Osnabrück  Politbeben 2025: Die Gewinner und Verlierer im Überblick

Michael Clasen, Nele Wichert
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Von Michael Clasen, Nele Wichert
| 25.02.2025 10:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Nach dem furiosen Ampel-Aus im November 2024 wurde Olaf Scholz nun abgewählt. Friedrich Merz soll seine Nachfolge antreten. Foto: dpa/NurPhoto
Nach dem furiosen Ampel-Aus im November 2024 wurde Olaf Scholz nun abgewählt. Friedrich Merz soll seine Nachfolge antreten. Foto: dpa/NurPhoto
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Die Bundestagswahl 2025 ist entschieden – eines steht nun fest: Die politische Landkarte wird auf der einen Seite immer CDU-schwärzer, auf der anderen immer AfD-blauer. Wer konnte seinen Wahlkreis verteidigen, und für wen endete der Abend mit einer bitteren Niederlage? Ein Blick auf Erfolge und Überraschungspleiten.

Jüngster Abgeordneter: Luke Rolf Hoß ist laut Bundeswahlleiterin Deutschlands jüngster Politiker im 21. Bundestag. Der 24-jährige studiert Rechtswissenschaften in Passau und zieht über die Landesliste der Passauer Linken ein.

Ältester Abgeordneter: AfD-Ehrenvorsitzender Alexander Gauland entscheidet wie erwartet den Chemnitzer Wahlkreis mit 32,2 Prozent für sich. Auch in dieser Legislaturperiode wird nicht er die konstituierende Sitzung des Bundestages als Alterspräsident eröffnen. Dieses Amt geht an Gregor Gysi von den Linken.

Meiste Erststimmen: Mit einem Ergebnis von 50,5 Prozent ist Dorothee Bär bundesweite Erststimmenkönigin. Die CSU-Politikerin gewann damit ihren Wahlkreis Bad Kissingen in Nordbayern deutlich, wie aus Zahlen der Bundeswahlleiterin hervorgeht. 

Die Plätze drei bis fünf bei den Erststimmen gehen übrigens an die AfD in Sachsen - darunter auch Parteivize Tino Chrupalla, der in Görlitz auf 48,9 Prozent kommt - das bundesweit fünfthöchste Ergebnis.

Partei nationaler Minderheiten wieder mit dabei: Auch in diesem Bundestag ist der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) mit einem Sitz vertreten. Die 1948 gegründete Partei der dänischen und friesischen Minderheiten zieht mit dem fraktionslosen Stefan Seidler wieder ein.

Enges Duell: Ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich die CDU und die SPD in Göttingen. Mit einem hauchdünnen Vorsprung sicherte sich SPD-Frau Frauke Heiligenstadt (30,4 Prozent) den Sieg gegen den CDU-Mann Constantin Weigel (30,3 Prozent).

Das Orakel von Pinneberg: Weiterhin ‚Verlass‘ ist auf das berühmt-berüchtigte Pinneberger Orakel. Seit 1953 prognostiziert es den Kanzler - und behielt auch dieses Mal Recht. In Pinneberg gewann Daniel Kölbl von der CDU mit knapp 32 Prozent. 

Die totgesagten Linken: Vor wenigen Monaten noch galt der Gewinn von drei Direktmandaten quasi als einzige Chance der Linken auf Einzug in den Bundestag. Doch das Blatt hat sich gewendet: Die Linke ist auch mit ihrem Zweitstimmenergebnis sicher drin. Wahlkreis-Siege gab es nicht nur für den Favoriten Gregor Gysi in Berlin-Treptow-Köpenick, sondern auch für den früheren Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Knapp verloren hat dagegen Dietmar Bartsch in Rostock. Die ‚Mission Silberlocke‘ ist damit trotz des großen Linken-Erfolgs gescheitert: Denn eigentlich wollten Gysi, Ramelow und Bartsch alle drei jeweils ein Direktmandat holen. 

Die CDU hat ihre Hochburg im Wahlkreis Borken II (NW 125) in Nordrhein-Westfalen, wo sie 47,9 Prozent der Stimmen erreicht. Damit reiht sie sich in die Liste der Parteien mit starken regionalen Ergebnissen ein.

Die SPD erzielt ihr bestes Ergebnis im niedersächsischen Wahlkreis Rotenburg I (NI 035) mit 42,1 Prozent.

