Aufstrebender Schiedsrichter  Schon 70 Saisoneinsätze – Kai Prikker liebt das Pfeifen

| | 05.02.2025 10:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Kai Prikker (gelbes Trikot) leitet Herren-Spiele bis zur Bezirksliga. Dieses Foto entstand beim Duell zwischen dem TV Bunde und dem SV Hage im Oktober 2024. Foto: Damm
Kai Prikker (gelbes Trikot) leitet Herren-Spiele bis zur Bezirksliga. Dieses Foto entstand beim Duell zwischen dem TV Bunde und dem SV Hage im Oktober 2024. Foto: Damm
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Manchmal leitet Schiedsrichter Kai Prikker aus Warsingsfehn sogar zwei Fußball-Partien an einem Tag. Dabei spielt er noch selber. Als Schiri setzt er auf moderne Technik.

Warsingsfehn - Mehrmals in der Woche zieht Kai Prikker mit seinem riesigen Koffer los. „Damit könnte ich für zwei Wochen in den Urlaub fliegen“, sagt der 24-Jährige aus Warsingsfehn. Doch statt Flughäfen steuert Prikker Fußballplätze in der Region an. Statt Badehose, Sonnenbrille und Strandmatte hat er in seinem XXL-Koffer Funkfahnen, Headset und rund 27 Schiedsrichter-Outfits dabei. „Man muss auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, beispielsweise die Trikotfarben der Teams. Manchmal haben die Assistenten kein passendes Shirt dabei. Als Gespann wollen wir ja auch einheitlich aussehen“, sagt Prikker.

Der Warsingsfehner hat in dieser Saison 2024/25 bereits 62 Spiele als Schiedsrichter geleitet. Dazu kamen zudem noch fünf Einsätze als Assistent und drei als Schiedsrichter-Pate, also als Unterstützer eines gerade neuen Schiris bei einer seiner ersten Partien. Mit somit 70 Einsätzen in dieser Saison ist Prikker sozusagen der „Rekord-Schiri“ im Fußballkreis Ostfriesland. Auf den Moormerländer folgen Holger Gerdes (Eintracht Plaggenburg) mit 57 Einsätzen und Rico Hibbeler (JFV Leer, 56). In der abgelaufenen Saison kam Kai Prikker insgesamt auf 97 Einsätze – jetzt ist er auf Kurs, die 100er Marke zu knacken. „Mir macht es einfach Spaß. Als Schiedsrichter lernst du so viele Vereine, Mannschaften und Sportplätze kennen – das ist Wahnsinn. Auch als Gespann hast du den Teamgedanken“, sagt der angehende Fachinformatiker für Systemintegration. „Das Schiedsrichtersein bringt einen auch persönlich weiter. Man lernt, Entscheidungen zu treffen und wird stressresistenter.“

Seit zwei Jahren ist Kai Prikker Schiedsrichter. Er engagiert sich in so hohem Maße, dass er vor einigen Wochen sogar schon vom Fußballkreis Ostfriesland in der Kategorie U50 geehrt wurde. Foto: Homes
Seit zwei Jahren ist Kai Prikker Schiedsrichter. Er engagiert sich in so hohem Maße, dass er vor einigen Wochen sogar schon vom Fußballkreis Ostfriesland in der Kategorie U50 geehrt wurde. Foto: Homes

Prikker läuft rund zehn Kilometer pro Spiel

Kai Prikker spielt darüber hinaus auch selber noch Fußball. „Den Fokus lege ich seit dieser Saison aber aufs Pfeifen“, betont der Defensivmann. So kam er in dieser Spielzeit für die erste Herren (A-Klasse) und zweite Herren (C-Klasse) seines Heimatklubs SV Warsingsfehn in der Hinrunde lediglich auf jeweils fünf Einsätze und ein Tor. „Jeweils Elfmeter.“ In der abgelaufenen Spielzeit war Kai Prikker mit 25 Ligaspielen noch einer der Dauerbrenner in der ersten Herren des SVW, für den er sich auch abseits des Sportplatzes engagiert. Seit 2022 arbeitet Prikker als Organisationsleiter im Gesamtvorstand des Vereins mit, kümmert sich in der Fußballsparte um die Finanzen und das Passwesen.

