Osnabrück  Neue deutsche Netflix-Serie "Cassandra" mit Lavinia Wilson überzeugt mit SciFi, Horror und Retro

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 06.02.2025 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In der neuen Netflix-Serie „Cassandra“ spielt Lavinia Wilson einen Haushalts-Roboter. Alle 6 Folgen ab 6. Februar bei Netflix. Foto: Netflix
In der neuen Netflix-Serie „Cassandra“ spielt Lavinia Wilson einen Haushalts-Roboter. Alle 6 Folgen ab 6. Februar bei Netflix. Foto: Netflix
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In der neuen deutschen Netflix-Serie „Cassandra“ verbreitet Lavinia Wilson als Retro-Haushaltsroboter in einem Smart-Home Angst und Schrecken. Was die Serie sonst noch zu bieten hat – und warum sie lohnt.

Raus aus Hamburg, ab ins Grüne! Nach einem traumatisierenden Erlebnis in der alten Wohnung, das vor allen Dingen Töchterchen Juno (Mary Tölle) böse Albträume beschert, braucht die vierköpfige Familie um Mutter Samira (Mina Tander) und Vater David (Michael Klammer) dringend eine neue Bleibe. Das Glück, so scheint es, ist der Familie hold. Das in den 1970er Jahren erbaute neue Heim entpuppt sich nicht nur als luxuriöse Villa mit Swimmingpool und Fahrstuhl. Es erweist sich auch als das erste errichtete Smart-Home Deutschlands, elektronische Roboter-Haushaltshilfe inklusive.

Die heißt Cassandra (Lavinia Wilson), steht verstaubt in der Ecke rum und macht zunächst nicht den Eindruck, nach all den Jahren noch einmal zum künstlichen Leben erweckt werden zu können. Aber Sohn Fynn (Joshua Kantara) gelingt es zu seiner eigenen Überraschung, dem alten System neues Leben einzuhauchen.

Auf den ersten Blick entpuppt sich die neue alte Haushaltshilfe als kleiner Glücksgriff. Sie ist nicht nur dank überall eingebauter Bildschirm- und Überwachungselektronik allgegenwärtig, sondern kann offenbar auch ganz gut mit den Kindern umgehen. Insbesondere die kleine Juno fasst schnell Vertrauen zu Cassandra. Nur Samira traut dem elektronischen Helferlein nicht über den Weg.

Als sie alte Familienfotos mit einer Frau findet, deren Gesicht dem der Cassandra auf den Bildschirmen verblüffend ähnlich sieht, beginnt Samira zu recherchieren. Dabei kommt sie jener Familie auf die Spur, die in den 1970er Jahren in dem Smart-Home lebte und auf rätselhafte Weise ums Leben kam. Samira versucht eindringlich, ihre Familie vor Cassandra zu warnen. Aber ihre Warnungen verhallen wie Kassandrarufe im Nichts.

Regisseur und Autor Benjamin Gutsche bewirbt seine sechsteilige Netflix-Serie „Cassandra“ als eine Mischung aus „Thriller mit Retro-SciFi-Horror- und Märchen Elementen“. Dabei überzeugt vor allen Dingen die Optik. Retro-Science Fiction, der Blick von unserer Gegenwart auf die Vergangenheit und wie man sich da die Zukunft vorgestellt haben könnte, das hat was. Insbesondere mit dem Roboter versprüht die Serie einen naiven Charme, der den einstigen Vorstellungen zukünftiger Roboter sehr nahe kommt.

Zu diesem Zweck wurde für die Serie tief in die Trickkiste gegriffen und ein Roboter kreiert, der mit 1,62 Meter exakt so groß ist wie Schauspielerin Wilson. Ihr Konterfei wurde während der Dreharbeiten live auf den Bildschirm des Roboters übertragen. Dadurch konnte Wilson als Roboterdame während der Dreharbeiten aus einem abgetrennten Raum heraus live mit den anderen Darstellern interagieren. Für die Steuerung der im Film intelligenten Maschine waren in Wirklichkeit dann aber doch noch fünf echte Menschen notwendig.

Auch inhaltlich und dramaturgisch hat sich „Cassandra“-Erfinder Gutsche kaum Grenzen gesetzt. Zahlreiche Elemente aus Genres und Subgenres vom Krimi und Thriller über die SF bis zum Spukhaus kommen hier zum Tragen. Dabei schlägt die Phantasie mitunter Purzelbäume, insbesondere, was die technischen Möglichkeiten der 1970er Jahre betrifft.

Letztendlich geht es um den Kampf Mensch gegen Maschine, ein ewiger Klassiker des SF-Genres. Schon Buster Keaton hatte 1922 im Stummfilm „Das vollelektrische Haus“ mit den Tücken der Technik zu kämpfen. Und im ARD-Thriller „Das Haus“ (2021) nach einer Kurzgeschichte von Dirk Kurbjuweit wendet sich ein Smart-Home komplett gegen seine Bewohner.

„Cassandra“ überzeugt nicht nur als spannender SF-Thriller, der streckenweise an die düstere Anthologie „Black Mirror“ (ebenfalls Netflix) erinnert. In einem Nebenhandlungsstrang geht es auch noch um eine Coming-of-Age und Coming-Out-Geschichte, die dank des Wechsels zwischen verschiedenen Zeitebenen interessante Perspektivenwechsel ermöglicht. Die Serie, die am 23. Januar auf dem Münchener Fantasy Filmfest „White Nights” ihre Weltpremiere feierte, ist ab dem 6. Februar bei Netflix zu sehen.

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