Hamburg  Sich alleine in Unterhosen betrinken: Diese Begriffe fehlen im Deutschen

Christopher Chirvi
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Von Christopher Chirvi
| 05.02.2025 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Für einige Wörter aus anderen Sprachen findet man im Duden keine direkte Übersetzung. Foto: dpa/Jens Büttner
Für einige Wörter aus anderen Sprachen findet man im Duden keine direkte Übersetzung. Foto: dpa/Jens Büttner
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Es gibt Wörter, die kennt man nur im Deutschen – und gleichzeitig gibt es in anderen Sprachen Wörter, die im Deutschen fehlen. Hier sind ein paar Beispiele, die nur schwer direkt übersetzt werden können.

Wie nennt man es, wenn man das schöne Wetter durch das Fenster beobachtet, wenn man tanzt, als würde einen niemand beobachten oder wenn man nach dem Abendessen noch in geselliger Runde am Tisch sitzen bleibt, um sich zu unterhalten? Im Deutschen gibt es dafür oft keine konkreten Bezeichnungen – im Gegensatz zu manch anderen Sprachen. Hier kommt eine Auswahl von Worten, die im Deutschen fehlen.

Wenn man in Spanien nach dem Essen mit der Familie oder mit Freunden noch lange gemeinsam am Tisch sitzen bleibt, um sich gemütlich zu unterhalten, nennt man das „Sobremesa“. Sobre heißt so viel wie „um“ oder „über“ und „mesa“ ist das spanische Wort für Tisch. Oft gehören auch ein Dessert, eine Tasse Kaffee oder ein Glas Likör zu solch einer geselligen Runde dazu.

Sieht das Wetter durch das Fenster betrachtet zwar schön aus – ist es aber zu kalt, zu windig und insgesamt zu ungemütlich zum Rauszugehen, so nennt man das in Island „Gluggaveður“. Wörtlich übersetzt bedeutet das Wort passenderweise „Fensterwetter“.

Schon im Mittelenglischen, der Version der englischen Sprache, die etwa im die zwischen dem 12. und der Mitte des 15. Jahrhunderts gesprochen wurde, gab es das Verb „balteren“. Es bedeutete so viel wie stolpern, wanken oder humpeln. Im modernen Englisch ist das Verb „to balter“ geblieben, das jemanden beschreibt, der tanzt, als würde niemand zusehen – unbeholfen vielleicht, aber mit viel Freude.

Der japanische Begriff „Setsunai - 切ない“ beschreibt eine Mischung von Gefühlen, etwa Trauer, Melancholie, oft verbunden mit Erinnerungen an Vergangenes. Oft wird es mit Liebeskummer in Verbindung gebracht, doch der Begriff ist umfassender und wird auch als allgemeine Perspektive auf die Welt und das Leben gebraucht – die Gewissheit, dass alles vergänglich ist.

Die Dänen bezeichnen Gemütlichkeit als „Hygge“, die Schweden haben ihr „Lagom“ und in Finnland gibt es „Kälsarikännit“. Übersetzt bedeutet das Wort so etwas wie: sich allein in Unterhosen betrinken, ohne die Absicht, das Haus zu verlassen. Es leitet sich von „kalsarit“ der (langen) Unterhose und „känni“ betrunken ab. Die Finnen haben dafür sogar ein eigenes Emoji.

Viele Menschen kennen diese Situation, ein passendes deutsches Wort gibt es dafür aber nicht: Man geht durch die Stadt oder ist auf einer großen Familienfeier, begegnet einem bekannten Gesicht, kann die Person aber nicht sofort zuordnen. Diesen Moment, das kurze Zögern und Nachdenken nennen die Schotten „tartle“. Ist es offensichtlich, dass dieser Moment eingetreten ist, kann man sich direkt passend entschuldigen: „Sorry for my tartle!“

In Indonesien gibt es einen Begriff für einen schlecht erzählten Witz, über den man trotzdem lachen muss – vielleicht sogar gerade, weil er so schlecht erzählt ist: „Jayus“. Unfreiwillig komisch würde man das auf Deutsch vielleicht nennen.

Geht man in Schweden morgens in die Natur hinaus, um dem Gesang der Vögel zuzuhören – insbesondere dem Kuckuck – so nennt man das „Gökotta“. Traditionell wird dieser Spaziergang mit einem Freiluftgottesdienst an Christi Himmelfahrt verbunden.

Wenn man nach etwas sucht, dabei aber zufällig etwas ganz Anderes findet, nennt man das im Englischen „Serendipity“. Gemeint ist ein Gegenstand oder auch eine Erkenntnis. Auf Deutsch könnte man das Wort wohl mit „glücklicher Zufall“ übersetzen.

Warum? Wie? Wo? Ab einem gewissen Alter hinterfragen Kinder alles – und wollen für alles eine Antwort haben. Aber es gibt auch Erwachsene, die eine Frage nach der nächsten stellen können. In Russland gibt es dafür ein Wort: „Pochemuchka“.

Ein Wort aus der Sprache der Inuit, die im nördlichen Polargebiet leben, lautet: „Iktsuarpok“. Es beschreibt das ungeduldige Warten, das einen dazu veranlasst, immer wieder vor die Tür zu gehen, um zu sehen, ob der erwartete Besuch bereits zu sehen ist.

Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, muss man manchmal improvisieren. In Portugal ist das ein fester Bestandteil der Kultur und hat dementsprechende ein eigenes Wort: „desenrascanço“. Dazu gehört die Unterstützung aus der Nachbarschaft, ein Problem auf clevere und kreative Weise gemeinsam zu lösen.

Die Winter in Norwegen sind lang, kalt und dunkel. Umso mehr genießen die Norweger deswegen die Zeiten, in denen die Sonne scheint. Für das Bier, dass man dann draußen trinkt, gibt es auch ein passendes Wort: „Utepils“.

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