Kein Fußweg Anwohner in Wrisse haben Angst um ihre Kinder
Eltern in Wrisse fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder. Sie wollen endlich einen Fußweg am Moorlager Weg. Den wollten sie sogar selbst anlegen, aber da macht der Landkreis Aurich nicht mit.
Wrisse - Zwischen Bauernhäusern, Wiesen und Wallhecken wird es endlich hell an diesem Januarmorgen. Doch im beschaulichen Ortsteil Wrisse in der Gemeinde Großefehn ist der Frieden gestört. Birte Menzi (42) und Michael Bünting (42) ärgern sich über den Verkehr auf dem Moorlager Weg, an dem der Milchviehbetrieb liegt, den sie seit drei Jahren betreiben. Die Eltern haben Angst um ihre siebenjährige Tochter, wenn sie morgens zur Bushaltestelle läuft, sagen sie.
Denn auf dem Moorlager Weg, der durch den Ort führt, gibt es keine Geschwindigkeitsbeschränkung. Es gilt Tempo 100. Lediglich eine scharfe Kurve führt dazu, dass Kraftfahrer vom Gas gehen müssen. Doch das reicht dem Paar nicht. „Nach der Kurve beschleunigen die Fahrer sofort wieder“, sagt Birte Menzi. In der Folge lassen die Eltern ihre Tochter nicht alleine an der Straße laufen. Auch die anderen Eltern in der näheren Umgebung hätten zu viel Angst, dass etwas passiert, schreibt Michael Bünting nach dem Gespräch an die Redaktion.
Kaum Platz zum Ausweichen
Der Moorlager Weg ist eine schmale Straße. Fahren zwei etwas größere Kraftfahrzeuge aneinander vorbei, muss mindestens eines auf den Randstreifen ausweichen. Gut sichtbar sind die Reifenspuren im aufgeweichten Boden zu erkennen. Die Straße ist gesäumt von großen Eichen, gleich dahinter liegt ein Graben. Ist man zu Fuß auf der Straße unterwegs, bliebt kaum Platz zum Ausweichen.
„Auch wir Erwachsenen haben Angst“, sagt Birte Menzi. „Wenn wir mit dem Milchtaxi unterwegs sind, ist es auch schon gefährlich.“ Mit „Milchtaxi“ meint sie einen Handwagen, auf dem sie Milch zu den Kälbern bringt. Der Hof, den das Paar bewirtschaftet, ist auf zwei Grundstücke verteilt, die schräg gegenüber voneinander am Moorlager Weg liegen. Derzeit bauen sie auf einem der Grundstücke ein Haus. Gegenüber wohnen weitere Kinder, erzählt das Paar. „Hier leben sechs schulpflichtige Kinder“, sagt Michael Bünting. Gerade in der dunklen Jahreszeit habe man Nahtoderfahrungen. „Wir sind verzweifelt“, sagt er.
Eltern fordern Tempolimit
Das Paar will, dass an der Straße ein Fußweg gebaut wird – und dass es eine Geschwindigkeitsbeschränkung gibt. „Es müsste hier Tempo 60 sein“, so Menzi. Gemeinsam mit anderen Anwohnern habe man schon angeboten, selbst einen Weg entlang der Straße zu bauen. Doch das wurde vom Landkreis Aurich, der für die Kreisstraßen zuständig ist, abgelehnt, berichtet Michael Bünting.
Ungehört bleibt das Anliegen jedoch nicht. Auf Anfrage der Redaktion schreibt der Sprecher des Landkreises Aurich, Rainer Müller-Gummels: „Das Anliegen der Anwohner ist hier nicht unbekannt. Auf Bitten des Ortsrates Wrisse wurde die Situation vor Ort im Oktober 2024 erstmals erörtert.“ Nun solle bei guten Witterungsverhältnissen eine Geschwindigkeitsuntersuchung gemacht werden. Voraussichtlich im März 2025 sollen die Ergebnisse vorgestellt und mögliche Maßnahmen erörtert werden, wie er schreibt. Er fügt außerdem den Hinweis hinzu, dass Verkehrsteilnehmer „selbstverantwortlich Gefahrensituationen kritisch zu beurteilen und entsprechend zu handeln (haben), also auch ihre Geschwindigkeit den örtlichen Verhältnissen anzupassen.“
„Wenn sie 100 fahren dürfen, fahren sie auch 100“
Gemeint ist damit: Man darf nur so schnell fahren, wie es die Verkehrsverhältnisse erlauben. „So können innerhalb von Ortschaften in Straßen mit am Straßenrand parkenden Fahrzeugen 50 km/h beispielsweise allein deshalb zu viel sein, weil man mit zwischen den parkenden Fahrzeugen herauslaufenden Personen rechnen muss. Auch bei Grundstücksausfahrten muss der Verkehrsteilnehmer damit rechnen, dass dort zu bestimmten Zeiten Personen, etc. in den Verkehrsraum hineintreten“, schreibt Müller-Gummels. Dass dies offenbar nicht funktioniert, zeigt die Beobachtung von Birte Menzi: „Wenn sie 100 fahren dürfen, fahren sie auch 100.“
Sie habe bereits versucht, durch das Aufstellen von Bobbycars und anderen Kindergeräten am Straßenrand Kraftfahrer darauf aufmerksam zu machen, dass hier Kinder leben. Doch das habe wenig gebracht. „Die sind im Graben gelandet“, sagt sie.
Großefehn plant weiteren Ausbau das Radverkehrs
Auch Detlef Meyer, dem Fachbereichsleiter für Bau der Gemeinde Großefehn, ist die Situation bekannt. Mit dem Ziel, den Radverkehr in der Region zu stärken, ist ein Verkehrskonzept für die Gemeinde geplant. Bei einer Online-Bürgerbeteiligung im Herbst 2024 seien 550 Anregungen eingegangen, so Meyer. Nun werden die Straßen untersucht, um zu sehen, was möglich ist.
Birte Menzi und Michael Bünting haben die Beteiligungsaktion genutzt, um auf die Situation am Moorlager Weg aufmerksam zu machen. Auch das werde geprüft, so Meyer. Zuständig für die Straße sei jedoch der Landkreis.