Nach Schock in Spetzerfehn Was ergaben die Ermittlungen zum verwüsteten Friedhof?
Unbekannte hatten kurz nach Weihnachten den Friedhof in Spetzerfehn verwüstet. Der Schock sitzt bei den Betroffenen noch immer tief. Was haben die Ermittlungen bisher ergeben?
Spetzerfehn - „Was ist denn das?“, fragt Pastor Tom Betten und fischt eine etwa drei Zentimeter hohe „2“ unter dem Friedhofstor hervor. „Die ist bestimmt noch davon übrig, als der Friedhof verwüstet wurde“, vermutet er und sein Blick gleitet prüfend über die in der Nähe stehenden Grabsteine. Doch hier fehlt keine Zahl. Auch sonst ist von den Schäden inzwischen nichts mehr zu sehen, die bislang unbekannte Täter auf dem Friedhof direkt neben der evangelischen Kirche in Spetzerfehn am Wochenende nach Weihnachten angerichtet haben. „Die meisten Angehörigen waren sofort hier, um die Spuren zu beseitigen“, erklärt Betten. Der Schock sitze tief – bei Angehörigen, die um ihre Verstorbenen trauern, und in der gesamten Gemeinde.
Noch seien die Verursacher nicht bekannt, fügt er hinzu. Aus der Pressestelle der Polizei Aurich heißt es zu diesem Fall, dass die Ermittlungen noch laufen – deshalb wolle man noch nichts dazu sagen. Manche vermuteten, dass es Kinder gewesen seien, sagt Betten. Es habe Meldungen gegeben, die darauf hinwiesen. Tom Betten weigert sich jedoch, die Verwüstungen als „Kinderstreich“ abzutun. Er ist noch immer fassungslos und seufzt: „Ich hätte gedacht, dass selbst Kindern klar ist, dass ein Friedhof tabu ist.“ Schließlich sei er ein Ort des Abschieds von geliebten Menschen und ein Ort des Gedenkens.
Polizisten nahmen Fußabdrücke auf
Zwei Schubkarren voller zerstörter und überall verstreuter Grablichter, Dekoration und herausgerissener Pflanzen seien damals beim Aufräumen zusammengekommen. „Und überall lagen Scherben“, sagt Betten. Den Schaden schätzte die Polizei auf etwa 700 Euro. Es sei für alle ein Schock gewesen, als am Sonntag, 29. Dezember 2024, vor dem Gottesdienst der lutherischen Christus-Gemeinde Spetzerfehn die Verwüstungen auf dem Friedhof entdeckt wurden. „Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer“, sagt Betten – nicht nur unter den Anwesenden in der Kirche, sondern auch auf vielen anderen Wegen.
Schon kurz nach dem Gottesdienst sei der Friedhof voller Menschen gewesen. „Viele wollten sich vergewissern, dass die Gräber ihrer Lieben in Ordnung sind.“ Einige seien mit dem Handy am Ohr über den Friedhof gelaufen und von besorgten, weiter entfernt wohnenden Angehörigen zu Gräbern gelotst worden, um zu schauen, ob sie ebenfalls betroffen sind. „Ich hätte damals nicht damit gerechnet, dass die Polizei mit so einem Großaufgebot anrückt“, sagt Betten. Dafür, dass die Zerstörung dort sehr ernst genommen wurde, sei er dankbar. „Die Polizisten haben gleich mit den Angehörigen gesprochen und gefragt, ob sie Anzeige erstatten wollen.“ Auch das habe geholfen. Sogar Fußabdrücke der mutmaßlichen Täter seien genommen worden.
Bewusstsein für die Bedeutung eines Friedhofs schaffen
Betten steht jetzt vor einem liebevoll dekorierten Grab in der ersten Reihe. Figuren und Pflanzen zieren den kleinen Erdhügel. Das Pastor zieht sein Handy aus der Tasche und scrollt durch die Bilder. Dann tippt er mit dem Finger auf ein direkt nach dem Vorfall aufgenommenes Foto. „Dieses Grab war besonders schwer betroffen“, sagt Betten. Zu sehen ist kaum mehr als ein Haufen zerwühlter Erde. Sogar die Platte mit der Inschrift ist nicht mehr an ihrem Platz. „Obwohl die Angehörigen weiter weg wohnen, kamen sie sofort her und haben sich um das Grab gekümmert“, sagt Betten.
Der Spetzer Pastor fragt sich, was er tun kann, um den Verursachern die Bedeutung eines Friedhofs bewusst zu machen. „Wenn es wirklich Kinder waren, kommen sie wahrscheinlich irgendwann zu mir in den Konfirmationsunterricht“, sagt er. Deshalb habe er überlegt, immer einen Tag mit seinen „Konfis“ auf den Friedhof zu gehen. „Dann verstehen sie vielleicht, was der Friedhof und vor allem die Gräber manchen Menschen bedeuten.“ So etwas wie diesen Vorfall Ende Dezember vergangenen Jahres möchte er nicht noch einmal erleben. Ob sich vielleicht noch jemand meldet, um für den Vorfall Verantwortung zu übernehmen? „Ich rechne nicht mehr damit“, sagt Betten. Auch wenn es gut sei, wenn jemand dazu stehen würde. Dann wäre wenigstens die quälende Ungewissheit über die Hintergründe der Tat zu Ende. Denn auch wenn der Vorfall nicht mehr ganz so oft in der Kirchengemeinde Thema sei wie zu Beginn: „Er beschäftigt die Menschen noch immer.“