Den Haag  Kurswechsel in den Niederlanden: Neue Erdgas-Bohrungen in der Nordsee

Helmut Hetzel
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Von Helmut Hetzel
| 24.02.2025 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die größten Erdgasproduzenten sind die USA, Russland, Iran, Kanada und Katar. Foto: dpa
Die größten Erdgasproduzenten sind die USA, Russland, Iran, Kanada und Katar. Foto: dpa
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Inmitten der Energiewende setzt die Haager Regierung auf Eigenförderung von Gas. Ein Schachzug, der die Abhängigkeit von teurem LNG reduzieren soll. Wie will die Niederlande das schaffen?

Das fossile Energiezeitalter ist in den Niederlanden noch keineswegs zu Ende. Zwar wurde eines der größten Erdgasfelder Europas in der nordniederländischen Provinz Groningen im Oktober 2023 geschlossen – weil die Gasförderung dort Erdbeben auslöste. Doch nun soll die Gasförderung im niederländischen Teil der Nordsee weiter gehen und intensiviert werden.

Denn das niederländische Unternehmen Petrogas darf in der Nordsee ab sofort nach Gas bohren. Die rechtskonservative Haager Regierung – unter Führung des parteilosen Premierministers Dick Schoof – hat dafür die Genehmigung erteilt. Das Gas soll in der nordniederländischen Hafenstadt in Den Helder an Land kommen und kann dann von dort aus über das bestehende Pipelinesystem weiterverteilt werden. Das niederländische Pipelinesystem für Erdgas ist auch mit Deutschland verbunden.

Petrogas hat die endgültige Genehmigung für die Förderung in unmittelbarer Nähe des Naturschutzgebieges „Natura-2000 Bruine Bank“ erhalten. Das Gas, das dort gefunden wurde und gefördert werden soll, soll über eine rund 15 Kilometer lange Pipeline nach Den Helder fließen.

Mit dem neuen Gasprojekt möchte die Haager Regierung die Förderung von eigenem Erdgas wieder aufnehmen und steigern. Denn seit der Schließung des Groninger Gasfelds und der Blockade von russischem Erdgas wegen des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine, sind die Niederlande stark auf importiertes Flüssiggas (LNG) aus Ländern wie Katar und den USA angewiesen. Der Import des flüssigen LNG-Gases aus Katar und den USA ist aber teuer – zu teuer, meint die Haager Regierung.

Die Umwelt- und Transportkosten für den LNG-Import sind wesentlich höher als die Kosten der Förderung von heimischem Gas aus der Nordsee. Außerdem: Die rechtskonservative Haager Regierung will die Energiepreise senken, damit die niederländische Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt und mit preiswerter Energie produzieren kann. Aus diesem Grund sollen in den Niederlanden auch vier neue Kernkraftwerke gebaut werden, hat das Haager Kabinett beschlossen.

Petrogas soll das Erdgas im sogenannten Block B16, der nördlich von Den Helder in der Nordsee liegt, fördern. Dieser Teil der Nordsee liegt gerade noch innerhalb des niederländischen Hoheitsgebiets. Nach Angaben des Energieunternehmes „Energiebeheer Nederland“ wird dort derzeit bereits intensiv nach Erdgas gebohrt. Die Petrogas-Firma plant, das Gas über eine neue Bohrung und eine neu zu errichtende Gaspipeline zunächst zu einer Zwischenstation zu transportieren. Von dort aus soll das Gas dann nach Den Helder weitergeleitet und in das nationale niederländische Gas-Netz einfließen.

Petrogas fördert bereits Gas in der Nordsee und wird gemäß der nun erteilten Bohrgenehmigung sein eigenes Gaspipeline-System an das nationale Gas-Netz anschließen. Mit der neuen Bohrung sollen in der Nordsee täglich 500.000 Kubikmeter Gas gefördert werden. Insgesamt wollen die Niederlande im Block B16 und im Gasfeld NO5-A nahe der deutschen Insel Borkum in den kommenden Jahren zwischen 4,5 Milliarden und 13 Milliarden Kubikmeter Gas fördern.

Die Haager Regierung hat beschlossen, die eigenen Gasreserven zu nutzen, solange nicht genügend grüner Strom aus Solar- und Windparks sowie Kernkraftwerken zur Verfügung steht. Auch der Import von LNG-Flüssiggas ist zu teuer. Trotz Bedenken hinsichtlich der Umweltverschmutzung und der relativ hohen Kosten wird Erdgas nach Meinung des auf Energie spezialisierten Beratungsunternehmens Wood Mackenzie noch jahrelang eine wichtige Rolle für Kraftwerke und Haushalte spielen.

Die Nachfrage nach Erdgas ist in den letzten 25 Jahren um 80 Prozent gestiegen. Gas wird auch in den kommenden Jahrzehnten noch benötigt, so Wood Mackenzie. Derzeit werden 30 Prozent aller Kraftwerke mit der weitaus umweltschädlicheren Kohle betrieben. US-Präsident Donald Trump dagegen fordert, alle Windturbinen in der Nordsee sollten abgerissen werden. Der Grund: Er will dann noch mehr teures amerikanisches Flüssiggas LNG nach Europa exportieren.

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