Kiel  Letzter Tatort aus Kiel: Axel Milberg über Filmtod und Schluss-Szene

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 16.03.2025 06:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
46 Jahre jung war Axel Milberg, als er zum ersten Mal den Kommissar Borowski im Kieler „Tatort“ spielte. Vorher hatte die Figur schon einen Auftritt in „Stahlnetz“. Foto: dpa/Lino Mirgeler
46 Jahre jung war Axel Milberg, als er zum ersten Mal den Kommissar Borowski im Kieler „Tatort“ spielte. Vorher hatte die Figur schon einen Auftritt in „Stahlnetz“. Foto: dpa/Lino Mirgeler
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Erinnern Sie sich noch, wie Axel Milberg in seinem allerersten Kieler „Tatort“ aussah? Vor dem 44. und letzten Fall von Klaus Borowski haben wir gemeinsam zurückgeblickt.

Der beliebte TV-Krimi aus Kiel steht vor seiner größten Zäsur: Nach 23 Jahren im aktiven TV-Polizeidienst und insgesamt 44 Fällen verabschiedet Axel Milberg sich von der Rolle als „Tatort“-Kommissar Klaus Borowski. Stirbt der Ermittler oder darf er die Rente genießen? Im Interview umkreist Axel Milberg das Geheimnis der letzten Kieler „Tatort“-Episode. 

„Ein Filmtod ist gut angelegtes Geld“, scherzt Axel Milberg (68) über das mögliche Ende seines Kieler Kommissars Borowski im Gespräch mit unserer Redaktion. „Weil der Kostenverursacher danach für immer weg ist.“

Im Interview schilderte der Schauspieler etliche verworfene Schlussszenen, die er für seine Figur vorgeschlagen hatte: „Eine Idee war, dass Borowski zu seiner Abschlussfeier nicht erscheint. Alle wundern sich und machen schon mal die Flaschen auf. Im Hintergrund wischt eine Putzfrau den Flur nass auf, und nur der Zuschauer entdeckt, dass das Borowski ist, der sich verkleidet hat und lauscht: Was reden die Kollegen über mich?“

Im ARD-Teaser blickt Axel Milberg auf 44 Borowski-„Tatorte“ zurück:

Eine andere Idee sei eine Büroparty gewesen, für die „jemand einen Dia-Vortrag mit meinen Lieblingsmördern vorbereitet. Bei einem besonders üblen könnte das Dia stecken bleiben und im Licht des Projektors verbrennen“. Als emotionales Schlussbild hatte Milberg eine Segeltour in Richtung Skandinavien vorschlagen – auf der Borowski sich zuletzt mit einer unbekannten Frau an Bord zeigt.

Auch einen blutigen Filmtod beschreibt Milberg als attraktives Ende für Borowsk, selbst wenn, wie der Schauspieler augenzwinkernd ergänzte, solche Ideen das Produktionsbudget strapazierten: „Sprengungen, große Krater, zusammenstürzende Häuser, viel Special Effects. Die hätten dann doch was gekostet. Also hat es auch, ähm, okay.“

Milberg zog eine positive Bilanz seiner 44 Einsätze am „Tatort“ Kiel. Kritisch sah er allerdings Versuche der Landespolitik, die ARD-Reihe für die eigenen Zwecke einzuspannen: „Manchmal gab es Beschwerden von Lokalpolitikern, die meinten, dass wir mehr für Kiel werben sollten – als Investitionsstandort und als Reiseziel. Das ist ja nun wirklich nicht Aufgabe von Krimis“, erinnerte sich Milberg.

„Der NDR hat wirklich mal gesagt: Wir drehen im Mai! Jetzt müssen wir auch mal zeigen, wie schön Schleswig-Holstein ist – Rapsfelder, Ostsee, blauer Himmel! Und dann hat die Geschichte in der Kanalisation gespielt. Ein einziges Mal klappe ich einen Gullideckel hoch und hinten sieht man dann den Raps vor blauer Ostsee.“

Sein Ende als Kommissar Borowski erklärte Milberg mit der Lust auf andere Projekte – die nun mehr Freiraum in seinem Kalender erforderten: „Wenn ich weitergemacht hätte, wären es noch mal drei Jahre geworden. Wir rechnen mit Staffeln à sechs Folgen. Zu viel für mich.“ Ein weiterer Grund sei der Kostendruck, der inzwischen auf dem Kieler „Tatort“ laste: „Ein bisschen hält bei den Öffentlich-Rechtlichen auch der Sparfuchs Einzug“, sagte der Schauspieler. „Es betrifft alles. Wie viele Drehtage kriegt man? Wo wohnt man? Wer holt einen ab? Welche Autoren und Schauspieler kann man sich leisten?“

Milberg störte sich auch daran, dass das „Kiel“ im TV-Krimi regelmäßig an anderen Drehorten gefilmt worden sei. „Zuletzt sind wir mit unserem Kieler ‚Tatort‘ auch immer öfter in Hamburg oder im Lauenburgischen gelandet. Verkauft wurde es dann als Kiel. Da war ich auch nicht immer glücklich“, sagte Milberg.

„Früher waren wir immer nur in Kiel, meiner Heimatstadt. Am Wochenende blieb man. Alles war Kiel, alles sah nach Kiel aus, alles roch nach Kiel. Man hörte die Möwen und die Hammerschläge der Werft. Ich bilde mir sogar ein, dass die Innenräume, Tapeten, Türen, Türrahmen, Vorgärten anders aussehen. Wir haben das Besondere einer Stadt erzählt, das man nur dann erkennt, wenn man da geboren ist.“

Der Quotendruck, so Milberg, sei beim ARD-Krimi schon immer hoch gewesen. „Das war konstant immer sehr wichtig“, so Milberg. „Nicht für mich. Ich will ungewöhnliche Filme machen, die nicht auf Nummer Sicher gehen. Darum haben wir immer gekämpft. Die Quote war dann aber sehr stabil, meistens um die neun Millionen.“

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