erektion nicht so wie es einmal lief. Das bedeutet, dass man auch eine Akzeptanz fürs Alter entwickelt und sagt, okay, es muss beim Sex nicht mehr der doppelte Rittberger vom neuen Ikea-Schrank sein.

Antwort: Man muss sich die positiven Seiten des Partners ins Gedächtnis rufen und akzeptieren, dass sich neben den anderen Alterserscheinungen auch die Sexualität verändert. Eventuell benötigt man eben drei Stützkissen unter dem Po. Wichtig ist, dass beide sich um ihre Sexualität kümmern und schauen, was ihnen gefällt.

Frage: Gibt es ein Rezept für guten Sex in einer langjährigen Beziehung?

Antwort: Ja, davon träumen alle. Manchmal kommen Paare zu mir, die jahrelang keinen Sex haben und wenn die Kinder aus dem Haus sind, wollen sie nochmal einsteigen. Manchmal gibt es Lebensumstände, wo Sex gerade eben nicht passt.

Antwort: Ich vergebe dann gerne Schulaufgaben: eine schöne Ölmassage oder jeden Tag sechs Sekunden küssen – vielleicht nicht gerade nach dem Zwiebelmett, sondern eher direkt nach dem Zähneputzen. Es geht darum, wieder körperliche Kontaktpunkte zu setzen, die auch sexuell sein können. Den Fokus zu ändern, das ist eines der wichtigsten Dinge, auch wenn man lange verheiratet ist.

Frage: Wie bleibt man füreinander attraktiv?

Antwort: Der Fokus ist entscheidend. Statt sich auf die Macken des Partners zu konzentrieren, sollte man sich fragen: Was habe ich immer geschätzt? Vielleicht eine bestimmte Geste, einen besonderen Charakterzug oder Körper des Partners – auch wenn er sich im Laufe der Beziehung verändert hat. Das nenne ich die Weichstellung der Augen: Den Blick auf das Positive richten.

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