Osnabrück  Wahlkampf in Grönland: Führt mehr Einfluss der USA zu fatalen Umweltfolgen?

Jens Mattern
|
Von Jens Mattern
| 07.03.2025 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schneebedeckte Häuser in der grönländischen Hauptstadt Nuuk. Foto: DPA/Evgeniy Maloletka
Schneebedeckte Häuser in der grönländischen Hauptstadt Nuuk. Foto: DPA/Evgeniy Maloletka
Artikel teilen:

Der Wahlkampf in Grönland dreht sich um Einfluss von außen. Die Wahl entscheidet über die Unabhängigkeit von Dänemark, US-Einmischung und umstrittene Abbauprojekte von Bodenschätzen. Die grönländische Natur könnte geopolitischen Interessen zum Opfer fallen.

„Wir müssen zusammenstehen, wir alle. Wir müssen sicherstellen, dass wir nicht erobert werden“, so Grönlands Finanzminister Erik Jensen, ein Mann im blauen Kapuzenpulli. Der Aufruf zur nationalen Einheit folgte auf Donald Trumps jüngste Äußerung im Kongress zu der arktischen Insel – die USA würde die Kontrolle über Grönland bekommen, „auf die eine oder andere Weise“.

Eine Anspielung darauf, dass der Amerikaner auch Waffengewalt nicht ausschließt, sollte Dänemark die Insel nicht abtreten wollen. Dem grönländischen Sozialdemokraten stieß nicht nur Trumps Forderung auf, welche jener bereits 2019 erhoben hatte, sondern auch, dass die Mitglieder des Kongresses als Reaktion gelacht hatten - der fehlende Respekt sei ein „sehr besorgniserregendes Verhalten“.

Grönlands Regierungschef Mute B. Egede meinte selbstbewusster: „Über unsere Zukunft entscheiden wir in Grönland selbst.“ Und das wird zumindest formal bald geschehen. Die Wahlberechtigten der 57 000 Insulaner werden am kommenden Dienstag für ein neues Parlament stimmen.

Wahlkampfthema ist der amerikanische Einfluss sowie die gewünschte Unabhängigkeit von Dänemark, die weiterhin die Sicherheits- und Außenpolitik bestimmt. Trump sieht die Sicherheitsinteressen Amerikas angesichts der Präsenz chinesischer und russischer Marine in der Arktis gefährdet.

Das zwei Millionen Quadratkilometer große Gebiet birgt zudem viele Bodenschätze, welche durch das zurückweichende Eis leichter abzubauen sind. Die meisten grönländischen Parteien glauben, mithilfe der USA an diese Ressourcen zu gelangen, ohne dabei die grönländische Unabhängigkeit zu verlieren.

Und jene soll nach der Wahl mittels eines Referendums erreicht werden. Diese gewünschte Unabhängigkeit ist nach einem Abkommen mit Dänemark rechtlich möglich, allerdings wird Kopenhagen dann kaum mehr gewillt sein, die jährlichen umgerechnet 500 Millionen Euro Unterstützung in die Arktis zu transferieren. Dies deutete die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen bereits an. Eine wirkliche Souveränität Grönlands scheint somit kaum möglich.

Doch die Debatten vor der Wahl zeigen - viele Parteien wollen den Bruch mit der Krone. Dies zeigt allein der scharfe Ton in der Hauptstadt Nuuk. Regierungschef Mute B. Egede, gleichzeitig Vorsitzender der linken Partei „Gemeinschaft der Inuit“, warf Dänemark „Völkermord“ vor, da Mädchen und jungen Frauen vor rund 50 Jahren ohne ihr Wissen das Verhütungsmittel „Spirale“ von dänischen Ärzten eingesetzt wurde.

Und die bekannte Influencerin Qupanuk Olsen, welche seit Januar als Mitglied der straff antidänischen Partei „Naleraq“ wirkt, machte bei einer Wahlveranstaltung den zwangsweisen Dänisch-Unterricht für die vielen Suizide in Grönland verantwortlich, was am Donnerstag für mediales Aufsehen sorgte.

Ihre Argumentation: Ohne Mitgliedschaft in der „Reichsfolgegemeinschaft“, wie die Verbindung mit Dänemark genannt wird, fiele auch der Sprachunterricht weg und grönländische Schüler könnten sich besser der Weltsprache Englisch widmen.

Der Tenor scheint klar - ohne Dänemark geht es durchaus, ohne die USA jedoch nicht, nur Amerikaner wollen die Insulaner keine werden, zumindest 85 Prozent von ihnen nicht, glaubt man einer dänisch-grönländischen Umfrage.

Unklarer ist die Haltung der Parteien zum Abbau der Bodenschätze. Unter dem südgrönländischen Berg „Kuannersuit“ sollen ein Fünftel der „seltenen Erden“ schlummern, begehrte Metalle, welche etwa für Akkumulatoren und Bildschirme benötigt werden.

Doch ihr Abbau würde das radioaktive Uran freisetzen. Egede gewann mit weiteren Parteien die vergangene Wahl durch das Versprechen, dass jener Bergbau nicht betrieben werde, die Zusage an „Greenland Minerals“, ein australisch-chinesisches Unternehmen, wurde trotz Androhung einer Milliardenklage zurückgenommen.

Auch die Ölförderung schloss die Regierung aufgrund des Klimawandels 2021 aus. Nun gibt es beim Koalitionspartner, der sozialdemokratischen Partei „Siumut“, Stimmen, welche sich sowohl für die Ölförderung, als auch den Kuannersuit-Bergbau starkmachen.

Allgemein wird vermutet, dass die USA versuchen, grönländische Politiker zu beeinflussen. Im Januar beschloss das Parlament, dass ausländische Parteispenden verboten sind. Das Parlament in Nuuk umfasst 31 Sitze, es treten sechs Parteien zur Wahl an.

Ähnliche Artikel