Berlin/Hamburg Sorge vor Einflussnahme? So finden Sie heraus, wer an Ihre Partei gespendet hat
Großspenden im Visier: Millionenbeträge fließen an Parteien, die Mehrheit der Bürger sorgt sich vor Einflussnahme. Wer genau wen mit Geld unterstützt, lässt sich nachverfolgen.
Zahlreiche Großspenden seit dem Aus der Ampelregierung sorgen für Skepsis. Wie aus einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des Portals „abgeordnetenwatch.de“ hervorgeht, befürchten 91 Prozent der Befragten einen Einfluss auf politische Entscheidungen durch die hohen Zuwendungen an die Parteien.
Der Anteil derer, die den Großspenden kritisch gegenüber steht, ist seit einer Befragung im Mai 2024 nochmal um fünf Prozentpunkte gestiegen, wie „abgeordnetenwatch.de“ in einer Mitteilung angibt. Seitdem sind demzufolge mehr als 23 Millionen Euro an Großspenden an die Parteien geflossen.
Wie aus einer Auswertung des Portals „Statista“ hervorgeht, hat allein die CDU im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 bislang 60 Großspenden mit einem Gesamtwert von rund 6,3 Millionen Euro beim Deutschen Bundestag angezeigt.
Die AfD liegt aktuell bei den Großspenden mit 4,8 Millionen Euro auf Rang zwei. Und das, obwohl die Partei davon bislang nur drei erhalten hat.
Die seit Wochen in den Umfragen überwiegend unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde herumdümpelnde FDP verzeichnet 42 Geldgeber, die zusammengenommen 4,6 Millionen Euro in die Wahlkampfkasse spülen.
Mit deutlich weniger müssen sich die Grünen zufriedengeben. Das Spendenaufkommen der Partei beträgt 1,3 Millionen Euro. Noch weiter darunter liegt die SPD. Bei den Sozialdemokraten befinden sich lediglich 1,1 Millionen Euro im Spendentopf. Sogar die CSU, die nur in Bayern zur Wahl steht, hat mit rund 1,5 Millionen Euro höhere Einnahmen.
Laut Forsa-Umfrage halten 61 Prozent der Befragten die aktuellen Regelungen beim Umgang mit Parteispenden für unzureichend und sprechen sich für eine gesetzliche Obergrenze aus. Besonders hoch ist die Zustimmung bei Frauen (66 Prozent). Während in 19 EU-Staaten Obergrenzen für Parteispenden gelten, sind diese in Deutschland weiterhin unbegrenzt möglich.
Während die Grünen und Die Linke eine Begrenzung von Parteispenden fordern, lehnen andere Parteien strengere Regeln weitgehend ab. Dabei spricht sich auch eine Mehrheit der Anhänger von SPD, CDU und dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) für eine Begrenzung aus. „Diesen Wunsch müssen die Parteien ernst nehmen und handeln“, fordert Sarah Schönewolf, Sprecherin von „abgeordnetenwatch.de.“
Parteien in Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, jährlich einen Rechenschaftsbericht beim Deutschen Bundestag einzureichen. Spenden über 10.000 Euro müssen darin mit Namen der Spender offengelegt werden. Diese Berichte sind für die Öffentlichkeit auf der Website des Bundestags einsehbar.
Für Großspenden ab 35.000 Euro gelten noch strengere Transparenzregeln: Die Parteien müssen sie umgehend der Bundestagspräsidentin melden, die diese Angaben dann zeitnah veröffentlicht. Im vergangenen Jahr ging die mit Abstand größte Einzelspende von 4,09 Millionen Euro an das BSW.
Die entsprechenden Informationen sind auf der Webseite des Bundestags abrufbar.
Unabhängige Organisationen wie abgeordnetenwatch.de oder LobbyControl analysieren regelmäßig Parteispenden und bieten eigene Recherchemöglichkeiten an.