Nordhorn Was ist los mit Klaus Augenthaler? Fragwürdiger Auftritt musste abgebrochen werden
Klaus Augenthaler, Weltmeister und Bayern-Legende, sorgte bei einer Veranstaltung im Nordhorner Capitol für Ärger: Angekündigt als fesselnde Erzählung seiner Fußballkarriere, endet der Abend unerwartet. Die Veranstaltung wurde vorzeitig abgebrochen.
Ein Interview mit dem früheren Fußball-Profi Klaus Augenthaler überschrieb die Tageszeitung „Die Welt“ vor einigen Jahren mit einem Zitat des ehemaligen Bundesliga- und Nationalspielers des FC Bayern: „Vor Spielen habe ich höchstens zwei Weizen getrunken.“ Das hat der Karriere des Müncheners nicht geschadet. Als siebenmaliger deutscher Meister, Weltmeister 1990 und Weltklasse-Verteidiger legte er eine beeindruckende Laufbahn hin.
Bei seinem Auftritt am Mittwochabend auf der Bühne des Nordhorner (Landkreises Grafschaft Bentheim) Capitols standen Bierglas und -flasche immer griffbereit, dazu eine Flasche Wein – und „Auge“, wie Kollegen und Fans ihn nennen, ließ es sich schmecken. Von Topform war Augenthaler an diesem Abend allerdings weit entfernt: Die Veranstaltung vor 200 Besuchern musste vorzeitig beendet werden, weil der 67-Jährige sich auf der Bühne immer wieder verhaspelte und kaum zusammenhängende Sätze zustande brachte.
Unter dem Motto „Die Fragen, die stelle ich“ sollte Augenthaler gemeinsam mit dem NDR-Hörfunkjournalisten Albrecht Breitschuh über sein Fußballerleben referieren. Doch was vielversprechend klang, endete in einem Reinfall. Augenthaler saß unruhig auf seinem Stuhl, gestikulierte wild umher, verlor schnell den Faden. Moderator Breitschuh versuchte zu retten, was zu retten war. Doch Augenthaler war an diesem Abend nicht bei der Sache.
Immer wieder fiel er dem Moderator ins Wort. Er war für das Publikum kaum zu verstehen und sprang in seinen Aussagen hin und her. Augenthaler, der seine gesamte Karriere beim FC Bayern München verbracht hat und dort zur Vereinslegende wurde, kritisierte die heutigen Bayern-Spieler Joshua Kimmich und Serge Gnabry für ihr Verhalten scharf und rechnete mit den heutigen Verhältnissen im Profifußball ab.
Eine Frau aus dem Publikum sorgte sich gar um den Gesundheitszustand des 67-Jährigen und fragte ihn persönlich, ob es ihm denn gut gehe. Im Publikum wurde es danach zusehends unruhig, das fahrige Verhalten des Weltmeisters sorgte für Gesprächsstoff. Nach einiger Zeit hatten die ersten Zuschauer genug und verließen den Saal. Nach rund einer Stunde legte Augenthaler eine Pause ein.
Wenig später betrat Capitol-Chef David Korte die Bühne und verkündete das vorzeitige Ende der Veranstaltung – obwohl eigentlich erst eine Halbzeit der Lesung absolviert war. Korte sprach von einem unerwarteten, aber spannenden Abend. Augenthaler stand da schon an der Theke, mischte sich unter das Publikum, signierte einige Fanartikel und stand für Fotos bereit.
Stunden zuvor war die Situation noch eine andere. Im Gespräch mit den Grafschafter Nachrichten im Vorfeld der Veranstaltung referierte Augenthaler souverän und bodenständig über seine beeindruckende Karriere.
Augenthaler wuchs im beschaulichen Fürstenzell in Bayern auf. Schnell begeisterte sich der kleine Bayer für den Fußball. „Meine Kindheit bestand eigentlich nur aus Schule, Hausaufgaben und Fußballspielen“, erzählt er den GN. Aktiv im Verein spielte er allerdings erst mit 14 Jahren. Von da an ging es schnell bergauf. „Mein Heimatverein FC Vilshofen hatte eine sehr gute Jugendarbeit. Wir wurden bayerischer Landesmeister in der A-Jugend und haben da schon vor 3000 Zuschauern gespielt“, schwärmt der Weltmeister von 1990.
Schnell wurde dann auch der FC Bayern auf ihn aufmerksam. Gemeinsam mit sechs seiner damaligen Teamkameraden wurde er zu einem Probetraining in München eingeladen. Für den jungen und eher zurückhaltenden Augenthaler eine besondere Situation. „Plötzlich stand ich mit Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge gemeinsam auf dem Platz. Das war schon aufregend damals“, erzählt er.
An sein erstes Bundesligaspiel kann sich Augenthaler noch gut erinnern. Spät abends vor dem Spiel kam sein damaliger Trainer Dettmar Cramer in sein Hotelzimmer und fragte, ob er sich bereit fühle, morgen zu spielen. „Ich war nach der Ankündigung wahnsinnig nervös und konnte kaum schlafen“, erzählt er. „Ich habe aber geträumt, dass ich morgen ein Tor machen werde.“ Und tatsächlich sollte es auch so kommen. Augenthaler erzielte in seinem ersten Bundesligaspiel direkt seinen ersten Treffer und war damit im Profifußball angekommen.
Danach legte er eine beeindruckende Karriere hin, wurde mit dem FC Bayern sieben Mal deutscher Meister und gewann drei Mal den DFB-Pokal. Er stieg zum Spielführer auf und wurde schnell zur absoluten Vereinslegende. Bis letztes Jahr gab es allerdings kein Buch, welches das Leben des Klaus Augenthaler zusammenfasst.
Der NDR-Sportjournalist Albrecht Breitschuh wollte das ändern und schrieb gemeinsam mit Augenthaler über dessen Lebenswerk, das im Nordhorner Capitol eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte. „Wir haben uns regelmäßig ausgetauscht und auch hin und wieder persönlich getroffen. Ich habe Augenthaler dabei immer als sehr bodenständigen Menschen wahrgenommen, der weiß, wo er herkommt“, erzählt Breitschuh.
Legendär ist auch Augenthalers Pressekonferenz als Trainer des VfL Wolfsburg. Kurz vor einer wichtigen Partie ging er ans Pressepult, stellte und beantwortete die Fragen kurzerhand selbst und verließ nach 42 Sekunden den Saal wieder. Auf die Frage, ob diese Aktion im Vorfeld geplant gewesen sei, antwortet der Weltmeister im GN-Gespräch lachend: „Geplant kurzfristig.“
Heute trainiert der 67-Jährige den internationalen Nachwuchs des FC Bayern. Früher hat er unter anderem die Bundesligaklubs aus Leverkusen und Wolfsburg trainiert. Spaß machten ihm beide Aufgaben, erzählt er. Einen entscheidenden Unterschied gibt es aber: „Ich bin als Trainer der Nachwuchskicker sehr menschlich und möchte immer, dass möglichst alle zufrieden sind und Spielzeit erlangen. Mit meinem Ehrgeiz, immer gewinnen zu wollen, konfligiert das manchmal.“
Dieser Artikel erschien zuerst in den Grafschafter Nachrichten.