Die Grünen erreichen ihren höchsten Stimmenanteil im Wahlkreis Köln II (NW 093) mit 34,1 Prozent, während die Linke in Berlin-Treptow-Köpenick (BE 083) mit 41,8 Prozent besonders stark abschneidet.

Die FDP hat ihre Hochburg im Wahlkreis Böblingen (BW 260) in Baden-Württemberg, wo sie 6,1 Prozent der Stimmen erreicht.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) verzeichnet sein bestes Ergebnis in Chemnitz (SN 161) mit 9,2 Prozent.

Die AfD hat ihre Hochburg im sächsischen Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (SN 157), wo sie 49,1 Prozent der Stimmen erreicht.

Scholz vs. Baerbock: Auch, wenn er als Kanzler abgewählt ist, gibt es Grund zum Feiern: Olaf Scholz gelingt ein knapper Sieg im Wahlkreis 61 in Potsdam mit knapp 22 Prozent. Baerbock verliert und landete nur auf Platz fünf.

Niederlage für Habeck: Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck dagegen kann seinen Wahlkreis Nr. 1 in Flensburg-Schleswig nicht verteidigen. Auch die Wahlkreis-Gewinnerin Petra Nicolaisen (CDU) zieht wegen des neuen Wahlrechts nicht in den Bundestag ein.

Lindner: FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner kassierte eine doppelte Niederlage: Mit seiner Partei und auch persönlich im Wahlkreis 99 (Rheinisch-Bergischer Kreis). Erststimmensiegerin ist hier: Caroline Bosbach, die Tochter des langjährigen CDU-Bundespolitikers Wolfgang Bosbach. 

Merz: Neu-Kanzler Friedrich Merz holt in seinem Wahlkreis 146 im Hochsauerland wie erwartet mit Abstand die meisten Erststimmen: 47,7 Prozent. Keine Überraschung in der traditionell tiefschwarzen Region.

Pistorius und Klingbeil: SPD-Chef Lars Klingbeil gewinnt seinen Wahlkreis mit mehr als 42 Prozent deutlicher als viele erwartet hatten. Als „Neuling“ im Bundestag ist Verteidigungsminister Boris Pistorius, der in Hannover 36,2 Prozent holt und damit seine Beliebtheit weiter untermauert. Bisher verfügte der SPD-Mann nicht über einen Sitz im Parlament, da er eine sogenannte „situationsbedingte Nichtmitgliedschaft“ in Folge des Ministerwechsels 2023 besitzt.

Schmidt: Ein enger Weggefährte von Scholz, Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt, schafft es nicht: Er verliert in Hamburg-Eimsbüttel gegen den Grünen-Kandidaten Till Steffen – und auch der Listenplatz zieht nicht. 

Schneider: Nach der Affäre der Grünen um ihren Abgeordneten Stefan Gelbhaar mit teils falschen Belästigungsvorwürfen stand auch der Wahlkreis Berlin-Pankow unter besonderer Beobachtung. Seiner Nachfolgerin als Direktkandidatin, Julia Schneider, waren zuvor kaum Chancen eingeräumt worden – doch sie holte den Wahlkreis und erreichte sogar mehr Erststimmen als ihre Partei Zweitstimmen.

Weidel: AfD-Chefin Alice Weidel liegt in ihrem Wahlkreis am Bodensee deutlich hinter dem CDU-Kandidaten. Die 46-Jährige kam auf 20,36 Prozent der Stimmen. Während des Wahlkampfs wurde Weidel immer wieder mit Fragen nach ihrem Wohnsitz konfrontiert. Wie oft genau sie sich in Überlingen aufhält, ließ sie offen. 

Fester: Die 26-jährige Grünen-Politikerin Emilia Fester konnte diesen Wettkampf nicht für sich gewinnen und muss ihren Platz an SPD-Mann Falko Droßmann abgeben. Damit überlässt sie das Amt des jüngsten Abgeordneten dem Linken Bundestagsmitglied Luke Rolf Hoß.

Streeck: Der Virologe Dr. Hendrik Streeck, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn hat die meisten Erststimmen erhalten und zieht per Direktmandat für die CDU in den neuen Bundestag ein. Er war Mitglied des Corona-Expertenrats während der Pandemie.

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