Fünf Nachfolger für Ewald Nächste Generation übernimmt Wiesmoorer Kult-Flohmarkt
Seit 2010 wächst der Flohmarkt am Jannburger Weg in Wiesmoor. Deshalb übernimmt in diesem Jahr erstmals ein ganzes Führungsteam. Was die Trödelfreunde jetzt erwartet.
Wiesmoor - Ewald Hagedorn hat schon bildlich vor Augen, wie er den 10. August in diesem Jahr verbringen wird. Wie er an diesem Sonntag auf einem roten Sofa vor seiner Haustür in Wiesmoor sitzt und dort nach 15 Jahren als Organisator des Flohmarkts am Jannburger Weg zum ersten Mal an einem Stand mit den Trödelfreunden feilscht. „Dazu kommst du nicht, wenn du einen Flohmarkt selbst organisierst“, sagt Hagedorn. Doch dieses Jahr soll die Premiere endlich klappen.
Warum? Ewald Hagedorn gibt die Leitung der Flohmarktorganisation ab. „Ich bin schon seit zwei Jahren dabei, die Nachfolge zu regeln“, so der 72-Jährige. Er werde schließlich nicht jünger, sagt er und zwinkert. Ein weiterer Grund sei die Dimension, die diese Veranstaltung inzwischen angenommen hat. Was mit 70 Ständen als Nachbarschaftsflohmarkt im Jahr 2010 begann, hat inzwischen Kultstatus. Nach der Corona-Pause knackte die Veranstaltung 2024 das zweite Mal in Folge die 10.000-Besucher-Marke und hatte rund 250 Stände an Bord. Das ist zu viel für eine Ein-Mann-Show.
Fünf Nachfolger teilen sich die Flohmarkt-Organisation
Deshalb hat Ewald Hagedorn nicht nur einen Nachfolger, sondern fünf. Die treffen sich an diesem Tag in seiner Küche, um davon zu erzählen, wie es weitergeht. „Alte Plätze?“, fragt Harald Schmidt und schlängelt sich zielsicher am Küchentisch vorbei bis zur Sitzbank. Christian Behrends, Uwe Jüttner, Robert Winter und Rainer Kuhlmann folgen ihm. Man kennt sich, schließlich sind sie alle nicht das erste Mal hier. Im Flohmarkt-Team haben sie auch vorher schon mitgeholfen.
Neu ist, dass sie jetzt auch die Verantwortung dafür tragen, was auf dem einen Kilometer langen Straßenflohmarkt passiert. Es gibt viel zu planen – von der Rettungsgasse über Parkplätze, Genehmigungen, Toiletten, Versicherungen, Verpflegung bis zu den Standplätzen. Je mehr Gäste und Stände, desto mehr Verantwortung und Planung. „Ewald unterstützt uns natürlich weiter“, sagt Rainer Kuhlmann. Der Flohmarkt war schließlich schon immer Teamwork und die ganze Nachbarschaft macht mit.
Die Nachbarschaft arbeitet zusammen
Die sei hier etwas ganz Besonderes, sagt Uwe Jüttner – so etwas habe er vorher noch nicht erlebt. In dieser dunklen Straße am Rande Wiesmoors zwischen Hauptstraße und Industriegebiet Am Dobben weiß man, wie man sich das Leben in der Gemeinschaft schöner macht. Denn die Nachbarschaft organisiert nicht nur den Flohmarkt, sondern auch das Lichterfest samt Bäumen und Weihnachtsbeleuchtung im Advent. Neuerdings gibt es eine gemeinschaftliche Osterdekoration. Auch darum kümmern sich ab sofort die Nachfolger.
Doch der Flohmarkt macht die meiste Arbeit. Viel ändern soll sich an seinem Konzept nicht. „Wir werden weiterhin nur private Verkäufer zulassen“, sagt Robert Winter. Gewerbliche Verkäufer sind nicht erlaubt – wer sich reinschummelt, muss seine Sachen packen. Ein paar kleine Änderungen gibt es jedoch in anderen Bereichen. Winter: „Überall dort, wo sie für unsere Gäste das Leben leichter machen.“ Dazu gehören zum Beispiel ein gesonderter Fahrradparkplatz und ein Behindertenparkplatz am Autohaus Hiro ganz in der Nähe des Flohmarkts. „Mehr Toiletten sind auch geplant – darunter auch eine für Rollstuhlfahrer.“
Ein paar Änderungen wird es geben
Auch die Vergabe der Flächen und die Spenden pro Stellplatz sollen anders geregelt werden, nachdem im vergangenen Jahr Unbekannte an einigen Ständen unerlaubt Standgebühr kassiert hatten. Wer jetzt einen bestimmten Verkaufsplatz haben möchte, klärt das entweder direkt mit den Anwohnern im Vorfeld, damit sie Flächen abstecken können. „Wir wollen unseren Verkaufsständen aber auch anbieten, schon am Samstag zwischen 12 und 18 Uhr selbst einen Platz abzustecken“, sagt Winter. Wer das nicht tut, muss am Sonntag die Plätze nehmen, die übrig sind. Ein Durcheinander wie im vergangenen Jahr will man 2025 vermeiden: „Die Verkäufer haben sich beinahe um die Plätze gestritten.“
„Früher haben wir noch Werbung gemacht, Flyer gedruckt und überall verteilt“, erinnert sich Hagedorn. Inzwischen sei der Flohmarkt ein Selbstläufer geworden. Ohne Öffentlichkeitsarbeit wird der Markt aber auch zukünftig nicht auskommen –doch auch die geht andere Wege. „Der Flohmarkt bekommt ein eigenes Logo sowie eine Facebook- und Instagram-Seite“, sagt Christian Behrends. Schon vorab sollen die Trödel-Fans dort die wichtigsten Informationen finden.
Das Flohmarkt-Café wird bleiben
Dann verabschiedet sich das neue Planerteam. Die fünf haben einen Tisch reserviert und wollen noch einmal alles durchgehen. Ewald Hagedorn bleibt etwas wehmütig zurück. Aber auch er hat zu tun, denn bei ihm laufen schon die Vorbereitungen für den ersten eigenen Flohmarktstand. Er sammelt bereits Dinge, die er dort anbieten kann, um Trödel-Fans nach Wiesederfehn zu locken. Eine Bekannte habe ihm zum Beispiel eine Sammlung Suppenterrinen angeboten – und Ewald Hagedorn ist weiter auf der Suche.
Seine Frau Helga steht ebenfalls vor einer Herausforderung. Auch in diesem Jahr gibt es im Vorgarten der Hagedorns an der Hausnummer 18 das Flohmarkt-Café unter ihrer Leitung. Dort habe sie in den vergangenen 15 Jahren immer so viel zu tun gehabt, dass sie nie aus dem eigenen Vorgarten herausgekommen sei. „Ich bin in all den Jahren nicht einmal über unseren Flohmarkt gegangen“, sagt sie und lacht. Wenn Ewald Hagedorn in diesem Jahr das rote Sofa und seinen eigenen Stand bekommt, schafft es Helga Hagedorn vielleicht auch einmal für eine kurze Schnäppchenjagd auf den Flohmarkt vor ihrer Haustür.