Osnabrück.  Bundesliga-Schiri Willenborg: Mehr Druck auf Referees durch Durchsagen beim Videobeweis

Jacob Alschner
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Von Jacob Alschner
| 30.01.2025 20:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Osnabrücker Bundesliga-Schiedsrichter Frank Willenborg (Mitte): Auch er könnte bald vom Audiokommentar-Testprojekt betroffen sein. Foto: www.imago-images.de
Der Osnabrücker Bundesliga-Schiedsrichter Frank Willenborg (Mitte): Auch er könnte bald vom Audiokommentar-Testprojekt betroffen sein. Foto: www.imago-images.de
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. In der 1. und 2. Fußball-Bundesliga werden ab dem kommenden Spieltagswochenende den Audio-Kommentar zu Entscheidungen, in die der Video-Assistent (VAR) eingreift. Entsprechende Entscheidungen soll der Feldschiedsrichter in ausgesuchten Spielen den Fans erklären. So blickt der Osnabrücker Schiedsrichter Frank Willenborg auf das Projekt.

Am kommenden Wochenende hält eine Neuerung Einzug in den Fußball der 1. und 2. Bundesliga: In ausgesuchten Spielen sollen Fans im Stadion und vorm TV per Audiokommentar Entscheidungen, die unter Zuhilfenahme des sogenannten Videobeweises (Video-Schiedsrichterassistenten, VAR) gefällt worden sind, erklärt bekommen. Der jeweils pfeifende Feldschiedsrichter soll über sein Headset Erläuterungen durchgeben, warum in strittigen Szenen wie genau entschieden wurde. Einer dieser Schiedsrichter könnte in Zukunft der Osnabrücker Schiedsrichter Frank Willenborg (45) sein. Wie steht er zu dem Projekt, das die DFL-Kommission Fußball ins Leben rief und das die Akzeptanz des VAR in Deutschland stärken soll?

„Es ist ja eine typisch deutsche Tugend, auf Neuerungen erst mal skeptisch zu reagieren. Aber ich versuche, dem Ganzen etwas abzugewinnen“, sagt Willenborg, der seit 2007 in der 2. Bundesliga und seit 2016 in der ersten Liga pfeift. „Denn man sollte es versuchen, die Arbeit des VAR transparenter zu machen, sodass der Zuschauer, vor allem im Stadion, mehr Klarheit gewinnt. Der ist beim Eingriff des VAR bisher der am meisten gekniffene. Dass man Fans im Stadion besser bedienen muss, steht außer Frage.“

Unter seinen unparteiischen Kollegen gebe es Befürworter. „Aber es gibt auch welche, die sagen, dass das nicht viel bringen wird. Außer, dass es alles noch in die Länge zieht.“ Er selbst mache bei dem Test gerne mit und hoffe, dass es „Sinn ergibt, was man jetzt testet, und für mehr Transparenz und Akzeptanz sorgt. Und wenn nicht – dafür ist ja eine Testphase da –, sollte man noch mal überlegen, ob das wieder zurück in die Schublade wandert.“

Bisher wurden Entscheidungen nach VAR-Check lediglich stichwortartig auf den Anzeigetafeln erklärt. „Ein bisschen stiefmütterlich“, nennt Willenborg das. Insofern begrüße er das Projekt des DFB. Er selbst pfeift am Wochenende die Partie zwischen dem 1. FC Heidenheim um Ex-VfLer Omar Traoré und Borussia Dortmund; dieses Spiel fällt nicht unter die betreffenden Pilot-Spiele. Auf Willenborg und seinen Kollegen aber, die eine der fünf ausgesuchten Partien leiten, laste nun noch mal mehr, sagt er. „Vor bis zu 80.000 Zuschauern zu sprechen, ist wohl für jeden Schiedsrichter absolutes Neuland und erhöht auch den Druck.“ Willenborg sei, wenn er mal diese Aufgabe habe, „persönlich gespannt auf meinen ersten Versprecher. Diese Gefahr ist da und ich möchte auch mal sehen, wie die Zuschauer dann reagieren. Und generell: Inwiefern sie überhaupt zuhören.“ So eine Fankurve ist ja immerhin nicht einfach zu übertönen.

Diesen Zuschauern müsse „klar sein“, so Willenborg, „dass der gesamte Prozess des Reviews dadurch aber länger wird“. Der Plan des DFB, der die Einführung des sogenannten „Public Announcements“ schon seit mindestens Sommer 2024 vorbereitet hat, sieht vor, dass alle VAR-Eingriffe – auch solche, bei denen der Hauptschiedsrichter bei seiner Entscheidung bleibt – erklärt werden. Ob der Schiedsrichter dabei extra zum Monitor am Spielfeldrand geht oder nicht, ist unerheblich. Hingegen werden sogenannte „Silent Checks“, die im Hintergrund ablaufen und durch die das Spiel nicht unterbrochen wird, nicht kommentiert.

Die Schiedsrichter der 1. und 2. Liga haben den Einsatz des Audio-Kommentars bereits im Rahmen zweier Lehrgänge geprobt. Außerdem wurden feste Textbausteine für die Durchsagen entworfen – unter Mithilfe von Luftfahrt-Piloten, die übrigens stets zu zweit im sogenannten Kölner Keller, also dem Video-Assist-Center in Köln-Deutz, anwesend sind. Sie unterstützen die Schiedsrichter dabei, in Stress-Situationen klare Kommandos zu geben und feste Abläufe beizubehalten.

Willenborg persönlich ist derweil wieder fest in seinen Abläufen als Schiedsrichter drin – oder war nie richtig aus. Trotz Verletzung im vergangenen Herbst. „Ich hatte einen etwas komplizierteren Muskelfaserriss“, berichtet der Lehrer Willenborg, der nebenbei auch Jugendcoach beim SSC Dodesheide ist. „Aber jetzt läuft es wieder. Ich hab ohnehin festgestellt: Pfeifen ist ein bisschen wie Fahrradfahren. Da war ich sofort wieder drin, das verlernt man nicht mehr.“ Da scheint fast egal, welche technische Neuerung im Laufe einer Schiedsrichter-Karriere noch dazukommt.

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