Hamburg  Sabotage-Verdacht: Segler sollen Nato gegen Schattenflotte helfen – worauf Sie achten müssen

Karolina Meyer-Schilf
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Von Karolina Meyer-Schilf
| 06.03.2025 06:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Im Visier der Segler: Kein russisches Spionageschiff, sondern die gute alte dänische Heimwehr. Foto: Karolina Meyer-Schilf
Im Visier der Segler: Kein russisches Spionageschiff, sondern die gute alte dänische Heimwehr. Foto: Karolina Meyer-Schilf
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Augen auf beim Segeltörn: Weil sich zuletzt Schäden an kritischer Unterwasserinfrastruktur in der Ostsee häufen und in vielen Fällen ein Sabotageverdacht im Raum steht, sollen jetzt auch zivile Schiffe wachsam sein – und bei Verdacht die Nato anrufen.

Zerstörte Pipelines, durchschnittene Seekabel, rostige Tanker der russischen „Schattenflotte“ – die Ostsee ist seit der russischen Vollinvasion der Ukraine Schauplatz hybrider Bedrohungen. Bis auf Russland sind inzwischen alle Anrainerstaaten Nato-Mitglieder. Und die kümmern sich jetzt verstärkt um die Sicherheit ihrer maritimen kritischen Infrastruktur.

Mit der Operation „Baltic Sentry“ („Baltische Wache“) reagiert die Nato auf die zahlreichen Vorfälle an ihrer Nord- und Ostflanke. Mithilfe von Schiffen, Helikoptern und Seefernaufklärern soll der Seeraum künftig stärker als bisher überwacht werden, um mögliche Sabotageakte schnell zu entdecken und möglichst zu ahnden. Dabei sollen nun auch Segler helfen: Sie können der Nato eine E-Mail schreiben, wenn sie verdächtige Schiffsbewegungen registrieren.

Schon Ende Januar veröffentlichte das Nato Shipping Centre dazu eine Mitteilung: „Schiffe, die verdächtige Handlungen, Verhaltensweisen oder Vorfälle beobachten, werden gebeten, diese Ereignisse beim NATO Shipping Centre unter +44 1923-956574 oder per E-Mail an die Adresse info@shipping.nato.int zu melden“, heißt es auch in den „Nachrichten für Seefahrer“, die das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie regelmäßig herausgibt. Sie enthalten nautische Hinweise für alle Seefahrer, üblicherweise werden hier Berichtigungen für Seekarten kommuniziert, wenn sich etwa Tiefen oder Durchfahrtshöhen geändert haben oder Tonnen eingezogen worden sind.

Auch die schwedische Seeverwaltung Sjöfartsverket hat die Aufforderung der Nato in ihre „Mitteilungen für Seeleute“ übernommen.

Die Mail sollte neben Informationen zum eigenen Schiff (Name und Flagge), einer Telefonnummer und – wenn vorhanden – Screenshots von Radarbildern möglichst genaue Informationen zum verdächtigen Vorfall enthalten: Positionsangabe, Zeitpunkt und eine detaillierte Beschreibung.

Worauf die Segler achten sollen, sagt die Nato auch: So sind vor allem Schiffe verdächtig, die keinen Anker (mehr) haben oder ihn hinter sich herziehen, die ungewöhnliche Kurse fahren oder sich länger über sogenannter kritischer Infrastruktur wie Seekabeln und Pipelines aufhalten.

Das Nato Shipping Centre nennt auch die in Frage kommenden Seegebiete: Skagerrak, Kattegat, Ostsee, der Golf von Finnland, die Bottensee und der Bottnische Meerbusen.

Inwiefern Freizeitskipper bei der Aufklärung mutmaßlich russischer Sabotage tatsächlich helfen können – und was eigentlich passiert, nachdem man bei der Nato angerufen hat – bleibt indessen unklar. Eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion beim Marinekommando in Rostock blieb bislang unbeantwortet. Die Nato immerhin verspricht: Die Verdachtsmeldung werde „in keiner Weise zu Verzögerungen oder anderen Unannehmlichkeiten führen.“

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