Neu in Carolinensiel Hier kommt der Hund in die Waschanlage
Wer seinen dreckigen Hund zu Hause im Badezimmer reinigt, muss meistens hinterher auch das Bad ordentlich durchschrubben. Dabei geht es jetzt viel einfacher.
Carolinensiel - Wenn ich beim Gang über schlammige Felder und Wege Spaziergänger mit hellen Hunden treffe, tun sie mir oft leid. Also die Hundehalter, nicht die Hunde. Denn das wahrscheinlich flauschig-weiche weiße Fell ist dann oft eine grau-braune Zottelmähne, und dem entspannten Spaziergang folgt wahrscheinlich eine längere Reinigung zu Hause. Mein Hund ist glücklicherweise kurzhaarig und schwarz; da kann man über den Dreck schon mal hinwegsehen.
Grundsätzlich sollte man Hunde laut Tierarztempfehlung nicht zu oft waschen; sie haben eine andere Haut als Menschen und auch das Fell ist eben kein menschliches Haar. Trotzdem: Manchmal muss es eben doch sein, jedenfalls nach Ansicht der Hundehalter. Das kann mit Gülle auf den Feldern zusammenhängen oder auch mit herumliegendem Aas – in der heimischen Stube will man es jedenfalls nicht riechen. In Carolinensiel, auf dem Gelände des Hotel Noord, gibt es neuerdings ein Angebot, das die Dreckschlacht im heimischen Badezimmer überflüssig macht: eine SB-Hundewaschanlage, die durchaus Ähnlichkeit hat mit dem Pendant für Autos. Sie steht übrigens nicht nur für Hotelgäste zur Verfügung, sondern für alle Hundehalter.
Die Waschanlage
Es handelt sich um eine für Hund und Mensch begehbare grüne Box mit Glastür, keine neun Quadratmeter groß, in der sich eine Waschanlage befindet. Der Raum ist beheizt und jeden Tag betriebsbereit. Einmal drinnen, gelangt der Hund über eine Rampe in ein Becken, das an drei Seiten durch Wände begrenzt und nach vorne offen ist. An einer Seite hängt ein Schlauch mit Duschkopf, aus dem warmes Wasser kommt, und ein zweiter, der als eine Art Föhn dient. Die Bedienungsanleitung ist tatsächlich ähnlich wie bei einer SB-Autowaschanlage: Es gibt verschiedene Programme (warmes Wasser, Pflegeshampoo & Conditioner, Shampoo für weißes Fell, Floh- und Zeckenschutz sowie Trockner in zwei Stufen). Bezahlt wird nach Größe des Hundes. Für meinen mittelgroßen schwarzen Labrador sind zehn Euro fällig.
Tatsächlich kenne ich keinen Hund, der gern gewaschen wird. Ich selbst habe mit Generationen von Labradoren in der heimischen Dusche gestanden; und immer nur, wenn es wirklich gar nicht mehr anders ging. Stets musste ich die Dusche hinterher grundreinigen. Die Abneigung gegen das Waschen ist auch bei dieser Anlage nicht anders. Immerhin: Das warme Wasser scheint dem Tier nicht ganz unangenehm zu sein, bei Inbetriebnahme des Trockners hört der Spaß allerdings auf. Stattdessen kommt das mitgebrachte Handtuch zum Einsatz.
Das Unternehmen
Die Hundewaschanlage in Carolinensiel gehört dem Unternehmen ProDogwash mit Sitz in Bad Kissingen. Bundesweit, so ergibt ein Anruf in Bad Kissingen, stehen bereits 150 solcher Hundewaschanlagen. Hauptsächlich im Süden. Der Norden sei noch kaum bestückt, sagt Linda Fischer von ProDogwash. An der Nordseeküste sei die Anlage in Carolinensiel die einzige. Die nächsten stünden in Varel, Oldenburg oder Cloppenburg.
Die Firma betreibt die Anlage in Carolinensiel per Fernwartung, wie Fischer erklärt. Füllstände von Shampoo und Einnahmen hat man also stets im Blick. Deswegen weiß man in Bad Kissingen auch, ob und wie das Angebot auf dem Hotel-Noord-Gelände angenommen wird: „An den Wochenende ist immer ein großer Ansturm“, sagt Fischer. Wahrscheinlich also, wenn Hundehalter mit ihren Tieren am Stand sind und sie anschließend reinigen wollen, bevor es wieder ins Auto und nach Hause geht.
Das Hotel
Was das Hotel Noord davon hat? „Es gibt unwahrscheinlich viele Gäste mit Hunden“, sagt Hoteldirektor Malte Grauerholz. Grob geschätzt reisten 35 bis 45 Prozent der Kunden mit Vierbeinern an. Über Silvester hätten sie sogar 40 Hunde im Hotel gehabt.
Grauerholz versteht die Hundewaschanlage als zusätzliches Service-Angebot für seine Gäste. Viele, sagt er, hätten so etwas auch noch nie gesehen. Und dann bleibt viel Hundedreck eben auch in der grünen Box am Rande des Hotelgeländes. Und nicht in den Hotelzimmern.