Osnabrück  Mit dem Klang der Empathie: Das schöne, alte Wort Mitgefühl

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 14.03.2025 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine schöne Geste des Mitgefühls: Dieser Mann nimmt eine weinende Frau in den Arm. Foto: imago images/Panthermedia
Eine schöne Geste des Mitgefühls: Dieser Mann nimmt eine weinende Frau in den Arm. Foto: imago images/Panthermedia
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Mitgefühl können Menschen immer wieder gut gebrauchen. Aber gerade jetzt scheint der Zeitgeist in eine ganz andere Richtung zu gehen. Was steckt hinter dem Wort Mitgefühl? Warum fasziniert es so?

Der Blütenzauber gehört dazu, das Luftschloss auch. Viele Menschen finden solche Wörter schön. Warum? Weil schon ihr Klang angenehm ist, weil diese Wörter jedem, der sie hört, lebhafte Vorstellungen eingeben. Diese Wörter sind schön, weil sie Bilder zu erzeugen verstehen. Deshalb klingen sie nach purer Poesie.

In die Gruppe gehört auch das schöne, alte Wort Mitgefühl, das laut Duden nicht mehr gar so oft benutzt wird. Seltsam eigentlich für eine Zeit, in der Mitgefühl mehr und mehr gebraucht wird und eine gute, weil hilfreiche Haltung bezeichnet. Gleichzeitig scheint es fast so, als gelte Mitgefühl inzwischen fast schon als Zeichen der Schwäche.

„Die grundlegende Schwäche der westlichen Zivilisation ist Empathie“, formulierte Elon Musk gerade in einem Podcast so etwas wie einen hässlichen Satz der dunklen Stunde. Wer sich für disruptive, also plötzliche Veränderung begeistert, kann in der Empathie wirklich nur ein Hemmnis entdecken. Denn sie stellt her, was Tech-Milliardär Elon Musk und seinesgleichen wohl verabscheuen – verlässliche Beziehungen zu anderen Menschen.

Empathie: Das Wort darf als Synonym zu dem deutschen Begriff Mitgefühl angesehen werden, als seine Entsprechung aus dem Reich der Fremdwörter. In Mitgefühl steckt die Fähigkeit, mit anderen zu fühlen, sich auf die emotionalen Schwingungen anderer Menschen einzulassen und sie nachspüren zu können.   

Das deutsche Wort Mitgefühl macht aus dieser Fähigkeit ein sprachliches Klangerlebnis, das direkt zu wecken imstande ist, wovon die Rede ist. Mit einem anderen Menschen fühlen können: Darin liegt eine Stärke, keine Schwäche. Wer Mitgefühl aufzubringen vermag, nimmt Menschen anders, auf jeden Fall reicher wahr.

Das Wort kommt übrigens aus dem Mittelhochdeutschen. Dort bedeuten Wörter wie mitelīden und mitelīdunge das Mitgefühl, die Fähigkeit zu gemeinschaftlichen Leiden, auch die Teilnahme an öffentlichen Lasten. Das Wort geht also auf sehr alte Wurzeln zurück und auf eine Tugend, von der Menschen sich schon vor Jahrhunderten einen Begriff machten.

Mitgefühl wird immer gebraucht, nicht nur in einem Trauerfall, bei dem es zum guten Ton gehört, Hinterbliebenen das Mitgefühl auszusprechen. Mitgefühl ist in vielen Lebenslagen am Platz, auch als Basis für eine feinere Verständigung.

Ich finde, dass Mitgefühl das Leben reicher macht. Zugleich frage ich mich, wie arm ein reicher Mensch sein muss, der Mitgefühl für eine Schwäche hält.

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