Hamburg  Das Kind will zum Reiten? Darauf sollten Eltern achten

Marie Busse, Ankea Janßen
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Von Marie Busse, Ankea Janßen
| 11.02.2025 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Unsere Recherchen werfen ein Schlaglicht auf Missbrauchsfälle im Reitsport. Eine Sportsoziologin erklärt, worauf Eltern achten sollten. Foto: imago images/Ralf Rottmann/Funke Foto Services
Unsere Recherchen werfen ein Schlaglicht auf Missbrauchsfälle im Reitsport. Eine Sportsoziologin erklärt, worauf Eltern achten sollten. Foto: imago images/Ralf Rottmann/Funke Foto Services
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Viele Kinder lieben Pferde und wollen reiten. Leider kommt es auf Reiterhöfen immer wieder zu Missbrauchsfällen, wie Recherchen unserer Redaktion zeigen. Worauf Eltern achten sollten, bevor sie ihr Kind auf den Ponyhof schicken.

Das Interesse am Pferdesport ist groß. Auch bei Kindern und Jugendlichen. Wie in allen Sportarten gibt es aber auch beim Reiten das Risiko, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden.

Recherchen unserer Redaktion haben gezeigt, dass die Liebe zum Pferd immer wieder von Tätern ausgenutzt wird. Ein Ungleichgewicht im Geschlechterverhältnis, Machtgefälle und Abhängigkeiten sind weitere Risikofaktoren, die Sportsoziologin Bettina Rulofs im Gespräch mit unserer Redaktion genannt hat.

An der Sporthochschule Köln beschäftigt sie sich seit über 20 Jahren mit sexualisierter Gewalt im Sport und hat Deutschlands größte Studie zu dem Thema geleitet.

Positiv bewertet sie, dass sich besonders bei den Dachverbänden im Sport viel beim Wissensstand und der Kenntnis von Präventionsmaßnahmen getan hat. „Aber bis das Thema wirklich in den kleinsten Untergliederungen ankommt und bei jeder einzelnen Personen, die Funktionen im Sport bekleidet, wird es noch dauern“, sagt sie. „Wir haben einen Kulturwandel vor uns.“

Für Eltern, die Kinder beim Reiten oder einer anderen Sportart anmelden möchte, hat die Expertin diese drei konkreten Tipps:

Das Dunkelfeld bei Betroffenen sexualisierter Gewalt ist hoch. „Häufig wird über den Missbrauch gar nicht gesprochen“, weiß Rulofs. Daher sei es so wichtig, Kindern beizubringen, ihre Grenzen zu kommunizieren und sich jederzeit ihren Freunden und ihrer Familie anvertrauen zu können. „Kinder und Jugendliche müssen so aufwachsen und gebildet werden, dass sie sich einander Probleme anvertrauen können und sich gegenseitig Mut machen und helfen.“ Denn die Hürde, sich allein an offizielle Stellen zu wenden, sei nach wie vor groß.

Rulofs sagt ganz klar: „Vereine dürfen das Thema ‚Sexualisierte Gewalt im Sport‘ nicht tabuisieren.“ Bereits nach außen – beispielsweise auf der Webseite – muss laut der Expertin sichtbar sein, dass man sich mit der Thematik befasst und sie ernst nimmt. „Es muss simple Regeln dafür geben, dass sexistische Sprüche oder abwertende Kommentare nicht geduldet werden.“

„Eltern sollten aktiv nachfragen, was vor Ort für den Schutz der Kinder getan wird und welche Regeln es für einen sorgsamen Umgang miteinander gibt“, sagt Rulofs. „Wenn es darauf keine guten Antworten gibt, die Frage nicht ernst genommen oder bagatellisiert wird, dürfen Eltern skeptisch werden.“

Rulofs hebt hervor, dass Sportvereine in Deutschland neben der Schule der Ort sind, an dem sich die meisten Kinder und Jugendlichen aufhalten. „Sie müssen ihnen einen sicheren Ort bieten.“

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