Hamburg Fernweh, Schnapsidee, Vorfreude: Diese Wörter gibt es nur im Deutschen
Manche Dinge oder Gefühle sind weltweit universell – trotzdem gibt es nur in der deutschen Sprache konkrete Begriffe dafür. Hier kommt eine Auswahl an Worten, die sich nur schwer direkt übersetzen lassen.
In jeder Sprache existieren Wörter, die sich nicht mit einem Begriff übersetzen lassen. Die Spanier zum Beispiel nennen die Geselligkeit nach dem Essen „sobremesa“. In Indonesien wird ein Witz, der so unlustig ist, dass man trotzdem lachen muss, als „jayus“ bezeichnet. Und wenn man etwas findet, wonach man nicht gesucht hat, nennen die Engländer das „serendipity“.
Und auch im Deutschen gibt es diese Worte, die so in keiner anderen Sprache vorkommen. Hier sind einige Beispiele:
Wer an einem fremden Ort ist und sich nach Hause sehnt, Familie und Freunde vermisst, der hat Heimweh. Im Deutschen kennt man aber auch das Gegenteil davon: Man ist zu Hause, wäre aber gern an einem anderen Ort – hat also Fernweh. Dieses Gefühl scheint so deutsch zu sein, dass sogar in der englischen Übersetzung ein deutsches Wort dafür verwendet wird: Wanderlust.
Manchmal muss man eine Situation mit so viel Vorsicht und Einfühlungsvermögen behandeln, dass dafür Fingerspitzengefühl nötig ist. Das kann sowohl im Umgang mit im Dingen als auch mit Menschen der Fall sein. Wer Empathie zeigt, die richtigen Worte findet oder sehr vorsichtig mit etwas umgeht, der zeigt Fingerspitzengefühl.
Manchmal hat man einen Einfall, der so seltsam, ungewöhnlich oder unsinnig ist, dass er eigentlich nur unter Alkoholeinfluss entstanden sein kann. Aber auch nüchtern kann man durchaus auf Schnapsideen kommen.
Eines der Worte, das so schwer zu übersetzen ist, dass man es exakt so auch in anderen Sprachen verwendet, ist Weltschmerz. Es beschreibt ein Gefühl der Trauer und schmerzhaft empfundener Melancholie, das man über seine eigene Unzulänglichkeit hat. Geprägt wurde es vom Schriftsteller und Dichter Jean Paul.
Vielleicht kann Weltschmerz sogar dazu führen, dass man vermehrt zu Süßigkeiten greift. Aber egal, was für diesen Hunger sorgt – Liebeskummer, seelischer Druck, Stress – das auf den Hüften sichtbare Resultat wird als Kummerspeck bezeichnet.
Ein weiterer deutscher Begriff, der auch in andere Sprachen übernommen wurde, ist Zeitgeist. Er beschreibt die Art, wie die meisten Menschen einer Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit denken und fühlen. Zuerst wurde das Wort wahrscheinlich im Jahr 1769 vom Dichter und Philosophen Johann Gottfried Herder benutzt.
Liest man ein Buch, so stellt man sich die Szenen darin vielleicht vor dem inneren Auge vor – im sogenannten Kopfkino. Es kann aber auch vorkommen, dass man jemandem zuhört, der eine Geschichte erzählt, und dabei so im eigenen Film versinkt, dass man gar nicht mehr aufpasst, was gesagt wird.
Abends gegessen wird auch in anderen Ländern. Wenn es aber relativ früh am Abend belegte Brote und nichts Warmes gibt, nennen die Deutschen das Abendbrot. Und gibt es doch eine warme Mahlzeit ohne Brot am Abend, so wird es hierzulande trotzdem als Abendbrot bezeichnet.
Schämen kann man sich vor allem für Dinge, die einen selbst betreffen. Wenn man aber eine andere Person beobachtet, die sich so danebenbenimmt, dass in einem selbst ein unangenehmes Gefühl aufsteigt, spricht man von Fremdscham.
In jeder Sprache kann man sich freuen – auch auf Dinge, die in der Zukunft liegen. Aber nur im Deutschen gibt es eine genaue Bezeichnung dafür, wenn man sich im Voraus auf etwas freut: Vorfreude.
Eigentlich hatte man sich vorgenommen, zum Sport zu gehen. Aber das Sofa sieht so gemütlich aus. Das sieht auch der innere Schweinehund so. Deswegen ist es manchmal umso schwerer, ihn zu bekämpfen. Wer sich trotzdem zum Sport aufraffen kann, hat den inneren Schweinehund überwunden.
Freut man sich darüber, dass anderen etwas Schlechtes passiert, so empfindet man Schadenfreude. Auch dabei handelt es sich um ein Lehnwort, also um einen der Begriffe, die man in anderen Sprachen genauso benutzt.
Die Eltern sind unterwegs, die Kinder haben das Haus für sich. So eine Situation sorgt wahrscheinlich weltweit für Freude beim Nachwuchs, aber nur in der deutschen Sprache gibt es dafür ein Wort: sturmfrei – oder genauer: die sturmfreie Bude.
Das letzte Stück Kuchen ist verschwunden und das Gesicht des Kindes mit Schokolade verschmiert. Spricht man es darauf an, gerät es möglicherweise in Erklärungsnot. Diesen Druck, etwas erklären zu müssen, ohne zu wissen wie, kann man wohl nur in der deutschen Sprache in einem Wort benennen.
Die Deutschen versuchen gerne effizient zu sein – und das gilt natürlich auch für die Urlaubsplanung. Wer besonders geschickt ist, nimmt sich auch an den Tagen frei, die zwischen Wochenenden und Feiertagen liegen – den sogenannten Brückentagen. Wortwörtlich lässt sich das vielleicht nicht übersetzen, anderswo gibt es aber trotzdem Begriffe dafür – in Schweden etwa spricht man von „klämdagar“ (Klemmtagen), in Österreich von Fenstertagen.
Für das Gefühl von Sicherheit, Wärme und Gemütlichkeit, das ein Kind in den Armen seiner Eltern fühlt, nennt man im deutschen Sprachraum Geborgenheit. 2004 wurde dieses Wort in einem vom Deutschen Sprachrat initiierten Wettbewerb zum zweitschönsten Wort der deutschen Sprache gekürt.