Osnabrück „Tatort“ aus Dresden: Karin Hanczewski feiert in „Herz der Dunkelheit“ Abschied
Wie gelingt Karin Hanczewski der Ausstieg aus dem Dresdner "Tatort"? Der Titel "Herz der Dunkelheit" frei nach Joseph Conrad setzt hohe Erwartungen.
Was für eine Party! Alkohol, Pillen und Pulver machen die Runde. Die Stimmung siedet auf dem Höhepunkt. Und die Musik ist so richtig gut laut. Da kann auch ein Streber und Nerd wie Marlin (Max Wolter) nichts und niemandem die Laune verderben. Allerdings hätte man ihm wohl doch besser keinen Trip spendieren sollen. Im Drogenrausch glaubt er, seinen äußerst beliebten Mitschüler Janusz Simiak (Louis Wagenbrenner) leblos unter der Dusche im Poolhaus gesehen zu haben. Marlins verwirrten Anruf bei der Polizei können die Schulkollegen gerade noch rechtzeitig unterbrechen. Aber es hilft nichts.
Schon bald steht die Polizei doch vor der Tür und die Party ist vorbei. Marlin wurde nur 250 Meter von der Feier entfernt von einem LKW überfahren und liegt nun im Koma. Die Fahrerin sagt aus, er sei auf der Flucht gewesen. Und von Janusz gibt es überhaupt keine Spur. Dessen Freundin und andere Mitschüler behaupten, er sei früh gegangen. Doch zu Hause ist er nie angekommen. Und Blutspuren am Swimmingpool lassen nichts Gutes erahnen.
Freilich ist aus den zugedröhnten Partygästen vor Ort nicht mehr viel rauszuholen. Also findet die Fortsetzung der Feier eben auf dem Revier statt, wo es Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach) mit teils ziemlich großkotzigen Heranwachsenden zu tun bekommt. Was seine schlechte Laune auch nicht bessert.
Wie gut, dass er noch nicht weiß, wie sehr seine Kollegin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) persönlich in den Fall verwickelt ist. Gorniaks neuer Freund Paul Brahms (Hannes Wegener) ist zufällig der Vater von Romy (Charlotte Krause), die ebenfalls auf der Party war, offenbar eine Ex-Freundin des verschwundenen Janusz ist und sich schnell in zahlreiche Widersprüche verwickelt. Ob es Gorniak rechtzeitig schafft, einen Befangenheitsantrag zu stellen?
Dieser „Tatort“ mit dem an Joseph Conrad anspielenden Titel „Herz der Dunkelheit“ ist nun der endgültig letzte Fall mit Gorniak-Darstellerin Hanczewski. Und natürlich wird nicht verraten, ob sie am Ende erstochen, erschossen, in die Luft gejagt oder von einem UFO entführt wird. Nur soviel. Es ist ein wirklich würdiger Abgang.
Dafür sorgen Drehbuchautor Ben von Rönne und Regisseurin Claudia Garde, die gemeinsam mit Rönne auch das Drehbuch erarbeitet hat. Die Probleme, die mit der persönlichen Verwicklung einer Kommissarin in ihren Fall und den damit einhergehenden Schwierigkeiten inklusive Befangenheit zwangsläufig entstehen, werden hier nicht einfach verschwiegen, sondern sorgfältig in den Krimi mit eingearbeitet. Ganz nebenbei gelingt es diesem „Tatort“ auch, die Schüler aus einer weder anbiedernden noch anmaßenden Perspektive zu begegnen. Die Ermittler versuchen gar nicht erst, sich in Jugendsprache zu üben, wofür man dem Drehbuch wirklich dankbar sein muss.
Eigentlich sollte an diesem Sonntag ja der Magdeburger „Polizeiruf 110: Widerfahrnis“ laufen. Aber ein paar Tage vor der Ausstrahlung kam man beim verantwortlichen ARD-Sender MDR dann doch auf die Idee, dass man diesen „Polizeiruf“ wegen des Anschlages auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im Dezember lieber verschieben wolle, weil es im „Polizeiruf“ um „die hochemotionale Geschichte eines anonymen Unfallopfers, um Trauer und Verlusterfahrung“ gehe, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Kein Spoiler – zu Beginn der nun geplanten „Tatort“-Episode wird ein Schüler von einem 20-Tonner überfahren. Keine Pointe. Kein Kommentar.
„Tatort: Herz der Dunkelheit“. Das Erste, Sonntag, 2. Februar, 20.15 Uhr und in der ARD Mediathek.