Hamburg Helfen Hühnersuppen-Bonbons gegen Erkältung? Das sagt Ernährungsdoc Matthias Riedl
In den USA gibt es im Kampf gegen Erkältungen einen neuen Trend: Hühnersuppen in Form von Lutsch-Bonbons. Doch helfen sie wirklich bei Krankheit? Ernährungsexperte Matthias Riedl gibt eine klare Antwort.
Andauernder Husten, eine laufende Nase und dröhnende Kopfschmerzen: Wer eine Erkältung hat, will sie auch schnell wieder loswerden. Wer nach altbewährten Hausmitteln sucht, dem wird oft zu einer heißen Hühnersuppe geraten. Doch diese zu kochen und zu essen, ist zeitintensiv – und wer krank ist, fühlt sich auch nicht unbedingt fit genug, sich dafür an den Herd zu stellen.
Ein US-Unternehmen will dieses Problem für sich erkannt haben und hat daher Lutsch-Bonbons auf den Markt gebracht, die wie eine Hühnersuppe schmecken sollen. Als „Suppe zum Lutschen“ preist der Suppenhersteller Progresso seine sogenannten „Soup-Drops“ an. Es sei „das ultimative Wohlgefühl in der Erkältungs- und Grippesaison“ und ein „praktisches Suppenerlebnis für unterwegs“, heißt es in der zugehörigen Pressemitteilung.
In den USA sind diese Bonbons offenbar ein Renner: Zweimal hatte der Hersteller einen Onlineverkauf angekündigt, beide Male war das Produkt in wenigen Minuten vergriffen. Am zweiten Verkaufstag war die Webseite des Herstellers sogar wegen Überlastung abgestürzt.
Doch sind diese Hühnersuppen-Bonbons bei einer Erkältung ebenso hilfreich wie eine normale Hühnersuppe? Wir haben beim Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl nachgefragt.
Beim Blick auf die Zutatenliste eröffnet sich ihm ein klares Bild. Wie der Hersteller selbst mitteilt, enthalten die Bonbons unter anderem Zucker, Salz, ungesunde Fette wie Palmöl, chemische Aromen und Farbstoff. „Die Bonbons kratzen an den Rand der Kriminalität“, urteilt Riedl.
Enthalten sind auch Dinatriumguanylat und Dinatriuminosinat, zwei Natriumsalze. Laut Riedl können diese „bei höherer Konzentration in der Nahrung bei empfindlichen Personen Gichtanfälle fördern.“ Er betont, dass dies nicht wahrscheinlich, aber möglich sei.
Aber auch die fertigen Dosen-Hühnersuppen dieses Herstellers bezeichnet er als „gesundheitlichen Skandal“ – mit chemischen Aromen und Natriumphosphat, was die Alterung des Organismus fördere. Das sei „Healthwashing vom Feinsten“.
Zur Einordnung: Der Hersteller bezeichnet seine Produkte auch nicht als gesundheitsfördernd, sondern greift – womöglich bewusst – auf Begrifflichkeiten wie „beruhigend“ oder „wohlige Geborgenheit“ zurück.
Auf die Frage, ob solche Hühnersuppen-Bonbons – sollten andere Hersteller dem Trend folgen und eigene Varianten unter anderer Rezeptur anbieten – bei Erkältungen helfen könnten, winkt Riedl ab. „Bei Erkältungen haben nur selbst gekochte Hühnersuppen einen gewissen Effekt.“
Er erklärt, dass beim Auskochen von Gemüse und Hühnerknochen die Hühnersuppe mit Substanzen angereichert wird, die entzündungshemmend wirken. „Wenn etwas – durch Chemie – so riecht wie eine Hühnersuppe, ist es noch längst keine Hühnersuppe“, so Riedl weiter. Wer also bei einer Erkältung auf eine schnelle Genesung hofft, sollte doch auf die selbstgemachte Variante setzen.