Luftqualität schlecht Woher kommt der viele Feinstaub in Ostfrieslands Luft?
Seit Wochen belastet Feinstaub die Luft in Ostfriesland und anderen Regionen Deutschlands. Woran liegt das und was bedeutet das für einen Luftkurort wie Wiesmoor?
Wiesmoor - „Schränken Sie Aktivitäten im Freien ein“, heißt es auf der Webseite „Accuweather“, wenn man nach den Luftwerten für Wiesmoor sucht. Die Bewertung lautet: „Ungesund“. In Wiesmoor wurden am 10. Februar 2025 laut der Webseite 101 LQI (Kurzzeit-Luftqualitätsindex) gemessen. Der LQI misst den Grad der Luftverschmutzung mit verschiedenen Luftschadstoffen, zu denen auch die Feinstaubbelastung gehört.
Sven Lübbers (parteilos), Bürgermeister der Stadt Wiesmoor, die zugleich Luftkurort ist, machen die schlechten Werte keine Sorgen. „Das ist ein ostfrieslandweites Problem“, sagt er. „Wir haben ja keinen Schutzschirm um uns herum.“ Außerdem ist er sicher, dass die Luft bald wieder klarer wird, wie er sagt.
Viele Regionen von schlechter Luft betroffen
Mit der schlechten Bewertung der Luftqualität ist Wiesmoor tatsächlich nicht allein. „Luftqualität: schlecht“, heißt es auf der Webseite des Umweltbundesamtes zu den aktuellen Luftdaten in Ostfriesland und anderen Regionen Deutschlands. „Bei empfindlichen Menschen können nachteilige gesundheitliche Wirkungen auftreten. Diese sollten körperlich anstrengende Tätigkeiten im Freien vermeiden. In Kombination mit weiteren Luftschadstoffen können auch weniger empfindliche Menschen auf die Luftbelastung reagieren“, lautet die Empfehlung. Die Warnungen beziehen sich besonders auf Kleinkinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen.
Auch ein Blick auf die Wetter-App im Handy am 10. Februar 2025 irritiert: Die komplette Region ist rot markiert. 28 Mikrogramm Feinstaubbelastung pro Kubikmeter misst das Umweltbundesamt in der Messstation Emden – ab 26 Mikrogramm gilt die Luftqualität als schlecht.
Woher kommt die Verschmutzung?
Von der hohen Feinstaubbelastung der Luft ist Deutschland schon seit Wochen betroffen. Verantwortlich dafür ist laut Experten das ungewöhnliche Wetter.
Ende Dezember 2024 berichtete der Deutsche Wetterdienst von einer sogenannten Inversionswetterlage. Das heißt, die Temperaturen in den Luftschichten kehren sich sozusagen um, die Luft in Bodennähe ist kälter als in den darüberliegenden Schichten.
„Das ist häufiger im Winter der Fall“, weiß der Wetterspezialist Steffen Lüpkes aus Osteel. „Unten ist es eher neblig, trüb und grau, oben ist es klar“, sagt er. „Es findet kein Luftaustausch statt, die Luftschicht ist wie eine Sperre.“
Zu wenig Wind und kaum Niederschläge
Feinstaub, das sind winzige, nicht sichtbare Teilchen in der Luft, die nicht sofort zu Boden sinken, sondern zunächst in der Atmosphäre verweilen, wie das Umweltbundeamt erläutert. Die Partikel können auf natürlichem Weg in die Luft gelangen, aber auch durch Bauarbeiten, Abgase, Straßen- und Reifenabrieb oder das Heizen entstehen Schadstoffe.
In der Regel wird der Feinstaub nach oben hin abgeleitet, „vom Winde verweht“ oder durch Niederschläge aus der Luft „gewaschen“. „Wir haben aber wenig Wind gehabt“, so Lüpkes. „So gibt es somit auch keinen vertikalen Austausch.“ Außerdem habe es im gesamten Bundesgebiet im Februar kaum geregnet. Da kaum ein Abtransport der Teilchen stattfindet, belastet nun ungewöhnlich viel Feinstaub die Luft.
Wetterlage ändert sich
Doch Steffen Lübkes hat bereits erste Veränderungen beobachtet. „Die Werte sind heute schon besser geworden“, sagt er am 10. Februar gegenüber der Redaktion. „Es wird etwas windiger.“ Zudem könne es bald Schnee geben. Auch Sven Lübbers ist zuversichtlich, dass die schlechte Luft bald abzieht. „Wenn ich jetzt aus dem Fenster sehe, ist da schon ein wenig Wind“, sagt er.