Warschau Grönland will nicht zu den USA gehören – doch jetzt gibt es auch Ärger mit Dänemark
US-Präsident Donald Trump bekräftigt seine Pläne, Grönland den USA einzuverleiben, Dänemark hält dagegen. Doch nun sorgt eine Dokumentation über Dänemarks Rohstoff-Abbau auf der Insel für Ärger – Grönlands Regierungschef spricht von einer Schande.
Mute B. Egede, Grönlands Regierungschef, der gern im traditionellen Kapuzenpulli auftritt, ist wütend auf den ehemaligen Kolonialherren Dänemark. „Eine Schande“ sei es, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen „Danske Radio“ (DR) den Dokumentarfilm „Grönlands weißes Gold“ aus dem Programm genommen habe.
Der Film handelt vom Abbau des Minerals Kyrolith im Süden Grönlands durch den dänischen Staat, in der Zeit von 1854 bis 1987 sei ein Umsatz von 400 Milliarden Kronen (umgerechnet 50 Milliarden Euro) nach heutigen Wert erzielt worden. Diese Zahl wurde nach Ausstrahlung am 8. Februar von einigen Ökonomen infrage gestellt, sie sei viel zu hoch. Die Leitung des Fernsehens entschied sich darum, nicht nur den Film zu kippen, sondern feuerte auch Nachrichtenchef Thomas Falbe fristlos.
„Grönlands weißes Gold“ wurde zwar seit Jahren vorbereitet, wirkt jedoch als ein aktuelles Politikum: US-Präsident Donald Trump fordert die Insel von Dänemarks Regierung, welche die Außen- und Sicherheitspolitik bestimmt. Gleichzeitig läuft derzeit der grönländische Wahlkampf, nach dem Wahltermin am 11. März soll ein Referendum über die Unabhängigkeit gehalten werden.
Der Film zeige, „dass Dänemark stark davon profitiert hat, auf unsere Kosten“ so Egede, der die Unabhängigkeit der 57.000 Grönländer anstrebt. Wie 85 Prozent seiner Landsleute will der Politiker zwar kein Amerikaner werden, doch setzt er auf amerikanische Investitionen. Schließlich birgt die arktische Insel viele Bodenschätze, gleichzeitig gilt das über zwei Millionen Quadratkilometer große Gebiet als strategisch bedeutend. Donald Trump hat am Mittwoch erneut die Ansprüche der USA unterstrichen, die Insel sei „für die nationale und internationale Sicherheit notwendig“. Der Republikaner wirft Dänemark vor, nicht genug für die Verteidigung der Insel zu tun.
Unter diesem Druck versucht die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen zu retten, was zu retten ist. Umgerechnet 6,7 Milliarden Euro sollen in einen „Beschleunigungsfonds“ eingezahlt und im kommenden Jahr für Rüstungsgüter ausgegeben werden. Es ist eine Reaktion auf Trumps Ukraine-Politik, bei welcher er von Gebietsabtretungen an Russland spricht, es gilt jedoch auch als Signal, dass Dänemark als wichtiger militärischer Partner in der NATO zu sehen ist.
Gleichzeitig wirbt die Regierung in Kopenhagen darum, dass Grönland in der „Reichsfolgsgemeinschaft“ bleibt, wie die Verbindung von Grönland und den Färöer-Inseln mit Dänemark amtlich heißt. So offeriert Dänemark mehr Hilfen für das angeschlagene Gesundheitssystem auf der Insel. Ärgerlich für die Führung in Kopenhagen, dass nun ausgerechnet eine Grönland-Dokumentation des öffentlich-rechtlichen Senders zum Störfeuer der Charme-Offensive geriet.
Kulturminister Jakob Engel-Schmidt hatte darum Anfang dieser Woche bei der Sendeleitung „Konsequenzen“ gefordert. Sandy French, die Nachrichtendirektorin, begründet die Entlassung auch damit, dass zwei Interviewten, darunter der grönländische Regierungschef, Diagramme gezeigt worden waren, welche sich als fehlerhaft herausgestellt haben. Auf der Insel wird dies als weiteren Akt dänischer Einmischung gesehen.