Entlassungen in Rhauderfehn  Investor spricht über Kündigungen und die Opti-Zukunft

Marion Janßen
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Von Marion Janßen
| 05.02.2025 12:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kampf um Standort und Arbeitsplätze: Nach zähen Verhandlungen erhielten 22 Opti-Mitarbeiter trotzdem die Kündigung und keine Abfindung. Foto: Archiv
Kampf um Standort und Arbeitsplätze: Nach zähen Verhandlungen erhielten 22 Opti-Mitarbeiter trotzdem die Kündigung und keine Abfindung. Foto: Archiv
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Der Personalabbau „ist bedauerlich und tut weh“, so der Ceo von Opti Germany. Wir sprachen mit ihm und der Arbeitnehmervertretung über Themen wie Sozialplan und Investitionen.

Rhauderfehn - Bei Opti in Rhauderfehn haben vergangene Woche 22 Mitarbeiter die Kündigung erhalten. Betriebsrat und Gewerkschaft übten harsche Kritik. Dr. Markus Thoennes, Opti-CEO und Director des Finanzinvestors Aequita, verteidigt den Personalabbau. Der „ist bedauerlich und tut weh“, sei „aber für die Zukunft des Standortes Opti Rhauderfehn erforderlich“.

Dem Rauswurf der Leute, die teils seit Jahrzehnten im Unternehmen arbeiten, gingen zähe Verhandlungen voraus. Am 24. und 27. Januar 2025 hatte es sogar einen Runden Tisch mit Wirtschaftsminister Olaf Lies gegeben.

Zum Ministergespräch

„Die vertraulichen Gespräche mit dem Wirtschaftsminister waren konstruktiv. Es wurden verschiedene Lösungsansätze diskutiert“, betont Thoennes. „Ich bin sehr dankbar, dass sich der Wirtschaftsminister so viel Zeit für Opti nimmt und mit uns nach Lösungen gesucht hat.“ Auf Basis „konkreter Unterstützungsangebote des Ministers sind Maßnahmen bereits in Prüfung“. Dabei gehe es beispielsweise um Zusammenarbeiten mit Hochschulen und energetische Maßnahmen am Standort Rhauderfehn.

Dass der Minister Hilfe in Aussicht gestellt hatte, bestätigt Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg. Aber: „Olaf Lies hat deutlich gemacht, dass eine Voraussetzung für die Landeshilfe ist, dass Aequita Zusagen zur Perspektiven gibt.“ Also: Standortsicherheit und Beschäftigungsgarantien. „Das war aber nicht der Fall“, so Gelder. „Dass Olaf Lies als Arbeitsminister das verknüpft, ist für mich nachvollziehbar.“

Zur „Einigung“

In der Schlichtungsrunde am vergangenen Mittwoch, 29. Januar 2025, ging es um den Sozialplan. „Die Einigungsstelle wurde am Mittwoch mit einer erzielten Einigung geschlossen“, betont Aequita-Director Markus Thoennes. „Der Gesellschafter trägt die Möglichkeit einer finanziellen Kompensation. Die ist nah am Sozialplan von 2024.“ Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte er: „Zu Details gibt es keine Aussage der Geschäftsführung. Es handelt sich um vertrauliche Betriebsinterna.“

Eine „Einigung“ habe es nicht gegeben, betont Thomas Gelder: „Das ist eine Lüge“. Die Gewerkschaft habe an ihren Forderungen, unter anderem zu Abfindungen, festgehalten. Der Vorsitzende der Einigungsstelle habe in einer zweiten Abstimmung für die Arbeitgeber votiert. Der Arbeitgeber habe zu guter Letzt angeboten, denen, die eine Klageunterlassungsvereinbarung unterzeichnen, eine Prämie zu bezahlen. „Das ist kein Sozialplan“. Gelder weiter: „Aequita hat nach wir vor ein Ziel: Die Leute unter Druck setzen, um rechtliche Wege zu umgehen. Das war Ziel der Übung.“

Zur Zukunft und zu Investitionen

Es gelte nun, „gemeinsam an der Zukunft in Rhauderfehn zu arbeiten. Mit unseren Kunden, mit neuen Produkten und mit einem leistungsfähigen Standort“, sagt Markus Thoennes. Auf Nachfrage, welche Investitionen in den vergangenen zwei Jahren getätigt worden seien, sagt er: „Seit der Übernahme wurde umfangreich in den Standort investiert, unter anderem in Maschinen und Digitalisierung. Weitere Investitionen werden geprüft. Zum Beispiel bezüglich energetischer Maßnahmen und Anlagen.“

Die Belegschaft und Gewerkschafter hingegen beklagten unter anderem bei einer Demo den Investitionsstau bei Opti Rhauderfehn.

Zum Betriebsfrieden

Nachdem die Belegschaft vergangene Woche informiert worden war, sagte der Betriebsrat: „Die Stimmung bei den Beschäftigten ist im Keller. Die Motivation auch.“

Aequita-Director Markus Thoennes betont: Der Geschäftsführung „ist nach den intensiven und emotionalen Verhandlungen“ vor allem der Betriebsfrieden wichtig. Dazu gehöre eine konstruktive Zusammenarbeit von Betriebsrat und Geschäftsführung. Die gelte es nach der „erzielten Einigung wiederherzustellen“.

Als der Münchner Kapitalgeber Aequita Opti in Rhauderfehn 2023 übernahm, arbeiteten dort fast 160 Menschen. Nach den aktuellen Kündigungen sind es weniger als 100.

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