Osnabrück  Grönlands wegweisende Wahl: Bald nur noch ein Spielball Trumps?

Jens Mattern
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Von Jens Mattern
| 10.03.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Flaggen von Dänemark und Grönland wehen vor dem Hauptquartier des Arktischen Kommandos neben einer US-Flagge. In dem Gebäude befindet sich auch das Konsulat der USA in Grönland. Am 11.03.2025 haben die Grönländer die Wahl. Foto: DPA/Steffen Trumpf
Die Flaggen von Dänemark und Grönland wehen vor dem Hauptquartier des Arktischen Kommandos neben einer US-Flagge. In dem Gebäude befindet sich auch das Konsulat der USA in Grönland. Am 11.03.2025 haben die Grönländer die Wahl. Foto: DPA/Steffen Trumpf
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Zwischen US-Interessen und dänischem Einfluss wird über die Zukunft Grönlands entschieden. Während einige Wähler rigoros politische Autonomie fordern, wächst bei anderen die Angst vor Trump. Es könnte zu einem radikalen Umbruch im hohen Norden kommen.

Die Schneehaufen in der grönländischen Hauptstadt Nuuk sind geschrumpft, Regen hat sie dezimiert, es herrscht Tauwetter. Auch ein politischer Wechsel steht auf der arktischen Insel an, die rund 40 000 Wahlberechtigten bestimmen am Dienstag über die 31 Sitze im Parlament, sechs Parteien sind angetreten, über die Geschicke Grönlands zu entscheiden.

Doch wie weit reicht deren realer politischer Spielraum? Donald Trump hat Ansprüche auf das zwei Millionen Quadratkilometer große Gebiet gestellt, es birgt Bodenschätze und hat angesichts der zunehmenden Präsenz von russischer und chinesischer Marine in der Arktis auch eine strategische Bedeutung

„Wir sind bereit, Milliarden von Dollar zu investieren, um neue Jobs zu schaffen und euch reich zu machen.“ versprach der US-Präsident den Grönländern jüngst auf „X“; und offerierte die Option, Teil der USA zu werden.

Hierauf reagierte der Regierungschef Mute B. Egede erstmals recht entschieden: Trump behandele die Grönländer „nicht mit dem Respekt, den sie verdienen“. Er sei „unberechenbar und verbreitet Unsicherheit“, meinte der Mann im blauen Kapuzenpulli gegenüber dem öffentlich-rechtlichen TV-Sender „Danske Radio“.

In Kopenhagen hört man solche Aussagen gern, schließlich wird dort die Sicherheits- und Außenpolitik der Insel bestimmt. Doch wie lange noch? Vier der sechs grönländischen Parteien wollen die Loslösung von der dänischen Krone.

Anfangs sahen viele Grönländer die medial beachteten Ansprüche Trumps auch als Chance, mittels amerikanischer Investitionen die Selbständigkeit zu erreichen – nach den Wahlen soll dazu ein Referendum stattfinden.

Mehr dazu: Grönland will nicht zu den USA gehören – doch jetzt gibt es auch Ärger mit Dänemark

Egede, Chef der linken Partei „Gemeinschaft der Inuit“, hatte noch im Januar gegenüber dem US-Sender „Fox“ mehrfach eine „starke Partnerschaft“ mit den USA beschworen. Doch den zunehmenden Druck aus Washington empfinden viele Volksvertreter Grönlands als verstörend.

Die Inselbewohner, insgesamt sind es 57 000, scheinen zu merken, dass die USA sie nicht als Gesprächspartner ernst nehmen. Dies wird auch im Fall des grönländischen Maurers Jörgen Boassen deutlich. Der 50-jährige Trump-Fan hatte als Gastgeber offiziell Donald Trump Junior im Januar nach Nuuk eingeladen. In den USA durfte der Grönländer bei den Republikanern auftreten. Nun bekommt Boassen in seiner Heimat Morddrohungen.

Glaubt man den Umfragen, welche die grönländische Zeitung „Sermitsiag“ und die dänische Zeitung „Berlingske“ verantworten, so wollen 85 Prozent der Grönländer keine Amerikaner werden. Ihr Fokus liegt vielmehr auf den Schwierigkeiten des täglichen Lebens: Gesundheit, Bildung und Wohlfahrt gelten bei ebenfalls 85 Prozent der Wahlberechtigten als die primären Anliegen. Suizid, Kindesmissbrauch, häusliche Gewalt und Alkoholismus sind Probleme, welche die Gesellschaft umtreibt, im vergangenen Jahr gab es 607 Anzeigen wegen sexuellen Übergriffen.

Die weltweit bekannte Influencerin Qupanuk Olsen, welche seit Januar als Mitglied der straff antidänischen Partei „Naleraq“ wirkt, versucht die sozialen Probleme mit der ehemaligen Kolonialmacht Dänemark zu verknüpfen - der zwangsweise Dänisch-Unterricht an den Schulen sei für die vielen Suizide in Grönland verantwortlich.

Ihre Partei, deren Chef Broberg bereits 2019 Trumps erstes öffentliches Grönland-Begehren als einziger grönländischer Politiker begrüßt hatte, wächst in den Umfragen, allerdings gewinnt auch „Demokraatit“ an Zuspruch, welche sich für ein Verbleiben in der „Reichsfolgegemeinschaft“ mit Dänemark ausspricht.

Doch wird das die USA interessieren? „Spricht er überhaupt mit uns oder spricht er nur mit dem Rest der Welt?“, fragte die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeld. Immerhin hatte Trump angedeutet, auch die Waffen sprechen zu lassen, sollte Dänemark nicht freiwillig die Insel abtreten.

Eine Einverleibung als US-Bundesstaat muss jedoch nicht zwingend folgen. Alexander Gray, Trumps ehemaliger Sicherheitsberater, jetziger Chef des Trump-nahen Beratungsunternehmen „American Global Strategies“ bewirbt zwei Möglichkeiten -Grönland als „nicht-staatliches“ Territorium der USA wie etwa Puerto Rico oder ein „Freies Assoziierungsabkommen“ wie bei den Marschallinseln.

Die amerikanische Einflussnahme hat schon lange begonnen. Nach Angaben der „Deutschen Welle“ hätte die „Make America Great Again“-Bewegung bereits hohe Beträge in Grönland investiert, Donald Trump Junior ließ bei seinem Besuch Geldscheine verteilen. Es kann vermutet werden, dass Entscheidungsträger gekauft sind oder sich bald kaufen lassen werden.

Dänemark, ein enger Verbündeter der USA, versucht sich in diesem Konflikt nicht zu sehr zu exponieren. „Ich bin eigentlich völlig davon überzeugt, dass die grönländische Bevölkerung selbst entscheiden kann, was Grönlands Interessen sind“ wiederholt sich Dänemarks Außenminister Lars Lökke nach Trumps jüngstem Angebot. Und hofft wohl flehentlich auf einen Stimmenzuwachs der beiden pro-dänischen Parteien auf der arktischen Insel.

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