Osnabrück  Deutschland im Angstmodus: Ist das noch normal oder schon eine Störung?

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 30.01.2025 13:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Demonstration nach dem tödlichen Angriff in Aschaffenburg. Foto: dpa/Daniel Vogl
Demonstration nach dem tödlichen Angriff in Aschaffenburg. Foto: dpa/Daniel Vogl
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Eine Befragung der Bürger offenbart einen drastischen Rückgang des Sicherheitsgefühls. Laufen die Ängste der Deutschen aus dem Ruder? Eine neue Bundesregierung wird der Entwicklung Rechnung tragen müssen.

Angst vor Donald Trump, Angst vor Geflüchteten, Angst vor Gewalttaten und dem sozialen Abstieg: Während der vergangenen Jahre ist das Sicherheitsgefühl der Bürger stetig und signifikant zurückgegangen; der Anteil, der sich in Deutschland sicher fühlt, ist zwischen 2022 und 2025 von 76 auf 60 Prozent gesunken.

Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung hervor.

Dass die Sorgen und Befürchtungen stetig gewachsen sind, wirft kein gutes Licht auf die Politik der vergangenen Jahre. Schließlich gehört es zur ureigensten Aufgabe einer Regierung beziehungsweise des Staates, Unbill von den Bürgern fernzuhalten und ihnen einen sicheren Rahmen zu geben. Damit ist die Ampel gescheitert.

Es braucht also nicht viel Fantasie, den jüngsten, Mitte des Monats erhobenen Sicherheitsreport vor dem Hintergrund der vorgezogenen Bundestagswahl als unmissverständliche Aufforderung an eine neue, mutmaßlich unionsgeführte Bundesregierung zu verstehen, politische Weichen etwa in der Flüchtlings- und Wirtschaftspolitik grundlegend neu zu stellen.

Den Deutschen wird gern nachgesagt, auf massive politische Herausforderungen mit einem Mix aus Zukunftsangst, Mutlosigkeit und extrem ausgeprägtem Sicherheitsbedürfnis zu reagieren; der angloamerikanische Raum hat dafür den Begriff „German Angst“ geprägt.

Inzwischen scheint diese Angst so groß, dass immer mehr Bürger nicht einmal mehr davor zurückschrecken, extremen politischen Kräften wie zum Beispiel der AFD ihre Stimme zu geben, die einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen. Hauptsache, irgendjemand macht die in ihren Grundfesten erschütterte Welt wieder heile.

Doch ein „Rundum-Sorglos-Paket“ wird es so schnell nicht geben: Weder lässt sich die Migrationskrise mit einem Handstreich aus der Welt schaffen, noch der Ukraine-Krieg oder die Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft. Wer aber Lösungen suchen und finden will, braucht Zuversicht – Angst allein ist ein schlechter Ratgeber.

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