Seine meiste Freizeit ist Kai Prikker aber als Schiedsrichter unterwegs. Schon häufiger pfiff er sogar zwei Partien an einem Tag. „Das härteste Wochenende war eines Mitte September. Da war ich von Freitag bis Sonntag auf einem Lehrgang in Barsinghausen. Freitag gab es einen Leistungstest, Samstag Frühsport und Sonntagmorgen noch einen Berglauf. Am selben Tag habe ich dann noch für unsere erste Herren gespielt, musste nach 70 Minuten mit Krämpfen ausgewechselt werden und danach noch ein Spiel in der Kreisklasse pfeifen.“ Und Kai Prikker ist kein Schiedsrichter, der sich nur im Mittelkreis bewegt. Er spult als Schiri zwischen acht bis zehn Kilometer pro Partie ab. Seine Laufleistung misst er über eine Smartwatch – aber nicht nur das. Über eben jene trägt der 24-Jährige auch die Wechsel, die verteilten Karten und die Tore ein, was ihm schon einige verdutzte Blicke von Spielern einbrachte. „Das geht oft schneller, als einen Zettel und Stift rauszuholen.“

Moderne Technik selbst gekauft

Kai Prikker ist gerne modern unterwegs. So hat er sich von seinen angesparten Schiedsrichterspesen unter anderem Funkfahnen und Headset – zusammen für rund 2000 Euro – gekauft. „Das braucht man nicht zwingend, ist aber hilfreich. Es erleichtert die Kommunikation mit den Assistenten. Man bekommt mehr Dinge mit, vor allem auch schneller. Man kann souveräner handeln“, sagt der Fan von Borussia Mönchengladbach. Bevor er seinen Schiedsrichterschein gemacht hat, ist Kai Prikker auch vier Jahre lang Jugendtrainer in Warsingsfehn gewesen. „Ich habe die Mannschaft von der C-Jugend in die A-Jugend geführt. Dann wollte ich ein wenig flexibler sein, aber auch was mit Fußball machen. So kam ich aufs Pfeifen. Da kann ich mir auch Sperrtermine eintragen, wenn ich mal nicht kann“, sagt Prikker. Das kommt bei ihm aber nur höchst selten vor. „Bei Hochzeiten oder so.“

Mit seinem Engagement beeindruckt Kai Prikker auch die Verantwortlichen des Fußballkreises Ostfriesland. So wurde der 24-Jährige vor ein paar Wochen auf der Weihnachtsfeier der ostfriesischen Unparteiischen als Gewinner der Kategorie U50 ausgezeichnet – „für vorbildliche ehrenamtliche Leistungen im Schiedsrichterwesen“, wie auch der Urkunde steht.

Lob vom Schiedsrichter-Kreischef

Dabei hat Kai Prikker erst vor zwei Jahren seinen Schiedsrichterschein gemacht. Trotzdem darf er jetzt schon in der Herren-Bezirksliga pfeifen. „Er sorgte schon im AnwärterLehrgang für Aufsehen, indem er in der App für die Regelfragen 700 aller Schwierigkeitsgrade richtig beantwortete. Außerdem ist er in mentaler und physicher Hinsicht topfit“, sagt Martin Brandt, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses, über Kai Prikker. „Ich bin gespannt, wie weit er es trotz seines ‚späten‘ Einstiegs mit 22 Jahren noch schafft.“

Auch jetzt in der Fußball-Winterpause lässt Kai Prikker die Pfeife nicht ruhen. Sechsmal war er in diesem Winter bei Hallenturnieren im Einsatz – beispielsweise beim Aurich-Cup, bei der Emder Stadtmeisterschaft und dem Ralf-Bachmann-Cup sowie bei Jugend-Kreismeisterschaften.

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