Berlin Scholz‘ Hofnarr-Ausraster: Kein Rassismus, aber einfach unmöglich
Oh Mann, Olaf Scholz! Ausgerechnet der selbsternannte Respektkanzler, der Friedrich Merz gern als impulsiv und charakterlos abkanzelt, leistet sich einen krassen Ausraster. Auch die allerletzte Chance auf die Verteidigung des Kanzleramts dürfte nun dahin sein.
Ja, es war eine private Feier. Und ja, Scholz steht kurz vor der Bundestagswahl massiv unter Druck – und ist auch nur ein Mensch. Aber wer einen schwarzen CDU-Politiker im Streitgespräch als Hofnarren bezeichnet und damit herabwürdigt und verletzt, und sich nicht sofort dafür entschuldigt, der offenbart echte Charakterschwäche.
Dabei geht es nicht in erster Linie um den Rassismus-Vorwurf. Scholz sagt, er habe den Bundestagsabgeordneten und Berliner Kultursenator Joe Chialo als Hofnarren bezeichnet, weil dieser als einer von ganz wenigen CDU-Leuten Merz‘ Asyl-Abstimmung mit der AfD kritisiert habe.
Scholz will den Begriff im Sinne Victor Hugos verwendet haben: Der Hofnarr als frecher und kluger Kommentator, der seinen Herren vorführt, aber eben auch als Feigenblatt, weil der Hofnarr mit seiner Kritik nur eine Rolle spielt. Heute würde man vielleicht sagen: ein Pseudo-Kritiker. Aber den Begriff hat Scholz nicht benutzt.
Wer ihm Rassismus vorwirft, der unterstellt, Scholz habe Chialo als Hofnarren bezeichnete, weil dieser schwarz ist. Das passt nun wirklich gar nicht zum Kanzler. Und es ist nachvollziehbar, dass er sich mit einem Anwalt dagegen wehrt.
Viel helfen dürfte es nicht mehr. Die Rassismuskeule wird längst überall geschwungen, allen voran von der CDU. Auch fast alle Medien übernahmen die Deutung erst einmal. Tatsächlich brachte der falsche Vorwurf die Empörungswelle – zehn Tage nach dem Vorfall übrigens – ja erst in Gang.
Das ist schäbig, und die Motive des Magazins, das aus dem eigentlich geschützten Raum berichtete – der Gastgeber hatte mehrfach um Vertraulichkeit gebeten – dürfen hinterfragt werden. War es ein gezielter Versuch, Scholz zu schaden? Aber so sind die Reflexe im Wahlkampf.
Vielleicht kann sich Scholz noch von dem Eindruck befreien, er habe Chialo wegen dessen Hautfarbe verunglimpft. Aber sein wichtigster Trumpf gegen den angeblich so nervösen Merz war ja immer die Betonung der eigenen Besonnenheit, Nervenstärke und des gefestigten Charakters. Den Trumpf hat Scholz aus der Hand gegeben. Denn jetzt steht er selbst als jemand da, der die Kontrolle über sich und das Gespür für sein Gegenüber verloren hat. Seine Chance, jetzt noch die Wahl zu gewinnen, dürfte damit gegen null tendieren.